Kreis Heinsberg: Heimatvereine zu Gast im Düsseldorfer Landtag

Kreis Heinsberg: Heimatvereine zu Gast im Düsseldorfer Landtag

Nach Initiativen aus Heinsberg-Schafhausen und Erkelenz machten sich die Vorstände von zwölf Heimatvereinen aus dem Kreis Heinsberg auf den Weg nach Düsseldorf zu einem Gespräch mit den beiden CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Gerd Hachen und Bernd Krückel.

Es ging einerseits um eine erste Übersicht zum Status quo der inhaltlichen Arbeitsschwerpunkte der Vereine und andererseits um die Frage, in welcher Form eine unterstützende Hilfe durch die Landtagsabgeordneten möglich ist. Heimatvereinigung Selfkant, Geschichtskreis Birgden, Heimatverein und Mundartkreis Gangelt, Heimatverein Wegberg-Beeck, Historischer Verein Wegberg, Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz Übach-Palenberg, Heimatverein der Heinsberger Lande, Verein der Heimatfreunde Dremmen, Heimatverein Schafhausen, Heimatverein Wassenberg, Heimatring Myhl-Altmyhl und Heimatverein der Erkelenzer Lande waren in der Landeshauptstadt vertreten.

In seiner kurzen Einleitung zur Entstehung des Treffens stellte Mitinitiator Hans-Josef Heuter, Geschäftsführer des Heimatvereins Schafhausen, zur Diskussion, ob und wie sich die Heimatvereine auf Kreisebene eine gemeinsame Struktur geben könnten.

Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Aufgaben, Kulturgüter zu erhalten und Identität mit der Heimat zu vertiefen sowie geschichtliche Ereignisse zu dokumentieren, wurde deutlich, wie unterschiedlich die gewachsenen Schwerpunkte ihrer Arbeit sind. Die Bandbreite reichte vom Aufbau eines gerade neugegründeten Vereins über Nachwuchssorgen und schwindende Mitgliederzahlen bis zu Vereinen mit Gestaltungskraft für das städtische Leben und grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Für den Heimatverein der Erkelenzer Lande stellte der Vorsitzende Günther Merkens das Projekt eines virtuellen Museums vor, mit dem der Verlust der Kulturgüter und der Heimat durch den Braunkohletagebau dokumentiert werden solle. Bevor die betroffenen Dörfer verschwinden würden, wolle der Heimatverein den jetzigen Zustand in Bild und Film dokumentieren und im Internet zur Verfügung stellen. Zur Finanzierung erhoffe sich der Verein Hilfen durch die Landtagsabgeordneten. Matthias Deckers, stellvertretender Vorsitzender der Heimatvereinigung Selfkant, äußerte gleiche Erwartungen, ohne ein konkretes Projekt zu nennen.

Kein „Überverein“

Die Abgeordneten machten deutlich, dass Landesmittel im Haushalt 2017 nicht zur Verfügung stünden. Die Mittel des Denkmalschutzes seien komplett ausgeschöpft. Förderungen aus Mitteln der NRW-Stiftung zu erhalten, dafür seien Bedingungen wie beispielsweise der Einbezug kommunaler Unterstützung, zu beachten. Hachen regte an, alternativ die Kräfte zu bündeln. Er unterstütze die Bemühungen der Vereine zur Zusammenarbeit, ohne gleich einen „Überverein“ zu gründen. Nach der ernüchternden Auskunft zu finanzieller Förderung konzentrierte sich die Gesprächsrunde auf den Austausch über die Schnittstellen zur Zusammenarbeit.

Karin Schumann, Vorsitzende im Verein der Heimatfreunde Dremmen, machte deutlich, dass schwindende Mitgliederzahlen im Vordergrund stünden. Vorschläge erwarte sie, wie die Attraktivität für jüngere Generationen erhöht werden könnte. Beisitzer Dr. Jens Schumann ergänzte, dass zum Kernthema eines Heimatvereins gehöre, Heimat neu zu definieren und auch für Migranten anzubieten.

Der Vorsitzende des Heimatverein Wassenberg, Sepp Becker, sah keinen Bedarf für den Aufbau einer zusätzlichen Struktur oberhalb der Vereine. Anstelle der Bindung von Kräften in Museumskonzepte setze sein Heimatverein auf Ausstellungen zu historischen Themen. Gezielte Mitgliederwerbung in Form von Aktionen gebe keine Garantie für wachsende Mitgliederzahlen. Heimatvereine seien nach seinem Verständnis auch für Landschafts- und Naturschutz mitverantwortlich. Es stinke im Sinne des Wortes zum Himmel, wenn er an das ­Gülleproblem und den ungebremsten Gülletourismus denke. Da liege eine Störung der Heimat vor. Von den Landtagsmitgliedern aus dem Kreis Heinsberg erwarte er außerdem, dass parteiübergreifend der Denkmalschutz unterstützt und stärker in den Fokus genommen werde. Georg Wimmers, Vorsitzender vom Heimatverein Wegberg-Beeck, betonte die Notwendigkeit, die Stärken des jeweiligen Vereins zu behalten und die Zusammenarbeit zu fördern. Erfahrungsaustausch zu ermöglichen unter dem Motto „Was macht ihr? Wie macht ihr das?“ und ein Brainstorming für eine Vertiefung der Zusammenarbeit seien ein möglicher nächster Schritt.

Am 15. Oktober bestehe im Haus Hohenbusch in Erkelenz für die Vorstände der Heimatvereine bei einer Arbeitstagung die Gelegenheit, über Formen und Inhalte der kreisweiten Zusammenarbeit zu beraten, kündigte Heuter eine Fortsetzungsveranstaltung an.

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