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Aachen: Benefizkonzert in der TH-Aula mit vielen bekannten Künstlern

Aachen : Benefizkonzert in der TH-Aula mit vielen bekannten Künstlern

Wenn Andrea Riccardi am Vortag der Karlspreisverleihung traditionell zunächst den Studenten der RWTH die Ehre erweist, könnte seine erste Dankesrede der Initiative eines jungen Landsmannes gelten.

Renzo Vitale, TH-Doktorand für Elektrotechnik und studierter Pianist, hat ein bemerkenswertes Bündnis der Hilfe für die Opfer des Erdbebens in der mittelitalienischen Stadt L´Aquila geschmiedet, wo er selbst bis Anfang vergangenen Jahres gelebt und studiert hat.

Unter der Schirmherrschaft von RWTH-Rektor Professor Dr. Ernst Schmachtenberg und Hochschulkanzler Manfred Nettekoven hat Vitale ein Benefizkonzert organisiert, dessen Einnahmen komplett in den Wiederaufbau der Abruzzen-Metropole fließen sollen.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Hochschul-Aula am 26. Mai komplett füllen”, sagte Nettekoven am Donnerstag quasi zur Ouvertüre im frohen Schulterschluss mit Professor Dr. Anne Benegat-Neuschäfer vom Lehrstuhl für Romanische Philologie, Professor Dr. Michael Vorländer vom Institut für Technische Akustik, wo Vitale zurzeit an seiner Promotion arbeitet, und nicht zuletzt dem italienischen Generalkonsul in Köln, Dr. Eugenio Sgró.

„Abruzzo nel cuore” (Die Abruzzen im Herzen) heißt die Losung im TH-Hauptgebäude am Templergraben 55 ab 19 Uhr. Sie ist mehr als ein musikalisches Bekenntnis der Solidarität mit den Familien der fast 300 Menschen, die bei der Katastrophe in der Nacht zum 6. April ihr Leben verloren haben, und den rund 65.000 Opfern, deren gesamte Habe unter den Trümmern des Bebens begraben worden sind.

Mit Flötist Emiliano Zendocchio und Pianist Alessandro Soccorsi hat der Wahl-Aachener zwei Künstler aus der zerstörten Kulturstadt im Herzen Mittelitaliens gewinnen können. Ebenso wie die Sopranistinnen Claudia Beck und Constanze Meijer sowie Pianistin Elsbieta Sukniewicz von der Musikhochschule Köln bringen sie Perlen italienischer Tonkunst von Rossini über Verdi bis Pucchini zu Gehör. Vitale selbst spielt am Klavier ein Potpourri aus klassischen und modernen Werken.

Auch die Freunde verloren alles

Dass sein Herz noch immer bebt, daran lässt der junge Mensch mit dem dichten schwarzen Schopf und den leuchtend blauen Augen keinen Zweifel. Sein Vater und seine Tante leben wenige Kilometer von L´Aquila entfernt, sind vom Inferno weitgehend verschont geblieben. „Als ich von der Katastrophe erfuhr, habe ich sofort versucht, meine Freunde dort zu erreichen”, erzählt er.

Über eine Telefonkette konnte er nur allmählich in Erfahrung bringen: „Viele von ihnen müssen um Angehörige trauern, noch viel mehr haben alles verloren, was sie besessen haben. Jetzt möchte ich der Stadt und den Menschen dort, denen ich so viel zu verdanken habe, etwas zurückgeben.”

Dem Herzensanliegen können sich die Gäste beim Benefizkonzert auf ihre Weise anschließen, betonte am Donnerstag auch Generalkonsul Sgró: Mit der Deutschen Botschaft in Rom hat auch er eine Spendenaktion zum Wiederaufbau des fast völlig zerstörten Örtchens Onno unweit von L´Aquila ins Leben gerufen. Dort sind am 11. Juli 1944 17 unschuldige Zivilisten von Wehrmachtsoldaten exekutiert worden.

65 Jahre später tötete das große Beben 45 der 280 Dorfbewohner. Noch immer müssen die meisten Überlebenden - wie zahllose Leidensgenossen in L´Aquila - in provisorischen Zelten neben dem Trümmerfeld leben, das einst ihr Zuhause war.