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Aachen: Aufsichtsrat stoppt Privatisierung im Klinikum

Aachen : Aufsichtsrat stoppt Privatisierung im Klinikum

Die Nachricht erreicht die meisten Betroffenen am frühen Morgen, aber sie lässt sie nicht unbedingt an alltägliche Frühstücksgetränke denken: Knallende Sektkorken werden an diesem Donnerstag wohl bei vielen Mitarbeitern der Labore von Klinischer Chemie und Medizinischer Mikrobiologie im Klinikum die tiefen Sorgenfalten vertreiben.

Denn der Aufsichtsrat hat am Mittwochabend den Privatisierungsplänen der Chefetage für die Laborbereiche des Großkrankenhauses eine glatte Abfuhr erteilt (siehe auch Region Rhein-Maas). Für die mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen, von denen viele schon seit mehreren Jahrzehnten im Hause arbeiten, heißt das: Das Bangen um den eigenen Job hat erst einmal ein Ende.

„Beeindruckende Solidarität”

„Auf so eine klare Entscheidung haben wir gar nicht zu hoffen gewagt”, freuen sich Karin Lentzen und Beate Speldrich an diesem Morgen über die frohe Kunde. Gemeinsam mit Regina Holland und Sabine von Oy von der Mikrobiologie hatten sie tags zuvor dem Aufsichtsrat wie berichtet fast 5000 Unterschriften überreicht und die Entscheider mit einem plakativen Protest überrascht, bei dem alle betroffenen Mitarbeiter eindrucksvoll „Gesicht” zeigten.

Jetzt wollen sie allen danken, „die uns nicht nur begleitet, sondern unterstützt haben mit ihrer großen Solidarität” - entsprechende Adressen kamen unter anderem von den hiesigen Gates- und Philips-Belegschaften, aus anderen Kliniken, von Personalräten aus ganz Deutschland. „Das hat sicher dazu beigetragen, den Aufsichtsrat in unserem Sinn zu beeindrucken”, glaubt Sabine von Oy.

In der Chefetage des Klinikums gibt man sich derweil zugeknöpft. „Der Vorstand möchte nicht Stellung nehmen”, teilt die Pressestelle auf AZ-Anfrage mit. Der Wunsch, mit dem Chef des Klinisch-Chemischen Zentrallabors, Professor Dr. Axel M. Gressner, ein Interview zu führen, wird ebenfalls vom Vorstand abgelehnt. Der Maulkorb für den Professor wird flankiert vom Fotografierverbot in den Laboren - welches dann später zurückgezogen wird. Immerhin: Den Mitarbeitern drückt der Vorstand sein Bedauern aus, dass es im Zusammenhang mit den Privatisierungsplänen „zu Verunsicherungen gekommen ist”.

Dass die Chefetage nach dem Aus für das „Outsourcing” vom Aufsichtsrat dennoch den Auftrag zum Sparen im Laborbereich erhalten hat, schockt die Mitarbeiter nicht. „Wir sind bereit, sinnvolle Sparmaßnahmen mitzutragen”, sagt von Oy. Das bekräftigt auch Personalratsvorsitzender Helmut Lemaire, der anregt, sich von externen Anbietern das ein oder andere abzugucken.

So könne man etwa die bisher verteilten Laborbereiche an einem Ort konzentrieren. „Warum sollten wir nicht selber ein neues Laborhaus bauen?”, fragt Lemaire. Auch ein „Insourcing”, also die Übernahme externer Aufträge, sei denkbar - „unsere Geräteausstattung ist doch optimal”. Ideen täten Not, so der Personalratschef. Denn trotz aktueller Sektlaune ist den Beschäftigten eines klar: Der Sparzwang im Hause dürfte noch so manche Sorgenfalten produzieren.