Heinsberg: Geschenke für junge Inhaftierte

Heinsberg: Geschenke für junge Inhaftierte

Noch sind es ein paar Tage bis zum nächsten Weihnachtsfest. Aber schon jetzt laufen in den Büros der beiden Gefängnisseelsorger Rüdiger Hagens und Günter Pilger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg die Planungen dafür auf Hochtouren.

Zu Weihnachten soll jeder inhaftierte Jugendliche eine Geschenktüte bekommen. Angehörige dürfen nämlich seit einiger Zeit keine Pakete mehr zu Weihnachten in die Anstalt schicken. Die Folge: Wer sich selbst von seinem Arbeitslohn nichts oder nur wenig kaufen kann, hat keine Möglichkeit, sich zu Weihnachten ein paar Süßigkeiten oder eine Extraportion Tabak zu gönnen.

„Es geht aber nicht vordringlich um den materiellen Wert einer Zuwendung für die Gefangenen, sondern vielmehr um ein ideelles Zeichen: Ich bin nicht völlig abgeschrieben; da ist jemand, der denkt an mich”, sagt der evangelische Pfarrer Günter Pilger. „Gefangene besuchen, die Gefangenen nicht vergessen - das ist eines der sieben Werke der christlichen Barmherzigkeit. Gerade an Weihnachten sollte dies christliche Praxis sein”, so der katholische Gefängnisseelsorger Pfarrer Rüdiger Hagens. Jeder Jugendliche, gleich welcher Religion, erhält eine Weihnachtstüte. Besonders Bedürftige bekommen noch eine „Zugabe”.

Damit die rund 250 Gefangenen versorgt werden können, ist schon einiges an Sach- und Geldspenden nötig. An Sachspenden willkommen sind Kaffee (löslich oder gemahlen), Tabak, Dauerwurst, Konserven, Süßigkeiten, Drogerieartikel (bitte darauf achten, dass keine alkoholhaltigen Dinge und keine Sprays mit dabei sind!). „Im vergangenen Jahr konnten wir dank einer großzügigen Spende sogar jedem Gefangenen einen Taschen- und einen Tischkalender schenken”, erinnert sich Hagens. Und in einigen evangelischen Kirchengemeinden werde extra gebacken „für die Jungs im Knast”, fügt Pilger hinzu.

Abgegeben werden können alle Sachspenden bis zum 16. Dezember bei den Kirchengemeinden der Region Heinsberg, wo die Seelsorger sie dann abholen. Selbstverständlich sind auch Geldspenden möglich, die für den Kauf von Lebens- und Genussmitteln für die Gefangenen verwendet werden. Sie können bei den Kirchengemeinden der Region hinterlegt oder auf das Konto der Gefangenenhilfe Heinsberg überwiesen werden: Konto 2001055 bei der Kreissparkasse Heinsberg (BLZ 31251220). Wichtig ist hier der Verwendungszweck: „Weihnachtsaktion JVA Heinsberg”; eine Spendenquittung kann ausgestellt werden.

Beim Packen der Weihnachtstüten wird auch Küster Steve die Seelsorger unterstützen, ebenso wie weitere Gefangene. Steve freut sich schon jetzt darauf. „Wenn man denkt, dass man hier im Knast ist und es doch eigentlich gar nicht verdient hat, ist es doch etwas ganz Besonderes, ein Geschenk zu bekommen.”

Im Rahmen der Präsentation ihrer Sammelaktion zu Weihnachten gaben die Pfarrer auch einen ersten Ausblick auf ihre künftige Arbeit, wenn die Zahl der Haftplätze von jetzt 250 auf 573, davon maximal 170 U-Haft-Plätze, ausgeweitet wird. Für den katholischen Pfarrer ist schon jetzt sicher, dass das Bistum einen Kollegen mit einer halben Stelle schickt, obwohl dessen Refinanzierung durch das Land noch nicht gesichert ist.

Für den evangelischen Kollegen ist ebenfalls mangels nicht gesicherter Refinanzierung durch das Land noch gar keine Unterstützung in Sicht. So werde sich der neue katholische Kollege wohl vorrangig um die Untersuchungshäftlinge kümmern müssen, sind sich die beiden Seelsorger einig. Ab 9. Januar sollen die ersten Untersuchungshäftlinge nach Heinsberg kommen, berichteten sie.