Aachen: Gloria erobert Herzen der Jecken

Aachen : Gloria erobert Herzen der Jecken

Bereits mit den ersten Worten hat Gloria Fürstin von Thurn und Taxis die Herzen der Aachener Karnevalsfreunde erobert: „Jetzt ist Schluss mit Eure Durchlaucht - ich bin die Gloria”, rief die frischgebackene Ritterin des Ordens „Wider den tierischen Ernst” den 1350 Gästen am Samstag im Saal zu und erntete Jubelstürme.

Und bewies damit die Bodenständigkeit und Volksnähe, für die sie unter anderem den Orden verliehen bekam. Vor allem aber hat sie diesen „ihrer Lebensleistung und ihrem Humor, mit dem sie sich den Herausforderungen ihres Standes stellt” zu verdanken, wie Horst Wollgarten, der Präsident des Aachener Karnevalsverein (AKV), betonte.

Wie vom AKV erhofft, brachte die Adelige aus Regensburg neuen Glanz in die Ordensverleihung, die zum 58. Mal veranstaltet wurde und in diesem Jahr unter dem Motto „Adel verpflichtet” stand. Als Märchenprinzessin verkleidet und vor einem weißen Schloss als Kulisse forderte sie „Frauen an die Macht”.

Schnell machte die erst vierte Frau unter den nun 58 Ordensträgern jedoch klar, dass sie zwar eine Powerfrau sei, aber „keine Emanze” und plädierte dafür, den Männern wenigstens die Kirche zu lassen - als „letzte Bastion”.

Auch an Selbstironie mangelte es der Ritterin nicht. So spielte sie auf ihre heftig kritisierte Äußerung „Der Schwarze schnackselt gerne” vor einigen Jahren in einer TV-Sendung an. Das sei ein Hörfehler gewesen. „Gesagt hab ich allen, ob nah oder fern, genau: Der Schwarze kraxelt halt gern! Kraxeln heißt klettern, jetzt habt ihr Ruh, und ein Schwarzer ist von der CSU.”

Die Laudatio auf die Geehrte hielt der Ordensritter des Vorjahres, Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Als Postillon verkleidet hielt „der Achim von der Post” eine Lobrede auf seine Nachfolgerin und versicherte, für diese würde er auch unterhalb der Mindestlohn-Grenze schuften.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Rede des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle, der im Frack, mit weißem Schal und einem Strauß gelber Rosen unterm Arm auf die Bühne trat. Er hatte die Lacher auf seiner Seite, als er grinsend bekannt gab: „Ich habe heute Abend ein Rendezvous - mit einer Frau.”

Westerwelle nutzte die Chance zu Seitenhieben nach Berlin: Bei der großen Koalition handele es sich eher um eine „schlagende Verbindung”. Diese sei so zerstritten, „dass die Union einen Warnschussarrest für Peter Struck will. Und die SPD will den Mindestlohn für die Kanzlerin”.

Zu der Karnevalssitzung im Aachener Eurogress waren auch dieses Jahr zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft erschienen, unter ihnen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und die Unicef-Vorsitzende Deutschland und Ritterin des Ordens wider den tierischen Ernst, Heide Simonis, die als Showeinlage ein Tänzchen mit einem Froschkönig zum Besten gab.

Beim AKV dürfte über den gelungenen Auftritt der Fürstin Erleichterung herrschen, nachdem die Ordensverleihung im vergangenen Jahr eher Negativ-Schlagzeilen gemacht hatte. 2006 war die Rede des damals gekürten Ritters Hunold als humorlos kritisiert worden. Die Laudatio hatte vor einem Jahr Friedrich Merz gehalten, der in seiner Rede wiederholt den Namen der Airline erwähnt hatte.