Aachen: Friedenspreis für drei Schulen ohne Bundeswehr

Aachen : Friedenspreis für drei Schulen ohne Bundeswehr

Nein, einer vorab gefassten Absicht oder gar einem Programm folgt die Auswahl der diesjährigen Friedenspreisträger nicht. Das beteuern die Vorstandsmitglieder des Vereins Aachener Friedenspreis einhellig, zumal so etwas beim streng demokratischen Auswahlverfahren ja auch nicht möglich sei.

Aber glücklich sind sie schon über die Entscheidung der Mitglieder, die eindeutig die Aspekte Jugend und Bildung bei der praktischen Friedensarbeit in den Vordergrund stellt. Dass vier Schulen den Aachener Friedenspreis erhalten, „das passt schon prima“, freut sich die Friedenspreis-Vorsitzende Tina Terschmitten. „Und alle sind sie Preisträger mit Vorbildcharakter.“

Bei der Internationalen Schule in Dohuk kommt außerdem wohl noch eine gehörige Portion Mut dazu, wurde das völkerverbindende und friedensstiftende Projekt doch in einer Region gegründet, die in der Vergangenheit immer wieder durch Bürgerkriege und religiös motivierte Gewalt auf sich aufmerksam gemacht hat. In der 300.000-Einwohner-Stadt in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak hat der chaldäische Bischof Rabban Al-Quas 2004 auch mit Unterstützung der Behörden seine Schule gegründet, in der Kinder und Jugendliche, Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden, gleich welchem Volk oder welcher Religion sie angehören.

Auch die soziale Herkunft ist egal, reiche Kinder lernen dort mit armen. Der Schwerpunkt liegt auf Fremdsprachen und Völkerverständigung. Religionsunterricht ist tabu, um keine Spaltung der Schulgemeinschaft herbeizuführen. Berührungsängste zwischen Jugendlichen sollen so abgebaut werden, die Ideale der Schule über die Familien in die Gesellschaft getragen werden. „Die Schüler erlernen dort den Frieden als einen Ort der Freundlichkeit und Harmonie“, beschreibt Friedenspreis-Beisitzer Denis Dreisbusch die Atmosphäre in der Schule, die man auszeichnet, weil sie so weitsichtig und früh in ihren Bemühungen um Frieden und Verständigung einsetzt.

Und laut Friedenspreis-Mitglied Uta Kempen funktioniert das Ganze auch. Von anfangs 75 sei die Schule auf mittlerweile 300 Schülerinnen und Schüler gewachsen, 400 seien das Ziel. 2011 habe es die ersten Abiturienten gegeben, drei von ihnen studierten mittlerweile in Deutschland. Und zu Angriffen auf das mutige Schulmodell sei es bislang auch noch nicht gekommen, sagt Kempen, was aber wohl auch an der Beliebtheit des Schulgründers liege: „Der Bischof gilt dort als ein sehr charismatischer und besonnener Mann.“

Keine Angst vor Angriffen müssen derweil die drei nationalen Preisträger haben, obgleich sie sich dem Militär in den Weg stellen. Die Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf, das Robert-Blum-Gymnasium in Berlin und die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach erhalten den Friedenspreis, weil sie 2010 und 2011 die ersten drei Schulen in Deutschland waren, die per Schulkonferenzbeschluss den Jugendoffizieren der Bundeswehr die Tür vor der Nase zugemacht haben.

Diese Pioniertat, sich der nach dem Wegfall der Wehrpflicht verstärkten Nachwuchswerbung der Bundeswehr zu widersetzen, hält der Friedenspreis für ausgesprochen preiswürdig, betont der Ex-Vorsitzende Gerhard Diefenbach, denn: „Da wird so getan, als ob Soldat ein ganz normaler Beruf ist, doch das ist er keinesfalls.“ Schließlich verzichte man bei der Bundeswehr auf das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Leben, auf das Recht der freien Meinungsäußerung und erlerne das Handwerk des Tötens. Dies werde den teils minderjährigen Schülern bei den rund 5400 jährlichen Werbeeinsätzen der Jugendoffiziere an Bildungseinrichtung indes nicht so dargestellt, sondern das „Soldatenhandwerk als Abenteuerurlaub“ präsentiert.

Die Idee der „Schulen ohne Bundeswehr“ habe man, so Diefenbach, auch dem Aachener Oberbürgermeister ans Herz gelegt mit der Bitte, gemeinsam mit dem Stadtrat eine Empfehlung an die Schulen auszusprechen. Doch habe es keine positive Rückmeldung gegeben. Auch alle weiterführenden Schulen in der Städteregion habe man angeschrieben, „aber die Reaktionen waren sehr dürftig“. Einige wenige Schulen würden darauf verzichten, die Bundeswehr einzuladen, „aber in der ganzen Städteregion hat dies bislang keine einzige Schule per Schulkonferenzbeschluss erklärt“.