Morschenich: Hambacher Forst: Polizisten mit Steinschleudern angegriffen

Morschenich: Hambacher Forst: Polizisten mit Steinschleudern angegriffen

Bei einem Großeinsatz im Hambacher Forst ist am Montagabend eine Frau festgenommen worden, die mit einer Steinschleuder Polizisten angegriffen haben soll.

Gegen Mittag wurden Beamte nach Auskunft des Leitenden Polizeidirektors Jürgen Möller „viermal aus der Deckung heraus“ von mehreren Braunkohle-Gegnern mit Steinen und Muttern beschossen. Eine Aktivistin, die nach Aussage Möllers auch anhand von Videoaufnahmen und Zeugenaussagen klar als eine Angreiferin identifiziert werden konnte, habe sich auf einen Baum geflüchtet.

Gegen 19.30 Uhr gab sie nach Auskunft der Polizei freiwillig auf und kletterte hinunter, die Polizei hatte das Areal zuvor gesichert und Spezialisten angefordert. Die Identität der Frau blieb bis Redaktionsschluss ungeklärt. Um den Baum herum fanden die Beamten eine Sprenggranate aus dem Zweiten Weltkrieg und mehrere unkonventionelle Sprengsätze, teilte Jürgen Möller mit.

Hier fehlte zwar ein Zündkopf, der Sprengstoff als solcher war jedoch vorhanden. Inwieweit diese Gegenstände durch Personen absichtlich platziert wurden oder es sich um Zufallsfunde handelt, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.

Die Experten des Kampfmittelräumdienstes waren ebenfalls vor Ort. Spezialisten stellten nach einer Untersuchung dieser Gegenstände fest, dass von ihnen keine weitere Gefahr ausging, so dass sie aus dem Wald entfernt werden konnten.

„Nachdem es in der vergangenen Woche beinahe täglich Angriffe auf RWE-Mitarbeiter gegeben hatte, war ein Zug einer Hundertschaft im Einsatz, um die Arbeiten dort zu sichern“, erklärte Jürgen Möller. Die Angriffe blieben jedoch nicht aus, sondern richteten sich gegen die Beamten. Um die Angreifer verhaften zu können, forderte der Einsatzleiter Verstärkung an.

„Mit Einbrechen der Dunkelheit habe ich den Einsatz abgebrochen. Auch aus Gründen der Eigensicherung“, sagte Möller. Bei Dunkelheit in unwegsamem Gelände zu operieren habe er nicht verantworten können. Das Camp der Wiesenbesetzung sei nicht betreten worden, alle Wege dorthin wurden aber von Polizisten abgesperrt und bewacht. Die Beamten stellten mehrere Wurfgeschosse sicher, sie fanden auch mehrere Benzinkanister im Wald.

In ihrem Blog berichten die Aktivisten, dass die Polizei einen Hund losgelassen habe und ein Aktivist leichte Bissverletzungen erlitten habe. „Wir können dies nicht ausschließen“, hieß es am Montag seitens der Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung. Am Nachmittag sei ein Hundeführer von zwei Aktivisten ebenfalls mit Steinschleudern beschossen worden und habe hinter einem Baum Deckung gesucht.

Die Geschosse, bei denen es sich um Muttern gehandelt habe, seien links und rechts neben dem Baum eingeschlagen. Als weitere Beamte mit Schutzschilden zur Unterstützung des Hundeführers kamen, habe sich der Hund losgerissen und sei kurz hinter eine Barrikade der Aktivsten gelaufen.

Entgegen der Aufforderung, den Beschuss einzustellen, hätten die Aktivisten die Polizisten weiter attackiert. „Sollte es eine verletzte Person gegeben haben, können wir diese zur Sicherheit nur auffordern, einen Arzt aufzusuchen“, hieß es aus dem Führungsstab der Polizei. Auch gegen die unbekannten Steinschleuderschützen werde Strafanzeige erstattet.