Gutachten sieht Potenzial am Struffelt: Geht in Roetgen Windkraft vor Naturschutz?

Gutachten sieht Potenzial am Struffelt : Geht in Roetgen Windkraft vor Naturschutz?

Ein Gutachten sieht Potenzial für Windkraftanlagen unterhalb des Struffelt. Der Bürgermeister tritt Befürchtungen entgegen.

Er gehört zum Schönsten, was die Natur in Roetgen zu bieten hat: der Struffelt, die vennartige Bergkuppe unweit der Dreilägerbachtalsperre. Hier verläuft nicht nur der Eifelsteig – für die touristischen Ambitionen Roetgens ist diese teils unberührte Heide- und Moorlandschaft von zentraler Bedeutung. Ausgerechnet in dem recht unwegsamen Waldhang unterhalb des Struffelt will das von der Gemeinde beauftragte Planungsbüro BKR aus Aachen nun eine Potenzialfläche für Windkrafanlagen ausgemacht haben.

Schon die Veröffentlichung des Gutachtens im Bürgerportal hat bei den sehr rührigen Windkraftgegnern im Ort Schnappatmung, ja blankes Entsetzen ausgelöst. „Hier steuert die Gemeinde auf eine Katastrophe zu. Der Struffelt und das Naturschutzgebiet Vichtbachtal würden durch Windkraftanlagen zerstört“, sagt Rainer Hülsheger vom Heimat- und Eifelverein Rott, der Vorstandsmitglied der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW ist. „Man versucht sich dort zwischen verschiedene Naturschutzgebiete zu quetschen. Das ist unverantwortlich!“

In einem umfangreichen Schreiben an Verwaltung und Politik listet der Verein Natur- und Landschaftsschutz Nordeifel vor der Sitzung des Fachausschusses seine Bedenken gegen das BKR-Gutachten auf. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten die Planer der Gemeinde mögliche Flächen für Windkraft-Konzentrationszonen präsentiert. Im Bauauschuss hatte dieses Werk allerdings mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert. Die nun vorgelegte Überarbeitung birgt weiterhin Sprengstoff.

Potenzielle Flächen untersucht

Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) versucht, die Wogen zu glätten: „Gerade der Struffelt ist ein so wertvolles Gebiet, dass wir hier mit aller Vorsicht vorgehen müssen. Aus meiner Sicht wäre der Birkhahnskopf im Roetgener Wald wesentlich besser für Windkraftanlagen geeignet.“ Die BKR-Planer hätten lediglich potenzielle Flächen untersucht. „Das heißt nicht, dass man diese Flächen auch alle nutzen sollte.“

Roetgen verfügt im Gegensatz zu sämtlichen Nachbarkommunen bislang nicht über Windkraftanlagen auf Gemeindegebiet. Dadurch fehlen der Gemeinde nicht unerhebliche Pachteinnahmen, die zum Beispiel in Simmerath und Monschau die Haushaltsbilanz teils spürbar aufbessern.

Rainer Ständer vom Verein Natur- und Landschaftsschutz kritisiert deshalb, dass für diese möglichen Einnahmen die Natur in Roetgen geopfert werden solle. Auch die Fläche am Birkhahnskopf unmittelbar an einer Schleife des Vennbahnradweges sei keineswegs unproblematisch. „Diese Anhöhe liegt zentral im Roetgener Wald. Dort platzierte Windkraftanlagen würden nicht nur das ganze Landschaftsbild bestimmen, sie liegen damit auch teils deutlich näher als 1500 Meter an der Wohnbebauung.“