Gleich und doch anders: Stolberger Ansichten über Jahrzehnte

Stolberger Ansichten | Damals und Heute : Ein kleines Gebäude, das als Wöchnerinnenheim diente

Auf dem Gelände des Bethlehem Krankenhauses hat einst ein kleines Gebäude gelegen, das als „Wöchnerinnenheim“ genutzt wurde. Dieser von einem Mansarddach gekrönte Bruchsteinbau steht im Mittelpunkt des 191. Teils unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“.

Das historische Vergleichsfoto ist vermutlich um 1925 entstanden. Es zeigt das Wöchnerinnenheim umgeben von einer Gartenanlage. Standort war der hintere Bereich des damaligen Krankenhauses. Direkt nebenan lag die 1891/93 errichtete Kapelle, die dem heiligen Antonius gewidmet war. Eingeweiht wurde das Wöchnerinnenheim am 15. Juni 1925.

Über die Ausstattung des eingeschossigen Gebäudes mit dem ausgebauten Dachgeschoss informiert uns ein in Sütterlin verfasster Text, der sich auf der Rückseite des historischen Fotos befindet: „Im Untergeschoss befindet sich ein Badezimmer und ein Raum für drei Wöchnerinnen. Außerdem ein Zimmer in dem die Säuglinge gebadet und nachts untergestellt werden. Im Obergeschoss liegen eine Teeküche, ein Schlafraum für die Wochenpflegerin, ein Entbindungszimmer und ebenfalls ein Raum für die Wöchnerinnen.“ Ebenfalls informiert uns der Originaltext über die nutzbare Fläche – 84 Quadratmeter – und die Fensterausstattung und -anordnung: „Alle Räume, mit Ausnahme der Wöchnerinnenzimmer, die je zwei Fenster aufweisen, haben ein ins Freie führendes großes Fenster; sodass sie hell, luftig und freundlich wirken.“

Als Wöchnerinnen wurden und werden Mütter in den ersten Wochen nach der Geburt bezeichnet. Als Wochenbett – daher auch der Ausdruck – wird die Zeitspanne benannt, die zwischen der Entbindung und der Rückbildung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen liegt. Als Wochenpflegerin bezeichnete man sachkundige Frauen, die sich um die professionelle Pflege von Mutter und Kind nach der Geburt kümmerten. Ähnliche Aufgaben werden heute von den „Mütterpflegerinnen“ wahrgenommen.

1950 erhielt das Wöchnerinnenheim Zuwachs. In unmittelbarer Nähe wurde eine zweigeschossige Frauenklinik errichtet, in der neben einem orthopädischen Bereich die Geburtshilfe und die Gynäkologie untergebracht war. Ein damals geplanter Verbindungsbau – ein Trakt, der das alte Wöchnerinnenheim, das weiterhin in Benutzung blieb – an die neue Frauenklinik anbinden sollte, wurde in der Folgezeit nicht realisiert. Stattdessen wurde 1956 das achtgeschossige Haupthaus errichtet, das um 2011 umgebaut und erweitert wurde. Um Platz für diesen, auch als Hochhaus bezeichneten Bau zu erhalten, hatte man bereits zwei Jahre zuvor das historische Wöchnerinnenheim abgerissen. Sucht man heute den einstigen Standort des alten Wöchnerinnenheimes, muss man sich in das Foyer des Haupthauses begeben.

An gleicher Stelle befindet sich heute der Bau, in dem die Zentralambulanz, mehrere Arztpraxen, die Intensivstation, mehrere Büros und die Kinderklinik untergebracht sind. Foto: Toni Dörflinger

Dort, im Bereich der Aufzüge befand sich wahrscheinlich die Stelle, wo einst das kleine Haus gelegen hat. Die heutigen Wöchnerinnenstationen befinden in dem an der Steinfeldstraße gelegenen Haupthaus. Nachzutragen ist noch der Werdegang der in den frühen 1950er Jahren errichteten Frauenklinik. Sie wurde bereits 1968 abgerissen. An gleicher Stelle befindet sich heute der Bau, in dem die Zentralambulanz, mehrere Arztpraxen, die Intensivstation, mehrere Büros und die Kinderklinik untergebracht sind.