Erkelenz: Händels „Judas Maccabäus” in St. Lambertus

Erkelenz: Händels „Judas Maccabäus” in St. Lambertus

„Tochter Zion, freue dich”, dass die Melodie zu einem der bekanntesten Adventslieder in Händels Oratorium „Judas Maccabäus” von 1747 zu hören war, mag viele überrascht haben.

Wie überhaupt das Staunen darüber groß war, dass dieses gewaltige Werk so gelungen in St. Lambertus erklang. Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), den wegen seiner Genialität, auch als Meister auf mehreren Instrumenten, sowohl die Deutschen als auch die Engländer gern für sich reklamieren, hat in mehreren Musikgattungen bedeutende Spuren hinterlassen.

Die Aufführung in Erkelenz war sowohl eine Hommage zu seinem 250. Todesjahr als auch eine zu Herzen und Verstand gehende Begegnung mit seiner spätbarocken Musik, die bis heute nichts von ihrem Charme, ihrem Ideenreichtum und ihren großen Gefühlen eingebüßt hat.

Gerade in seinen Oratorien hat Händel mit seiner Tonsprache eine Größe und Gestaltungskraft erreicht, die in einzigartiger Weise Dramatik und Zartheit miteinander verbindet. Anlass zu Händels Komposition „Judas Maccabäus” war ein politischer: Die Anhänger des 1688 aus England vertriebenen Königs Jakob II. landeten mit einem Invasionsheer in Schottland und marschierten nach anfänglichen Erfolgen auf England zu, wo sie 1746 endgültig geschlagen wurden.

Dem siegreichen Feldherrn Wilhelm August, Herzog von Cumberland und Sohn Georgs II., widmete Händel sein Oratorium, in dem er nun auf einen anderen siegreichen Kriegsherren zurückgriff, auf Judas Maccabäus, den jüdischen Heerführer und Freiheitskämpfer, der sich erfolgreich den seinerzeit mächtigen Seleukiden widersetzte, Jerusalem eroberte und sich mit den Römern verbündete.

160 v. Chr. fiel er im Kampf (was nicht mehr im Oratorium vorkam). In drei Teilen und über mehr als zweieinhalb Stunden erzählt das Oratorium die Geschichte des Judas Maccabäus, angefangen beim Tod seines Vaters, des Priesters Mattathias, der ihn zu seinem Nachfolger bestimmt hat, über das Schwanken zwischen Verzweiflung und Hoffnung bis schließlich zum Frieden, „reich an Heil des Herrn” und dem jubelnden Schlusschor „Halleluja. Amen”, in den auch die himmlischen Cherubim und Seraphim miteinbezogen werden.

Bis die Freiheit erreicht ist, „Sitz der Tugend, Quell der Wonne”, fließt viel Blut, türmen sich „die Leichenhügel”. Der Kirchen- und Projektchor an St. Lambertus, das Orchester aus Mitgliedern der Philharmonie Düsseldorf, die Solisten Sigrid Heidemann Sopran, Brigitta Borchers Alt, Johannes Klüser, Tenor, und Manfred Bühl, Bass, erbrachten unter der Gesamtleitung des jungen Kantors Stefan Emanuel Knauer eine Leistung, die nicht genug gewürdigt werden kann.

Von Anfang bis Ende wurden Spannung und Dynamik aufrechterhalten, stimmten die Wechsel zwischen Chor, Orchester und Solisten und deren jeweiliges Miteinander-Musizieren, wurden auch schwierige Passagen bravourös gemeistert; und immer behielt der Dirigent großartig die Übersicht, inspirierte und ermunterte, milderte und entspannte, so dass Händels Musik sich voll entfalten konnte. Mit minutenlangen stehenden Ovationen dankte das Publikum in der voll besetzten Kirche. Symbol für den Dank waren Blumen für die Solisten und den Dirigenten.