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Mannheim/Rödermark: Bewerbungsblues nach dem Studium

Mannheim/Rödermark : Bewerbungsblues nach dem Studium

Das Hochgefühl über das bestandene Examen währt meist nur kurz. Schon bei der Suche nach einem Job können Hochschulabsolventen leicht in eine Krise geraten.

Wer für den Übergang ins Berufsleben nicht vorgesorgt hat, findet sich auf einem schwierigen Arbeitsmarkt wieder. „Die Situation lässt einige junge Menschen emotional abstürzen”, sagt Christiane Papastefanou, Psychologin und Privatdozentin an der Universität Mannheim.

Schon während des Studiums hätten viele Studenten Angst vor der Zukunft. „Angesichts der Arbeitsmarktlage fragen sie sich nach dem Sinn der Ausbildung und ihrer Mühen”, berichtet Papastefanou. Bei Absolventen ohne konkrete Jobaussicht würden diese Ängste und Selbstzweifel oft geballt auftreten. Einige geraten dann in ein Stimmungstief oder leiden unter psychosomatischen Beschwerden wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen.

In solchen Fällen ist es meist sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu holen. Dafür kann man sich etwa an die psychologische Beratungsstelle seiner ehemaligen Hochschule wenden. „Hier wird man schauen, wie bisherige Lebenskrisen bewältigt wurden”, sagt die Psychologin. Oft müssen Absolventen nach der stressreichen Prüfungsphase wieder ihre sozialen Kontakte pflegen. Oder sie bräuchten einen Ausgleich zur Jobsuche.

Als nächstes sollte man das unüberwindlich scheinende Problem „Einstieg ins Berufsleben” in einzelne Aufgaben unterteilen. „Die meisten Absolventen müssen zunächst ihren Lebensunterhalt sichern”, sagt Papastefanou. Dies ließe sich mit einem Übergangsjob bewerkstelligen, manchmal können auch Partner oder Eltern aushelfen. Kurzfristige Ziele müsse man sich auch bei körperlichen Beschwerden setzen. Wer zum Beispiel unter Schlafstörungen leidet, kann sich etwa Entspannungstechniken aneignen oder Sport treiben.

Viele Absolventen lähmt die Vorstellung, dass die erste Stelle nach dem Studium ihre gesamte Karriere bestimmt. Doch heutige Berufsanfänger müssen sich eher auf häufige Tätigkeitswechsel und lebenslanges Lernen einstellen. „Dies sollte man als Chance begreifen”, sagt die Privatdozentin. Mit seinem ersten Job lege man sich nicht unbedingt fest, könne aber wichtige Erfahrungen sammeln und sich weiterentwickeln.

Häufig bemühen sich Leute um einen Job, indem sie sich auf offene Stellen bewerben. „Dann reagiert man auf eine Anzeige und versucht, seinen Lebenslauf hinzubiegen”, sagt Doris Brenner, Karriereberaterin im Rhein-Main-Gebiet. Sie rät zum umgekehrten Vorgehen: Guck, wer du bist und suche, was zu dir passt. Dafür müssten sich die Hochschulabsolventen ihre Qualifikationen, Stärken und Neigungen bewusstmachen.

Dazu gehören zum einen die Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem Studium. Unbedingt sollte man auch seine Erfahrungen aus der Freizeit berücksichtigen. Wer sich zum Beispiel im Sport oder in einer Jugendgruppe engagiert hat, kann häufig andere Leute führen und sie für eine Sache begeistern. „In den meisten Menschen steckt viel mehr als ihnen bewusst ist”, sagt Brenner.

Im nächsten Schritt sollte man gezielt nach Tätigkeiten suchen, die einen interessieren. Theoretische Berufsbeschreibungen können ein Anfang sein, besser seien jedoch Gespräche mit Leuten aus der Branche.„Die meisten Menschen sind sehr auskunftswillig, wenn man sie nach ihren Erfahrungen fragt”, berichtet die Expertin. Dadurch bekomme man Informationen aus der Praxis, unter Umständen auch Empfehlungen für weitere Ansprechpartner.

Die Karriereberaterin erlebt, dass viele Hochschulabsolventen beim Sammeln von Informationen sehr ängstlich sind. Selbst Kontakte aus bisherigen Tätigkeiten oder Praktika würden oft nicht genutzt. „Denen bin ich nur lästig” oder „Die erinnern sich bestimmt nicht mehr an mich” sind häufige Einwände. Doch was könne man dabei verlieren? „Es ist normal und redlich, dass man nach dem Studium eine Stelle sucht”, sagt Brenner.

So wie sich Studenten zu Arbeitsgruppen zusammenschließen, könne man mit anderen Absolventen ein „Projektteam Jobsuche” bilden. Mit einer Gruppe lassen sich Informationen häufig schneller sammeln, zum Beispiel zu bestimmten Branchen oder allgemeinen Bewerbungsthemen. „Man kann sich auch gegenseitig Feedback geben, etwa wenn es um Lebenslauf, Anschreiben oder Auftreten geht”, empfiehlt Brenner.