Heimbach: Für die „Spannungen“ stehen die Turbinen wieder still

Heimbach: Für die „Spannungen“ stehen die Turbinen wieder still

Was anderen Menschen passiert, wenn sie vor dem Süßigkeitenregal im Supermarkt stehen, geschieht Maja Ellmenreich vom Deutschlandfunk, wenn sie das Programm für das Kammermusikfestival „Spannungen“ im Heimbacher Jugendstilkraftwerk liest: Ihr läuft das Wasser im Mund zusammen.

Vom 8. bis zum 14. Juni stehen die Turbinen im Wasserkraftwerk wieder still. Stattdessen erfüllen die Klänge von Klavier, Violine, Cello & Co. das alte Gemäuer. Bekannte Musiker aus aller Welt und junge Talente, die sich erst noch einen Namen machen wollen, kommen in der Eifel zusammen, um Musik zu machen.

„Während der Woche in Heimbach verdienen sie weniger als sonst an einem Abend“, erzählt Dr. Hans-Joachim Güttler, vom Kulturförderverein im Kreis Düren, der das Kammermusikfestival organisiert. Die Künstler kommen trotzdem. Und sie kommen gerne. „Sie kommen hauptsächlich wegen der Qualität des Musikmachens“, sagt Lars Vogt, der künstlerische Leiter der „Spannungen“. Sie kämen, weil sich in Heimbach Weltklasse zusammenfände und weil es ungeheuer viel Spaß mache, dort zusammen zu musizieren. Alle Musiker wären begeistert, mit wie viel Liebe und Engagement das Festival vom Kulturförderverein organisiert werde.

Hinter den elf Konzerten steckt jede Menge Arbeit. Zum einen gilt es, die Probenpläne zu organisieren. Schließlich müssen 30 Musiker eine Fülle von Stücken einüben. Und dafür haben sie nur wenige Tage Zeit. „Im Arbeitskreis gibt es viele Lehrer. Bisher haben wir den Probenplan per Hand erstellt, Dinge mit Bleistift aufgeschrieben und wieder ausradiert“, erzählt Güttler. In diesem Jahr steht den Organisatoren erstmals eine speziell programmierte Software zur Verfügung.

In mehr als 4000 Stunden ehrenamtlichen Engagements organisiert ein neunköpfiger Arbeitskreis das Festival. Hinzu kommen die vielen Stunden, die ehrenamtliche Helfer in der Festivalwoche leisten. Juristen klärten Steuer- und Sozialversicherungsfragen, es gebe eine Buchhaltung und Budgetplanung, jemand müsse sich um Marketing und die Internetseite kümmern, die Musiker müssten verpflegt und nach Heimbach gebracht werden. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein, aber arbeiten wie eine komplette Firma“, sagt Güttler und lächelt. „Aber die Vorfreude ist für uns noch immer so groß wie beim ersten Mal.“