Aachen: Großer Rahmen für Karlspreis-Verleihung an Martin Schulz

Aachen : Großer Rahmen für Karlspreis-Verleihung an Martin Schulz

Nicht nur die Musik fällt bei der Karlspreisverleihung aus dem Rahmen: Rockstar Peter Maffay wird beim Festakt für EU-Parlamentspräsident Martin Schulz an diesem Donnerstag singen. Was selbst zu Hause in Würselen kaum bekannt ist: Der Musiker und der europäische Spitzenpolitiker sollen seit jungen Jahren gute Freunde sein.

Begleitet vom Aachener Sinfonieorchester will Maffay im Krönungssaal des Aachener Rathauses „Über sieben Brücken musst Du gehn” singen. Vielleicht wird er mit dem Text zwischen Kummer und Zuversicht die Stimmungslage der Europäer treffen. Es gibt viele Baustellen: Ukraine-Konflikt, Griechenland-Krise, das angespannte Verhältnis zu Russland und dann noch die Frage, wie es mit Großbritannien nach der Wahl jetzt weitergeht.

Auch die Gästeliste fällt aus dem Rahmen. Sieben Staatschefs haben sich angesagt: Die Präsidenten aus Frankreich, Ukraine, Finnland, Litauen, der spanische König Felipe VI., der jordanische König Abdullah II. und Bundespräsident Joachim Gauck. Angesagt haben sich auch die Regierungschefs aus Österreich, Lettland und die wichtigsten EU-Amtsträger: Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk und der Vorsitzende der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem. Man muss schon sehr weit in der Geschichte des Karlspreises zurückgehen, um eine solche Wertschätzung für einen Preisträger zu finden.

Die Minute, in dem Schulz von seiner Auszeichnung erfuhr, soll einer der wenigen Momente der Sprachlosigkeit in seinem Leben gewesen sein. So sieht die Karlspreis-Jury den Preisträger: Ein Europäer, der die Bürger ernst nimmt und ihre Sorgen, etwa in der Eurokrise. Der nach Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland fuhr, um mit den Menschen zu diskutieren.

Ein Verfechter der Demokratie: Bei der Europawahl 2014 setzte sich Schulz für europaweite Spitzenkandidaten der Parteien ein und damit für einen durch die Bevölkerung legitimierten EU-Kommissionschef. Die Aachener sehen darin einen historischen Meilenstein für die Demokratisierung der EU.

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Auszeichnung wird es keine richtige Laudatio geben. Mit dem Jordanischen König Abdullah II. ist am Donnerstag ein Nicht-Europäer Festredner. Er soll den Blick weiten auf den Nahen Osten, eine Krisen- und Kriegsregion, in der christlich-jüdisches Erbe auf islamisches Erbe prallt, eine Region auch, die durch die Zuwanderung syrischer Flüchtlinge über Europas Grenzen kommt. Vielleicht werde der König ja auch sagen, was die Menschen dort von Europa in der schwierigen Situation erwarten, meinte Karlspreis-Sprecher Linden.

Das deutsch-französische Verhältnis soll bei den Reden von Bundespräsident Joachim Gauck und dem französischen Staatspräsidenten François Hollande in den Blickpunkt rücken. Martin Schulz war Ende Januar Gastgeber eines diskreten Treffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Hollande. Für Europa sei wichtig, dass die deutsch-französische Achse wieder an Fahrt gewinne, meint die Karlspreis-Jury.

(dpa)