Paris: Gloria von Thurn und Taxis: „Ich war immer gut für Überraschungen”

Paris : Gloria von Thurn und Taxis: „Ich war immer gut für Überraschungen”

Regensburg, New York, Afrika, Paris, nur einige der Stationen, an denen sich Gloria Fürstin von Thurn und Taxis in den letzten Wochen aufhielt. Unsere Zeitung erwischte die diesjährige Ordensritterin „Wider den tierischen Ernst” in der französischen Hauptstadt und führte mit ihr folgendes Gespräch.

Ihre Durchlaucht, sieben Millionen Fernsehzuschauer werden am kommenden Wochenende an Ihren Lippen hängen. Mal ehrlich: Sind Sie schon nervös?

Gloria von Thurn und Taxis: Ich kann nur sagen: Seid umschlungen, Millionen! Natürlich habe ich Lampenfieber, das habe ich sogar, wenn ich in Regensburg den Weihnachtsmarkt eröffne und dort eine Geschichte aus dem Evangelium vortrage.

Wann und wo und wie ist Ihre Ritterrede entstanden?

Gloria von Thurn und Taxis: An einem regnerischen Wochenende, an dem ich alleine und etwas deprimiert zu Hause war und mich gelangweilt habe. Da kam mir der Geistesblitz, dass dies der Moment ist, die Rede zu schreiben. Und dann habe ich dieses graue Wochenende für mich in das schönste und sonnigste verwandelt, das ich je durchlebt habe. Ich flog plötzlich über Wolken.

Also halten Sie sich auch selber für humorvoll?

Gloria von Thurn und Taxis: Ich habe immer gedacht, dafür bekommt man den Orden.

Es gab auch schon Ritter, die sich gewundert haben, für Humor ausgezeichnet zu werden.

Gloria von Thurn und Taxis: Ich merke nur, dass meine Familie, Freunde und Mitarbeiter des öfteren lachen, wenn ich etwas zu sagen habe. An irgendetwas wird das wohl liegen. Bei uns geht es immer fröhlich zu.

Wie gut kennen Sie die Aachener Ritterschaft? Haben Sie in dem Kreis einen Vertrauten?

Gloria von Thurn und Taxis: Zu Constantin Freiherr von Heereman habe ich ein besonders warmes und herzliches Verhältnis. Wir sind auch verwandtschaftlich verbunden, und er war schon oft bei uns zu Gast.

Was hat Sie in Ihrem früheren Leben in zwei extrem unterschiedlichen Welten mehr geprägt? Afrika oder die Eifel?

Gloria von Thurn und Taxis: Afrika ist die frühkindliche Prägung auf der Festplatte meiner Entwicklung, das Rheinland hat das heranwachsende und pubertierende Mädchen beeinflusst. Diese beiden Elemente machen die heutige Gloria aus.

Ihre Durchlaucht: Paradiesvogel, und Eventmanagerin, Knigge-Autorin und „Enfant terrible” der feinen Gesellschaft, Saniererin des Familienvermögens und zuletzt gar Opernsängerin. Was Image betrifft, besetzen Sie in der Tat reichhaltige Felder.

Gloria von Thurn und Taxis: Wer mich lange Zeit kennt, sagt, dass ich schon immer für Überraschungen gut war. Zunächst einmal ist es ein Kompliment, wenn man Vielseitigkeit zugesprochen bekommt. Es kommt natürlich auch darauf an, in welchen Situationen man mich antrifft. Auf jeden Fall zeige ich gerne meine verschiedenen Glorias.

In einem Fragebogen haben Sie einmal geantwortet, Sie wären gerne ein Elefant im Porzellanladen.

Gloria von Thurn und Taxis: Ja. Als Kind bin ich gerne im besten Sonntagskleid in alle Pfützen gesprungen, meine Mutter war verzweifelt. Und so ähnlich ist das auch mit einem Porzellanladen. Der schreit danach, Scherben zu fabrizieren.

Wie würden Sie reagieren, wenn sich Ihre Kinder so stylen würden wie Sie damals mit Punk-Frisur?

Gloria von Thurn und Taxis: Den Fall habe ich schon gehabt. Was meinen Sie, wie oft ich meinen Töchtern schon gesagt habe, „wie siehst du denn aus”, wenn die Röcke wieder zu kurz oder die Schminke zu dick aufgetragen war. Und was haben sie geantwortet: „Du musst gerade reden!?”

Nach dem Tod Ihres Mannes gaben Sie Ihrem Leben eine neue Ausrichtung. Es wurde ruhiger um Sie.

Gloria von Thurn und Taxis: Das ist vergleichbar mit folgender Situation: Wenn Sie vor einer großen Prüfung stehen, dann müssen Sie ganz anders arbeiten, als wenn Sie das ganze Jahr nur studieren. Und ich stand vor einer großen Prüfung, da war für Fete keine Zeit. Man muss dann Prioritäten setzen. In dem Moment war für mich die wirtschaftliche Situation im Hause Thurn und Taxis die große Herausforderung, auf die ich mich konzentriert habe. Diese Prüfung habe ich ganz gut bestanden. Sie hat allerdings zehn Jahre gedauert. Meine Freunde dachten schon: „Was ist denn mit der los?”

Für Sie war Johannes Paul II. der Frauenrechtler schlechthin. Warum?

Gloria von Thurn und Taxis: Dieser Papst hat ein Dokument über Ehe, Familie und Sexualität herausgegeben, in dem er sich sehr sensibel in die Urbedürfnisse von Mann und Frau hineingedacht hat. Seine Gedanken machten deutlich, dass eine Ehe über holprige Wege halten kann. Dabei wurde sein Eingehen auf die Befindlichkeit der Frauen sehr klar.

Was meinen Sie damit?

Gloria von Thurn und Taxis: Ich meine damit die Verdeutlichung, dass die Frau von Natur aus darauf angelegt ist, für sich und ihre Kinder ein Heim zu bauen und sie zu versorgen. Das ist ja seit der Steinzeit in der Frau drin.

Das entspricht mit Blick auf die sinkenden Geburtenraten und dem gleichberechtigten Bedürfnis der Frauen nach Berufstätigkeit wohl kaum noch mehr dem Zeitgeist.

Gloria von Thurn und Taxis: Mag sein. Aber wenn ich mit Karrierefrauen wie erfolgreichen Anwältinnen oder Ärztinnen zu tun habe, merke ich oft, dass sie das hohe Lied auf die Familie singen, wenn sie dann doch irgendwann Kinder bekommen haben. Viele bedauern sogar, dass sie diese schönste Phase des Lebens nicht schon früher begonnen haben. Aber Sie haben schon Recht: Der Zeitgeist wollte mehr Menschen in den Arbeitsprozess bringen, damit die Volkswirtschaft wächst und mehr konsumiert wird. Natürlich ist es schön, ein gutes Gehalt als Polster zu haben, aber was ist der Preis? Für mich ist das nur die B-Lösung. Die A-Lösung ist, einen guten, treuen Ehemann zu finden, Kinder zu haben und mit ihm gemeinsam durchs Leben zu gehen.

Was nervt Sie in Deutschland am meisten?

Gloria von Thurn und Taxis: Eine schwierige Frage. Ich bin so viel in der Welt unterwegs.

Gerade deshalb.

Gloria von Thurn und Taxis: Hand aufs Herz: Im Ausland ärgere ich mich viel mehr. Im Grunde bin ich mit Deutschland zufrieden.

Ein Blick in Ihr Privatleben: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Gloria von Thurn und Taxis: Mein größtes Hobby ist es, mich weiterzubilden. Ich lese sehr viel über Wirtschaft und Theologie. Ich bin eine leidenschaftliche Tennisspielerin und surfe gerne. Zudem mag ich schnelle Autos, spiele Gitarre und singe gerne.