Aachen: Alarmstimmung am Wohnungsmarkt: Kaum Unterkünfte für Studierende

Aachen: Alarmstimmung am Wohnungsmarkt: Kaum Unterkünfte für Studierende

Hochschule und Stadt Aachen erwägen, Studierende demnächst sogar in Wohncontainern unterzubringen. Denn ab kommenden Wintersemester muss mit einem deutlichen Anstieg der Studierendenzahlen gerechnet werden, der sich in den nächsten Jahren fortsetzt und zu einem immer knapperen Wohnungsangebot in Aachen führen wird.

Um gegenzusteuern, soll nun verstärkt an Investoren und Eigentümer appelliert werden, mehr Wohnraum zu schaffen. Sowohl der Wegfall der Wehrpflicht als auch die doppelten Abiturjahrgänge (G8) ab 2013 werden zu einem zusätzlichen Ansturm auf die Aachener Hochschulen führen, erklärte Elke Ariens, Hochschulbeauftragte der Stadt, im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss.

Mindestens bis 2018 müsse daher für mehrere tausend zusätzliche Studenten nicht nur Platz in Hörsälen und Laborräumen an den Hochschulen, sondern auch Wohnraum in der Stadt geschaffen werden.

Um den Ansturm zu bewältigen, haben sich Stadt, Hochschule, Asta und Studentenwerk zusammengetan. „Es gibt viele Baustellen”, sagt Elke Ariens, „aber die größte ist der Wohnraum.” So wollen Oberbürgermeister und Rektoren Mitte Juni gemeinsam eine Kampagne starten, um auch Investoren und Privateigentümer auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Ab 2013 seien jährlich rund 1500 neue Wohnungen in Aachen nötig, glauben die Fachleute. Genaue Prognosen sind jedoch schwierig, denn niemand weiß sicher, welchen Ausbildungsweg die kommenden Jahrgänge einschlagen, noch welchen Studienort sie ansteuern werden. Gleichwohl sind Hochschule und Stadt überzeugt, dass sich der Wohnungsbau für Investoren in Aachen lohnen wird. In Kürze soll daher ein „Lotse Bauen” die Arbeit aufnehmen und gezielt Investoren beraten.

Der Lotse wird dann auch darauf hinweisen müssen, dass am besten schon während des Baus an eine spätere Umnutzung des Wohnraums gedacht werden sollte. Denn ab 2018 werden sich die Studentenzahlen voraussichtlich wieder auf ein Normalmaß einpendeln. Dann aber steige womöglich die Nachfrage von jungen Familien. „Der klassische Studentenbau segelt am Problem vorbei”, ist CDU-Fraktionschef Harald Baal überzeugt. „Wir haben eine gewisse Buckelsituation.”

Unterdessen berichtete Alexander Buchheister, AStA-Vorsitzender an der RWTH, im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss, dass es schon jetzt einen erheblichen Mangel auf dem Aachener Wohnungsmarkt gebe. Selbst die Jugendherberge Monschau sei inzwischen als Studentenquartier gefragt.

Die Planer prüfen derzeit bereits die mögliche Umnutzung von Bundeswehrkasernen und Priesterseminaren für studentische Zwecke. Und auch nach einem geeigneten Grundstück für ein studentisches Containerdorf wird bereits Ausschau gehalten, wie Daniela Woll, G8-Projektkoordinatorin an der RWTH, erklärt.

Privateigentümer sollen demnächst gezielt angesprochen werden, leerstehende Hallen, Büros oder Geschäftsräume in Wohnungen umzubauen. Auch an ein Notfallprogramm ist bereits gedacht, wie Elke Ariens sagt: Von der Bahn könnten dann - wie schon Anfang der 80er Jahre - erneut Schlafwagen angemietet werden, Zelte könnten aufgestellt oder Schulräume mit Notschlafstätten ausgestattet werden.

Verdrängungswettbewerb

Dass die sich ankündigende studentische Wohnungsnot beileibe kein Problem ist, dass dem Rest der Bevölkerung egal sein kann, wurde durch eine Nachfrage von Ellen Begolli, Linke, deutlich: Wenn sich mehrere Studenten zusammentun und Wohngemeinschaften gründen, wird dadurch das Angebot für Familien enger. Ein Verdrängungswettbewerb werde kaum zu vermeiden sein, bestätigt die Fachverwaltung, die daher ebenfalls auf eine stärkere Neubautätigkeit drängt und hofft.

Mehr von Aachener Zeitung