Wegberg: Hilfseinsatz in Madagaskar: Vier Wochen und 240 gezogene Zähne

Wegberg : Hilfseinsatz in Madagaskar: Vier Wochen und 240 gezogene Zähne

Charlotte Keeler war in ihren Semesterferien auf einem zahnmedizinischen Hilfseinsatz in Madagaskar. Vier Wochen lang sammelte die 24-jährige Studentin neue Eindrücke und Erfahrungen.

Auf einem Hof irgendwo in Madagaskar liegt ein kleiner Junge auf einem schmalen Esstisch. Das Möbelstück ist mit einer Plane überzogen, ein Kissen liegt unter seinem Kopf. Er hält eine Zahnbürste umklammert. Um ihn herum stehen Charlotte Keeler und ihre Kollegen, und versuchen, ihn zu überreden, den Mund zu öffnen. Wie so viele Kinder hat der Junge Angst vorm Zahnarzt.

„Die meisten der Patienten waren unglaublich tapfer“, berichtet Keeler von ihrem Einsatz. Kleine Kinder seien fröhlich auf die Tische gehüpft, hätten sich hingelegt und brav den Mund geöffnet. Die 24-Jährige war im August und September vier Wochen lang in Madagaskar unterwegs und behandelte kostenlos die Zähne der Einheimischen. Bohren, Füllungen, Prophylaxe — abgesehen von den ungewohnten Bedingungen waren die Behandlungen so, wie man sich einen Zahnarztbesuch eben vorstellt. 240 Zähne hat die angehende Ärztin in vier Wochen gezogen.

Keeler kommt ursprünglich aus Wegberg und studiert aktuell Zahnmedizin in Würzburg. Neun Semester hat sie schon geschafft, eins liegt noch vor ihr, plus ein gutes Jahr Examen. Zusammen mit zwei Freundinnen, Studenten aus Gießen und zwei fertigen Zahnärzten war sie mit der Organisation „Dental Volunteers“ in dem afrikanischen Land.

Anderthalb Jahre Behandlungserfahrung hat sie schon im klinischen Teil ihres Studiums gesammelt, trotzdem war der Aufenthalt eine neue Erfahrung für sie. „Das Behandeln hat viel Spaß gemacht, die Atmosphäre war entspannt, und wir durften mehr selbst machen, als wir es vom Studium gewohnt sind.“

An zwei Einsatzorten war die Gruppe unterwegs, zuerst in Andasibe, circa 100 Kilometer östlich von der Hauptstadt Antananarivo. Dort half sie drei Wochen in einer von Nonnen geführten Krankenstation. In Zweierteams arbeiteten die Mediziner jeweils an drei Holztischen. Mit einer Liste, auf der die wichtigsten Begriffe auf madagassisch standen — „Wo tut es weh“ etwa, oder „Bitte den Mund aufmachen“ — und einer Dolmetscherin legte das Team los.

Die zweite Station war ein Bauernhaus in Mormanga, „mitten im Nirgendwo“. Im Hof bauten die Freiwilligen ihre improvisierte Praxis auf. Dass ab und an ein Huhn oder ein Schwein vorbeilief, das gehörte dort eben dazu.

Schnell hatte sich herumgesprochen, dass Keeler und die anderen kostenlos die Zähne behandeln, Menschen aus allen Altersklassen machten sich auf den Weg zur „Praxis“. „Eines vormittags kamen plötzlich an die 100 Leute zu uns“, sagt Keeler. Zwei Jungen seien ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Sie waren barfuß und hatten 18 Kilometer allein durch den Regenwald zurückgelegt, um von uns behandelt zu werden.“

Schon zu Beginn ihres Studiums wollte die 24-Jährige solch einen Einsatz machen. Im Studium sei das schwierig gewesen, und so reiste sie schließlich in ihren Semesterferien los. Inzwischen plant sie schon ein ähnliches Engagement, nach dem Studium, wieder in einem fremden Land.

(mec)