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Aachen: Brust-Operation im Ministerium

Aachen : Brust-Operation im Ministerium

Keine andere Krankheit ist in den letzten fünf Jahren so zum Politikum geworden wie der Brustkrebs.

Der Kampf gegen den tödlichen Tumor gerät hierzulande immer mehr zum Demonstrationsobjekt politischen Willens. Hinter den Kulissen wird gezerrt und gezurrt, wer den Zuschlag als Früherkennungs- beziehungsweise als Behandlungszentrum erhält.

Um das Uniklinikum Aachen als Mammografie-Zentrum zu etablieren, musste eigens das Auswahlverfahren wiederholt werden. Und auch auf der Therapieseite gibt es Verfahrensprobleme.

So sollen bald in Nordrhein-Westfalen statt bislang 250 nur noch 50 Krankenhäuser Brustkrebs behandeln dürfen. Die müssen bestimmte Qualitäts-Kriterien erfüllen, die das Gesundheitsministerium vorschreibt.

Dass das Haus von Ministerin Birgit Fischer im Verein mit dem Kölner Regierungspräsidenten ein Krankenhaus ausbooten wollte, das diese Kriterien exakt erfüllt, musste nun das Marienhospital Aachen erfahren.

Nachdem im Januar für den Rest des Landes 37 Brustzentren benannt worden waren, läuft derzeit das Auswahlverfahren für Stadt und Kreis Aachen, sowie die Kreise Düren und Heinsberg. Insgesamt acht Häuser hatten sich beworben.

Ministerium und Regierungspräsident (RP) haben sich inzwischen auf drei festgelegt und diese den anzuhörenden Organisationen und Verbänden zur Zustimmung vorgeschlagen: Uniklinikum in Kooperation mit Lusienhospital Aachen, St. Antonius Hospital Eschweiler sowie Krankenhaus Düren/St. Marien Krankenhaus Düren-Birkesdorf.

Während Ministerium und RP aber bei allen anderen Häusern säuberlich auzählen, ob die erforderliche Zahl von 150 Operationen erreicht wird oder nicht, heißt es im Kommentar zum Marienhospital nur lapidar: „Erfüllt nicht die Vorgaben für die Anerkennung als Brustzentrum.”

Offenbar hat das Ministerium ein Problem mit den eigenen Vorgaben und dem schlichten Umstand, dass man das Uniklinikum kaum umgehen kann - wobei dessen Zahlen gar nicht so günstig sind.

Vorgebenen ist aber auch, dass jedes Zentrum zwischen 360.000 und 450.000 Einwohner versorgen soll. Also dürfte es nur ein Zentrum in Aachen geben.

Das Marienhospital, das längst in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten als „Aachener Brustcentrum” firmiert, hat sich die Verdrängung nicht gefallen lassen.

Am Freitag sprach Verwaltungschef Rolf Leonhard Haugrund in Düsseldorf vor. Und kam mit dieser Pressemitteilung zurück: „Von Seiten des Ministeriums gibt es noch keine Entscheidung. Wir haben darauf hingewiesen, dass das Aachener Brustcentrum am Marienhospital alle qualitativen und quantitativen Voraussetzungen für die Anerkennung durch das Land NRW erfüllt. Diese Aussagen sind im Ministerium auf fruchtbaren Boden gefallen.”

Man darf gespannt sein, wieviele „Brustzentren” Aachen verträgt.