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Aachen: Biologen und Ingenieure Hand in Hand mit Medizinern

Aachen : Biologen und Ingenieure Hand in Hand mit Medizinern

Burkhard Rauhut saß in der ersten Reihe fest. Jedenfalls hätten links und rechts diverse andere Besucher für ihn aufstehen müssen, damit der RWTH-Rektor ans Rednerpult gelangen konnte.

Er entschied sich anders - ein lockerer Hüpfer über die Sitzbank und schon stand er vorne. Topfit, sehr beweglich.

Vielen Millionen Menschen in Deutschland geht es anders. Immer mehr leiden an Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, also Schädigungen der Knochen, Muskeln, Bänder und Sehnen. Eine besondere Rolle spielen in diesem Zusammenhang Erkrankungen an der Wirbelsäule und dort speziell Bandscheibenprobleme, die über sechs Millionen Deutschen zu schaffen machen.

Mobilität stärken

Am „Pauwel Center Aachen for Musculo-Skeletal Research” (PCA), das am Freitag im Beisein von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) und vielen anderen Gästen am Universitätsklinikum Aachen offiziell gegründet wurde, sollen Methoden entwickelt und etabliert werden, die zur Erhaltung oder frühzeitigen Wiederherstellung der Mobilität von Patienten mit Bewegungseinschränkungen führen. Ein virtuelles Zentrum, in dem verschiedene Institute aus den unterschiedlichen Fakultäten der RWTH mit dem Ziel einer engen Verzahnung von Medizinern, Biologen und Ingenieuren zusammengeschlossen sind.

Im Vordergrund stehen neben einer Verbesserung interventioneller und operativer Maßnahmen auch die Prävention muskuloskelettaler Erkrankungen und deren Rehabilitation. Dabei zeichnet sich das PCA durch einen ausgeprägten Klinikbezug aus. Federführend ist dabei die Orthopädische Klinik unter Leitung von Professor Fritz-Uwe Niethard, gleichzeitig Sprecher des Centers ist.

Ministerin Schmidt unterstrich, dass Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats nach Herz-Kreislauf- und Verdauungserkrankungen in Deutschland an dritter Stelle rangieren und im Jahr 2002 mit 25 Milliarden Euro das Gesundheitswesen belastet hätten. Schmidt setzt auf Prävention - nicht nur um Kosten zu reduzieren. „Ein Mehr an Prävention ist auch ein Mehr an Lebensqualität”, sagte die Ministerin, die ferner das innovative Potenzial der Medizintechnik als Standortfaktor für Aachen und die Region unterstrich.

13 Millionen Euro

Rauhut hob das hohe Maß an Interdisziplinarität als Kennzeichen des PCA hervor. „Das Institut wird zur internationalen Reputation des Klinikums und der RWTH beitragen.” Zudem erinnerte er an den Namensgeber, den Aachener Friedrich Pauwels (1885-1980), der mit seinen Publikationen und umfangreichen Untersuchungen die wissenschaftlichen Grundlagen für die orthopädische Biomechanik gelegt habe.

Gefördert wird das PCA in den kommenden fünf Jahren mit Geldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). 13 Millionen Euro fließen aus dem Förderprogramm „SOMIT - Schonendes Operieren mit innovativer Technik” nach Aachen. Hintergrund von SOMIT: Forscherinnen und Forscher aus Universitäten und Unternehmen sollen interdisziplinär Konzepte entwickeln, die die klassische Operation immer weiter zurück drängen werden.

Im Operationssaal der Zukunft wird es dann schon bald nur noch einen Menschen geben - den Patienten, der auf dem OP-Tisch liegt.

Kliniken und Institute

Das Pauwels Center Aachen umfasst derzeit 13 Kliniken und medizinische Institutionen sowie acht ingenieurwissenschaftlich ausgerichtete Institute mit insgesamt über 30 Projekten im Bereich der muskuloskelettalen Forschung.