Region: Fußball geht auch ohne Sexismus

Region : Fußball geht auch ohne Sexismus

Die Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Mexiko brachte viele Gemüter zum kochen. Umgehend begann die Suche nach den Ursachen. Was der Bundestrainer hätte besser machen können? Der Grund für die gute Leistung der Mexikaner war schnell gefunden: Die lateinamerikanische Elf hatte vor dem Spiel eine Party mit 30 Escort-Damen gefeiert.

Im Netz rief sodann mancher Möchtegern-Experte Jogi Löw dazu auf, doch auch mal „eine kleine Sex-Party“ zu feiern, damit die Jungs sich richtig austoben und danach voll konzentriert bei der Sache sein könnten. Damit dürften wir die Spitze des Eisbergs sexistischer Äußerungen erreicht haben, die sich Frauen seit jeher im von Männern dominierten Fußballsport gefallen lassen müssen.

Die jüngste Instrumentalisierung von Frauen zur Leistungssteigerung der Männer wird als Witz abgetan, Kritik sofort abgewunken: „Alles nur Satire“, hieß es. Die Frauen würden mal wieder keinen Spaß verstehen. Aber was die Autoren solcher Posts nicht verstehen ist, dass sich nicht jede lustig gemeinte aber im Kern frauenverachtende Äußerung unter dem Deckmantel der Satire verstecken kann. Zumal es Menschen gibt, die auf solche Äußerungen Taten folgen lassen.

Einige Fans aus Brasilien, Kolumbien und Mexiko haben jüngst gefilmt, wie sie Frauen während der WM belästigen und das Ergebnis anschließend ins Netz gestellt. Der Kampf der Frauen für mehr Gleichberechtigung im Fußball ist währenddessen mühselig. Sobald sie gute Leistung enbringen, fühlen sich manche Männer anscheinend in ihrer Vormachtstellung bedroht. Frauen sollen ihrer Meinung nach hübsch aussehen und die Männer — bestenfalls mit vollem Körpereinsatz — anfeuern, sich sonst aber nicht einmischen.

Das zeigen die sexistischen Beleidigungen, denen allen voran WM-Kommentatorin Claudia Neumann und Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus immer wieder ausgesetzt sind. Damit muss endlich Schluss sein. Das Verhalten von Trainern, Spielern, Fans und Gastgebern ist entscheidend. Sie sollten das Thema ernst nehmen und ein deutliches Zeichen gegen Sexismus setzen, solange die WM die Aufmerksamkeit von Millionen Zuschauern aus der ganzen Welt auf sich zieht.