Gangelt: Gangelt wächst: Attraktiv für Rekord-Marke

Gangelt: Gangelt wächst: Attraktiv für Rekord-Marke

Die Gemeinde Gangelt wächst. Langsam, aber stetig. Das ist ein Phänomen in Zeiten des viel apostrophierten demografischen Wandels, dessen sich längst nicht jede Kommune glücklich schätzen kann.

Zum Stichtag, dem 3. Januar dieses Jahres, verzeichnete die Westgemeinde exakt 11.729 Einwohner - das waren 54 mehr als im Vorjahr. Größter Ortsteil ist nach wie vor Birgden mit 2983 Bürgern. Der - wenn auch bescheidene - Zuwachs könnte für Bürgermeister Bernhard Tholen Grund zur grenzenlosen Zufriedenheit sein, wenn es nicht einen Wermutstropfen gäbe: Die Zahl der Mädchen und Jungen in den Gangelter Grundschulen sinkt von Jahr zu Jahr. Tholen lässt Fakten sprechen: „Im Jahr 2004 hatten wir 530 Grundschüler, zum jetzigen Zeitpunkt sind es nur noch 400. Der Rückgang liegt damit zwischen 25 und 30 Prozent.”

Die Gemeinde kann sich also nicht auf ihrer Erkenntnis, dass sie mengenmäßig zulegt, ausruhen. „Wir müssen wieder einen draufsetzen, wir müssen sehen, dass wir wieder ein Stück weit attraktiver werden.”

Es gehe darum, vor allem junge Familien mit Kindern an den Rodebach zu locken. Um Zuzüge zu ermöglichen, benötige die Kommune ausreichend Bauland. Die Entwicklungsgesellschaft Gangelt, die EGG, habe seit 1999 über 600 Grundstücke verkauft, das heißt 50 pro Jahr. Derzeit wird das bislang größte Baugebiet der Gemeinde Gangelt erschlossen: Gangelt Nord IV mit 116 Parzellen. 91 davon werden von der EGG vermarktet, der Rest ist in privatem Besitz.

„Die Gemeinde hat eine Million Euro in Erschließung und Kanalisation gesteckt”, resümiert Bernhard Tholen. Die Investition hat sich offensichtlich gelohnt, denn seit Anfang des Jahres sind bereits 19 Baugrundstücke für das Terrain zwischen Lindenstraße und Dr.-von-den-Driesch-Straße verkauft worden. Die Nachfrage niederländischer Interessenten ist dabei stark rückläufig. Eine Feststellung, die Bürgermeister Tholen nicht verwundert: „Denn für Niederländer ist es schwierig geworden, ihre alte Immobilie jenseits der Grenze abzustoßen, so dass das Geld für ein Baugrundstück in Deutschland nicht mehr vorhanden ist.”

Gangelt will Einwohner über Zuzüge generieren, sagt Tholen. Doch dazu reiche nicht allein die Bereitstellung von Grund und Boden. „Wir brauchen auch eine funktionierende Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten und einem reichhaltigen Vereinswesen sowie eine gute Verkehrsinfrastruktur. Und darüber verfügen wir.”

Abitur vor Ort möglich

Vor diesem Hintergrund sei auch die Einrichtung der Gesamtschule, im Verbund mit der Nachbargemeinde Selfkant, wichtig. Die neue Schule startet im August dreizügig im Gebäude der auslaufenden Hauptschule in Höngen. 113 Schüler haben sich angemeldet, 120 könnte bzw. dürfte die Gesamtschule aufnehmen. Abitur vor Ort ist somit möglich, die Bildungslandschaft erreicht eine neue Dimension.

Tholen verweist zudem auf ein weiteres Pfund, mit dem die Kommune wuchern kann: die vielfältigen Natur- und Freizeiterlebnisse mit zum Teil grenzübergreifendem Charakter. Gangelt als Wohn- und Schlafgemeinde zu bezeichnen, wird nach Worten Tholens der Kommune nicht ganz gerecht: „Immerhin können wir mit 2742 Arbeitsplätzen, davon 182 im Einzelhandel, aufwarten.”

Die 12.000er-Marke ist nicht mehr weit. Das Dutzend Tausender will die Gemeinde auf jeden Fall voll machen.