Herzogenrath: Fröhliche Stunde im Namen des Herrn

Herzogenrath : Fröhliche Stunde im Namen des Herrn

Ja, so kann man das sagen: Dass nämlich bislang kein Ordensritter in der AKV-Geschichte an seinem Aachener Wochenende einen solchen Spagat hingelegt hat wie Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Am ersten Abend im Dreiländereck lammfromm in der Alten Messe bei Hochwürden Guido Rodheudt in Herzogenrath - und am Samstagabend quietschfidel auf der AKV-Bühne.

Teil eins hat allen Ohren- und Augenzeugen gefallen. Dieses Gespräch zwischen dem Pfarrer und der Fürstin war aber auch bemerkenswert. Weil die beiden eine Stunde fröhlich und offensiv über den lieben Gott plauderten wie andere Leute über Abwehrketten im Fußball.

Das geht gegen die Hörgewohnheit, und der Pfarrer bringt es melodramatisch auf den Punkt, „dass der Glauben heutzutage wie ein Bankgeheimnis gehütet” und manch einer „nicht gerne als Katholik geoutet” werde.

Die Fürstin sieht es gelassen: „Wenn ich bei meinem Gegenüber Interesse spüre, bin ich sofort bereit, über meinen Glauben zu sprechen. Ich will aber nicht als Missionarin auftreten.” In Herzogenrath, im Kreise Gleichgesinnter, ist besagte Begeisterung da.

Die Messe im feierlichen tridentinischen Ritus, ganz in Latein, hat in Gloria einen Fan: „Das war heute ein Fest für mich.” Die liturgische Erneuerung - Traditionalist Rodheudt wirft das Schlagwort „Fast-Food-Liturgie” ein - sei ihr zu sehr ideologisiert. Sie sagt ja zur Alten Messe, für die der Papst sich im vorigen Jahr auch stark gemacht hat, und ermahnt die Kritiker: „Es kann nicht sein, dass jene wie Sünder behandelt werden, die Traditionen bewahren.”

Rodheudt gibt die Stichworte, die Fürstin antwortet. Dass sie gerne beichte etwa. „Wofür andere beim Psychotherapeuten zahlen, das krieg´ ich beim Pfarrer umsonst.”
Warum sie täglich in die Messe gehe? „Dazu hat mir ein Pfarrer mit Blick auf mein Sündenregister dringend geraten”, sagt sie.

Man redet über - ja, das passt diesmal wirklich - Gott und die Welt, über Lieblingsheilige und Kardinal Ratzinger, den die Fürstin immer schon als Idealbesetzung für das päpstliche Amt gesehen hat: „Ich habe mal auf dem Petersplatz gesagt, er ist so majestätisch, hat was Edles, der macht sich am Fenster da oben bestimmt gut.”

Weitere Themen folgen: ethisches Handeln von Unternehmern, himmlisches Jerusalem, Marienverehrung, konservative Feministinnen, gute Manieren, Abtreibung, Ehe. Man legt einen Zwischenstopp ein bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die die Fürstin für Frauen fordert, um zuguterletzt beim Hochadel zu landen: „Ach ja”, sagt die Ritterin, „als Adeliger ist man wie eine seltene Pflanze. Wir haben keine Bedeutung mehr, haben nichts mehr zu sagen, die meisten von uns haben auch kein Geld mehr. Seid lieb mit uns, wir sterben aus!”

Applaus, strahlende Gesichter. Jetzt ist der AKV am Zug.