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Aachen: Begegnung mit Literatur im Versuchs-Tunnel

Aachen : Begegnung mit Literatur im Versuchs-Tunnel

Dem Trend zu ungewöhnlichen Veranstaltungsorten folgend, konnte man jetzt im Institut für Luft- und Raumfahrt der RWTH Aachen ein interessantes „Experiment” erleben.

Im Windkanal, der tunnelartigen Versuchsanlage zur Untersuchung der strömungsmechanischen Eigenschaften von Flugzeugen, Modellen und auch Modellteilen, fesselte nicht nur die Lesung einiger Passagen aus der Novelle „Modellfliegen”: Das aufgeschlossene Publikum konnte auch einiges über Versuche und Forschung im Windkanal erfahren. Was sich wiederum flugs mit Marcel Mörings „Modellfliegen” verbinden ließ, steht der Buchtitel doch für konkrete Schilderung und Lebensmetapher zugleich.

Auf einer Waage

Willkommen geheißen und in die technische Materie eingeführt wurden die Besucher von Dietrich Hunold von der RWTH-Pressestelle; Pia vom Dorp vom Veranstaltungsmanagement des Kulturbetriebs Aachen ging auf die vielschichtigen Ebenen des Buches ein, das „eigentlich Stoff für einen opulenten Roman” biete.

Der „Vorleser”, auf der riesigen Waage hockend, ließ das Auditorium nahezu „abheben”, denn Karsten Kuhlmann, Ingenieur und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, konnte auch mit seiner früheren Schauspieler-Ausbildung punkten. Sein plastischer Vortrag ließ den Beginn von Mörings sehr persönlicher Novelle bildhaft vor Augen treten.

Kenner des Buches merkten erneut, dass Anfang und Ende fast gleich sind, die Handlung sich kreisförmig schließt. Packend die Schilderung des Flugzeugabsturzes von Boris, dem Vater des Ich-Erzählers David - eine Bruchlandung, die Kühe zum Fliegen bringt und Boris schwer verletzt. Und die Davids Eltern erstmals zusammenbringt: Der abgestürzte Flieger und die teilnahmsvolle Krankenschwester werden bald ein Paar. Fast filmisch anmutende „Rückblenden” und rascher Szenenwechsel vermitteln „turbulente Strömungen”.

Wie die Modellteile im Windkanal schwirrten auch Eindrücke und Assoziationen zum Buch im Versuchsraum herum und entwickelten eine ganz eigene Dynamik.

Was die Luft- und Raumfahrtforschung betrifft, denkt man bereits über Wasserstoff statt Kerosin als Treibstoff nach, arbeitet an „Rumpfflüglern” und an der effizienten Beseitigung von Weltraummüll („space debris”).