Aachen/Regensburg: Herausforderung für Gloria von Thurn und Taxis

Aachen/Regensburg : Herausforderung für Gloria von Thurn und Taxis

Es ist schon eine besondere Herausforderung für Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. Mit einem starken Auftritt soll die Regensburger Adelige am Samstag die Aachener Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst” aus der Krise holen. Ansonsten dürften einer der prestigeträchtigsten Karnevalsveranstaltungen Deutschlands schwere Zeiten bevorstehen.

Im vergangenen Jahr war die ARD-Live-Übertragung der Verleihung des Ordens an Air-Berlin-Chef Joachim Hunold zur bislang schwärzesten Stunde der Aachener Narren geworden. Es gab einen komplett entgleisten Zeitplan, einen weitgehend humorfreien neuen Ordensritter und einen Laudator Friedrich Merz (CDU), der zum Entsetzen des verantwortlichen WDR in seiner Rede gleich zehnmal den Namen von Hunolds Airline unterbringen konnte.

Hilflos musste das WDR-Team im Übertragungswagen das sich abzeichnende Debakel verfolgen. Danach redete man im Kölner Sender Klartext: „Wegen der häufigen Nennung der Fluglinie werden wir die Sendung nicht mehr live übertragen”, betonte der damalige Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf. Bei einem Zusammenschnitt könnten eventuelle Patzer aus den Redebeiträgen entfernt und das langatmige Showprogramm entschlackt werden. Eine ganze Stunde war die Karnevalssitzung überzogen worden.

Beim AKV weiß man, dass die Narren in diesem Jahr unter besonderer Beobachtung stehen. Die Funktionäre hoffen auf deutlich mehr als die rund vier Millionen Zuschauer des Vorjahres, damit der bis 2009 laufende Fernsehvertrag verlängert wird. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Fürstin Gloria. Und die neue Ordensritterin scheint sich auch auf ihren Auftritt zu freuen, sie reist mit nahezu der gesamten Familie aus Regensburg an.

Thurn und Taxis ist erst die vierte Frau unter den bislang 57 Ordensträgern. Sie erhalte den Orden des AKV für „ihre Lebensleistung und ihren Humor, mit dem sie sich den Herausforderungen ihres Standes stellt”, betonte AKV-Präsident Horst Wollgarten. Er erinnerte an den Wandel der gläubigen Katholikin von der schrill frisierten Party-Gängerin zur gereiften Witwe und erfolgreichen Verwalterin eines Milliarden schweren Vermögens.

Die Aachener Karnevalisten freuten sich, mit Gloria von Thurn und Taxis eine „schlagfertige und unkonventionelle Ritterin” auszuzeichnen. Der Karnevalsorden wird seit 1954 alljährlich an Personen vergeben, die ihr Amt mit „Menschlichkeit und Humor” ausüben.

Nach skandalträchtigen Auftritten wie etwa vor rund sieben Jahren in der ARD-Talkshow „Friedman”, als Thurn und Taxis mit dem Satz „Der Schwarze schnackselt gern” für Furore sorgte, ist die Fürstin inzwischen als Autorin eines Benimm-Buches und glühende Verehrerin von Papst Benedikt XVI. hervorgetreten. Mut zu unkonventionellen Ansichten hat sie dabei immer noch. So schlug sie unlängst vor, Hotel-Erbin Paris Hilton sollte an der Universität Kurse zur Selbstvermarktung geben. Das Partygirl sei „eine hübsche Person, die ein Vermarktungsgenie hat”.

Die vom AKV eingeladenen Gäste, darunter Ordensritter und FDP-Chef Guido Westerwelle sowie Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), erwartet also ein interessanter Abend. Etwas problematisch für die trinkfesten Aachener Karnevalisten könnte allenfalls Glorias Verhältnis zum Alkohol sein. Ein kleiner Schwips könne ja sehr charmant sein, verriet sie in einem Interview. Allerdings möge sie keine Besäufnisse. Die Zusammenfassung der mehrstündigen Ordensverleihung wird am Sonntag (20. Januar, 20.15 Uhr) in der ARD gezeigt.