Kreis Heinsberg: Gegen rechte Parolen gibt es kein Patentrezept

Kreis Heinsberg: Gegen rechte Parolen gibt es kein Patentrezept

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus — für ­Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg hat mit der Anstellung einer Honorarkraft wieder an Handlungsfähigkeit gewonnen. Diplom-Sozialpädagogin Linda Ringering ist mit dem Aufbau einer Grundstruktur beschäftigt, die wieder eine reibungslose Kommunikation zwischen den Mitgliedern und nach außen gewährleisten soll.

Ringering wird aus Kreismitteln für rund zehn Arbeitsstunden pro Woche bezahlt. Neben der Erstellung einer Kommunikationsstruktur engagiert sie sich auch in Kooperationen mit Schulen und plant für den 25. März einen Informationstag über den bunten Kreis Heinsberg. Ein weiterer Gast konnte bei der Vollversammlung vom Bündnis gegen Rechts in der Ratheimer Friedenskirche begrüßt werden. Der Aachener Sozialwissenschaftler Dr. Stefan Kirschgens war eingeladen worden, um über „Argumente gegen rechte Parolen“ zu referieren.

Er begann sein Argumentationstraining gegen „coole Sprüche“ von Rechts mit der Frage danach, was Rechtspopulismus so attraktiv mache. Zuerst gelte es zu unterscheiden zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. „Die Extremen sind die Lauten“, betonte er. „Die Leisen säen den Hass.“ Als Beispiel zog er — mit Blick auf den Wahlkampf in Amerika — Donald Trump an, dem er Rechtspopulismus bescheinigte. Dessen Wähler seien keineswegs dummen Menschen, betonte Kirschgens. Ihr Votum sei durchaus ernstzunehmen. Fast schon prophetische Worte, denn wenige Stunden später war klar, dass es Trump es tatsächlich ins Weiße Haus geschafft hatte. Der Populismus, so Kirschgens, wirke durch Emotionalisierung.

„Die Wirkung der Masse spricht einen an“, sagte er. Die Identifikation mit der einen und die Abgrenzung von der anderen Gruppe würden wie eine Befreiung von der Individualität empfunden. Die Werbung, so fügte er hinzu, arbeite mit denselben Mitteln und Mechanismen. Man müsse durch Abgrenzung verhindern, sich emotional mitreißen zu lassen. Menschen, die emotional argumentierten, ließen sich durch Argumente nicht umstimmen, erklärte er und empfahl, sich abzuwenden und sich dadurch der Wirkung des anderen zu entziehen.

Mit einer Frage nach dem nächsten Urlaubsziel könne man eine populistische Äußerung zwar nicht verhindern, ihr aber die Wucht und Wirkung nehmen. Wichtig sei es auch, die Aufmerksamkeit der Umstehenden von der populistischen Botschaft abzulenken. Letztendlich, so lautete Kirschgens‘ Fazit, gebe es kein Patentrezept, das er den Zuhörern vermitteln könnte. Es liege an jedem selbst, wie weit er bereit sei zu gehen und was er sich zutraue.

In der Diskussion, die seinen Vortrag begleitete, zeichnete sich deutlich ab, dass dies den Zuhörern nicht ausreichte. Doch so sehr man auch diskutierte: Ein Erfolg versprechendes Patentrezept zeichnete sich nicht ab.

(hewi)