Kreis Heinsberg: Gitarren halten dank Robert Seidl Einzug bei der Kunsttour

Kreis Heinsberg: Gitarren halten dank Robert Seidl Einzug bei der Kunsttour

Die Kunsttour, der Tag der offenen Ateliers und Galerien, ist in der Kulturwelt des Kreises Heinsberg seit 2002 fest verankert. In diesem Jahr hat das Amt für Bildung und Kultur der Kreisverwaltung die Organisation übernommen und gleichzeitig die Kunsttour für mehr Bewerber geöffnet. Einer der neuen Teilnehmer ist Robert Seidl aus Wassenberg.

Seidl, der in Birgelen (Am Hoverberg 7) lebt, ist Jazzmusiker und spielt Gitarren, die er selber baut. Das Auge für Form und Flächengestaltung hat er von seinem gelernten Beruf als Fotografenmeister. Mit Ausdauer und Disziplin widmet er sich dem Gitarrenbau und gestaltet perfekt verarbeitete Instrumente mit besonderer Ästhetik. „Es sind alles Unikate — und ich spiele sie alle“, betont Seidl.

Er habe schon in jungen Jahren immer mal an seinen Instrumenten Verbesserungen und Reparaturen vorgenommen. Richtig bauen und komplett herstellen, dass mache er aber erst seit 2013. Eine konkrete Zielgruppe habe er nicht, allenfalls durch den Fokus auf die Herstellung von Halbakustikgitarren, die immer elektrische Verstärkungselemente eingebaut haben. Er mache keine Auftragsarbeiten, sondern alle Instrumente seien freie Arbeiten.

„Ich verwende überwiegend heimische Hölzer wie Ahorn, Eiche, Pflaumenholz oder auch mal das Holz vom Wassenberger Sämling“, verweist Seidl auf eine Besonderheit. Alle Exponate sind handgefertigte Einzelstücke mit ganz individuellem Design.

Oft ist der Korpus und Klangkörper aus einem Stück Holz herausgearbeitet — wie bei einem Boot. Die Schalllöcher haben die Form eines F-Schlüssels wie bei einer Geige. Bei einem der frühen Exemplare ist das runde Schallloch mit einer geschnitzten Rosette verziert.

Eine der Besonderheiten seiner Gitarren, an denen man eine „echte Seidl“ erkennen könne, sei die durchgängige Gestaltung von Kopf und Hals aus einem Stück.

Sein Design geht über das Kunsthandwerk hinaus. Seidl verpasst mit der Lust an der Kreativität seinen Gitarren den Nimbus einer Unverwechselbarkeit.

Er sei auf jeden Fall ein „Bauchwerker“, lautet seine Antwort auf die Frage, ob er mehr Handwerker, Kopfwerker oder aus dem Bauch heraus arbeite. Er ahnt schon, wie das gewählte Material einmal klingen werde, deutet Seidl an, auch wenn der Beleg erst vorliege, wenn die Saiten aufgezogen sind und zum ersten Mal der Klang nachvollzogen werden kann.

Sein Handwerk ist mehr als durch Gewohnheit erlangte Geschicklichkeit. Die Ästhetik seiner Kunstwerke ist sichtbar in der Linienführung, dem Herausarbeiten der Maserung und der Form und wird fühlbar beim Anfassen des Instruments in der Spielhaltung. Auf Seidl trifft die Aussage von Kurt Schwitters zu: „Kunst ist nichts anderes als die Gestaltung mit beliebigem Material“.

Die Motivation zur Teilnahme an der Kunsttour begründet Seidl so: „Ich will mein Kunsthandwerk und die gefertigten Unikate der Öffentlichkeit vorstellen.“

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