Aachen: Gute Ausbildung: 75 Jahre Studieninstitut für kommunale Verwaltung

Aachen: Gute Ausbildung: 75 Jahre Studieninstitut für kommunale Verwaltung

Die Anforderungen an die komunalen Verwaltungen werden von Jahr zu Jahr größer, das Aufgabenspektrum immer vielfältiger. Umso wichtiger ist es, dass die Beschäftigten in den Rat- und Kreishäusern sowie im Städteregionshaus gut ausgebildet sind und sich ständig weiterqualifizieren können.

Gewährleistet wird dies vom Studieninstitut für kommunale Verwaltung, das von der Stadt Aachen, der Städteregion als Nachfolgerin des Kreises Aachen sowie den Kreisen Düren und Heinsberg gemeinsam getragen wird. Vor 75 Jahren wurde es gegründet und ist damit der Vorreiter für interkommunale Zusammenarbeit, wie Städteregionsrat Helmut Etschenberg am Freitag bei der Jubiläumsfeier im Städteregionshaus feststellte.

Etschenberg selbst ist einer der inzwischen rund 10.000 Absolventen des Instituts, später auch Dozent, dann Verbandsvorsteher. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er auf die Bedeutung des Studieninstituts heute und in der Zukunft eingeht: „Wir müssen uns heute mit Themen auseinandersetzen, mit denen wir noch vor einigen Jahren nichts zu tun hatten. Klimaschutz, Mobilität, Integration und selbst Arbeitsmarktpolitik gehören heute zu den Kernaufgaben von Kommunen.”

Und immer häufiger müssten vor Ort Gesetze umgesetzt werden, obwohl die „noch gar nicht schriftlich fixiert” seien, Bürger aber rückwirkend einen Anspruch auf Leistungen hätten - ie jüngst mit dem Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder einkommensschwacher Familien. Für ihn nur ein Beispiel von vielen, bei denen Kommunalverwaltungen Enormes abverlangt wird. Und ein Beleg dafür, wie wichtig eine praxisorientierte, qualitativ hochwertige Ausbildung der Nachwuchskräfte ist. Wobei Etschenberg auch ein Augenmerk auf die Weitergabe von „Erfahrungswissen” gelegt sehen will. Sprich: Es muss eine gesunde Mischung von Alt und Jung in den Verwaltungen geben.

Probleme, genügend junge Leute zu finden, haben die Verwaltungen bislang nicht. Allerdings ist den Verwantwortlichen bewusst, dass es angesichts der demografischen Entwicklung künftig schwieriger werden wird, die Besten in den öffentlichen Dienst zu locken. Ein Pfund, mit dem sie wuchern können, beschrieb Abteilungsleiter Heinz Lindgens (Stadt Aachen) am Freitag so: „Der öffentliche Dienst ist bunt und vielfältig, da wird es nie langweilig. Und mit dem Institut können wir eine hervorragende Ausbildung anbieten.”

Natürlich werde man versuchen müssen, „näher an die Jugend heranzukommen”, räumte sein Kollege und Verbandsvorsteher Peter Kaptain (Kreis Düren) ein. „Das betrifft die Sprache ebenso wie die Nutzung der medien der Jugend. Aber da ziehen wir alle an einem Strang. Dem pflichteten seine Kollegen Axel Hartmann (Städteregion) und Helmut Preuß (Kreis heinzberg) in der von der Journalistin Bettina Staubitz moderierten Talkrunde bei.

Das gelte auch für neue inhaltliche Herausforderungen, betonte Preuß: „Letztlich haben ja alle Verwaltungen dieselben Probleme. Wir müssen auf neue Entwicklungen reagieren.” Auch in der Aus- und Fortbildung. „Aber das ist eine Stärke des Studieninstituts”, bekräftigte er. Und das liegt nicht zuletzt an den Dozenten, die fast alle aus der Praxis kommen und ihr Wissen nebenberuflich weitergeben. „Das ist kein Zufall”, betonte der hauptamtliche Dozent Wilhelm Jerusalem.

Und wohl auch nicht den knappen Finanzen geschuldet. Auch wenn die Finanznot der Kommunen nicht spurlos am Studieninstitut vorbeigeht, das laut Lindgens „kostenbewusst und transparent” arbeitet. „Unter den gegebenen Umständen arbeiten wir erfolgreich mit kleinem Geld”, sagte Kaptain. Aber es stünden demnächst einige Investitionen an, und er hoffe, „dass das von den Kommunen getragen wird”. Sein Kollege Hartmann forderte Bund und Land auf, die Kommunen finanziell so auszustatten, „dass sie all ihre Aufgaben erfüllen und weiter aus- und fortbilden können”.

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