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Rundgang durch Bonn: Zu Fuß auf den Spuren des Meisters

Rundgang durch Bonn : Zu Fuß auf den Spuren des Meisters

Beethoven überall: Bei einem Rundgang durch seine Geburtsstadt Bonn ist viel über die Anfänge des Komponisten zu erfahren.

Sie sind mehr als zwei Meter hoch und an zwei Seiten knallgelb gestrichen – schon allein dadurch kaum zu übersehen: Sieben „Chronoskop“ genannte Informationssäulen – wie es sie ähnlich in Aachen rund um Dom und Rathaus gibt – und vier Stelen an Lebens- und Schaffensorten Ludwig van Beethovens in Bonn laden zu einem Rundgang durch seine Geburtsstadt ein. Die Stationen geben Einblick in das Leben des großen Meisters, in Schrift, Bild und Ton. Es besteht auch die Möglichkeit, sich den Rundgang nebst Kommentar auf das Smartphone zu laden: beethoven-rundgang.bonn.de.

Wer beim Weg durch die Stadt die Augen offen hält, der wird in Buchhandlungen mit Beethoven-Literatur-Devotionalien überquellende Tische entdecken, in der altkatholischen Namen-Jesu-Kirche die Einladung zu Konzerten mit Musik des Bonner Komponisten unter dem Motto „Kirche klingt! – Beten mit Beethoven“ oder in einer Galerie Porträts, gebildet aus seinem berühmten Liebesbrief. Oder er begegnet einem Wagen einer Gruppe Bonner Bürger mit der Leuchtschrift des früheren Beethoven-Hotels und Informationen rund um den Komponisten. Beethoven überall – auch in den Schaufenstern die dunkelgrüne oder goldene Figur des lächelnden Komponisten von Otmar Hörl.

Der alte Taufstein

Wir starten den Weg (ein Rundgang ist er streng genommen nicht) am Geburtshaus Beethovens in der Bonngasse. In Haus Nummer 20 wohnte die Familie, ihr Sohn Ludwig wurde am 17. Dezember 1770 getauft und vermutlich am Tag zuvor in diesem Haus geboren. Von Anbeginn umgab ihn Musik. Sein Großvater war Hofkapellmeister, sein Vater Hofsänger. Als das Geburtshaus abgerissen werden sollte, gründeten Bonner Bürger 1889 einen Verein für dessen Erhalt. Heute beherbergt es neben einem Museum die umfangreichste Beethoven-Sammlung weltweit. Wir gehen die Bonngasse hoch bis zum Markt, dann nach links und biegen in die Brüdergasse ein. Dort ist die Remigiuskirche.

Beethoven wurde zwar in einer Remigiuskirche getauft, doch nicht in dieser. Die Taufkirche brannte 1800 ab. Sie stand allerdings am heutigen Remigiusplatz, unserer übernächsten Station. In der heutigen Kirche (in der Brüdergasse) finden wir vorne im linken Seitenschiff den Taufstein, der aus der abgebrannten Kirche gerettet werden konnte. Wir gehen zurück zum Markt.

An der gegenüberliegenden Straßenecke stand früher das Wirtshaus Zehrgarten mit einem Buchladen am Bonner Markt, schräg gegenüber dem Rathaus. Um die beliebte Wirts­tochter Babette bildete sich der Kreis der Zehrgarten-Freunde, zu dem Beethoven gehörte. Am 1. November 1792 feierte der 21-jährige Beethoven hier mit Freunden seinen Abschied vor der Abreise nach Wien. Er konnte noch nicht ahnen, dass er künftig in Wien bleiben würde. Im barocken Rathaus residierte damals die Lese- und Erholungsgesellschaft, die aufklärerische Ideale verfolgte, mit denen der Bonner Musiker sympathisierte.

Von Stele zu Stele: Die ­„Bthvn-Story“ bietet mit elf Stationen ein Bild des jungen Beethoven in seinem unmittelbaren Bonner Lebensumfeld. Foto: Martin Thull

Nur ein paar Schritte weiter in Richtung Münster kommen wir zum Remigiusplatz. Dort war 1800 die Pfarrkirche St. Remigius abgebrannt. Hier hatten 1733 Ludwigs Großeltern und 1767 seine Eltern geheiratet. Wie die meisten seiner Geschwister wurde auch Ludwig hier getauft, seine Urgroßeltern wurden 1749 hier begraben. An der Seite des Chronoskops ist der Auszug aus der Tauf­urkunde zu sehen. Ein Blitzschlag hatte die alte Pfarrkirche zerstört. Sie wurde nicht wiederaufgebaut. Die unbeschädigte Kanzel kam ins Bonner Münster, die Glocke in die heutige Namen-Jesu-Kirche. Die vormalige Minoritenkirche in der Brüdergasse wurde 1806 in Remigiuskiche umbenannt.

Die erste Anstellung

Wenn wir dem konzipierten Weg weiter folgen wollen, steht jetzt ein kleiner Umweg Richtung Rhein an: Zunächst geht es Richtung Universitätshauptgebäude, dem früheren kurfürstlichen Schloss. Bereits mit 13 Jahren bekam Beethoven seine erste bezahlte Anstellung als zweiter Hoforganist. Er spielte hier in der Schlosskirche und bei Konzerten. 1789 erhielt er eine Stelle als Bratschist in der Hofkapelle. Im Orchester erlebte Beethoven unmittelbar die Wirkung der Musik auf das Publikum.

Am Universitätshauptgebäude entlang gehen wir zum Alten Zoll und sehen auf den Rhein und das Panorama des Siebengebirges. Aus Wien schrieb Beethoven 1801 einem Bonner Freund: „Ich werde diese Zeit (in Bonn) als eine der glücklichsten Begebenheiten meines Lebens betrachten, wo ich euch wiedersehen und den Vater Rhein begrüßen kann.“ Der Rhein führte Beethoven 1778 zu seinem ersten öffentlichen Konzert nach Köln. 1783 fuhr der Zwölfjährige bis nach Rotterdam. Beim „Jahrtausendhochwasser“ 1784 musste die Familie ihre Wohnung in der Rheingasse verlassen, wo 1733 schon Großvater Ludwig gewohnt hatte.

Zurück zum Münsterplatz: Dort stand das Breuningsche Haus, wie das Chronoskop vor dem Kaufhaus Sinn erklärt. In dem repräsentativen Kanonikerhaus lebte Helene von Breu­ning mit ihren vier Kindern. Ihr Mann war 1777 beim Schlossbrand ums Leben gekommen. Für Ludwig wurde sie eine „Ersatzmutter“ und das Haus für ihn zur zweiten Heimat. Im Hausunterricht mit den Kindern fand Beethoven Zugang zur klassischen Bildung. Er gab ihnen Klavierunterricht.

Den Münsterplatz beherrscht das Beethoven-Denkmal. Spötter sprechen vom „Postvorsteher“, weil das dortige Fürstenberg-Palais lange Zeit das Hauptpostamt der Stadt war. 1835 gründeten Bürger den Bonner Verein für Beethovens Monument. Der Komponist Robert Schumann verbreitete den Spendenaufruf europaweit. Die zehn Jahre später noch fehlenden Gelder steuerte Franz Liszt bei. Nach dem Festgottesdienst im romanischen Münster fand am 12. August 1845 die Denkmalenthüllung statt. Im Münster hatte der junge Beethoven Orgel gespielt und dort wohl auch die Elementarschule besucht.

Von dort geht es Richtung Stadthaus zum Alten Friedhof. Dort ist seit 1932 ein Ehrengrab für Beethovens Mutter Maria Magdalena eingerichtet. Ihr Tod 1787 war ein schwerer Schlag für den Sohn: „Sie war mir eine so gute liebenswürdige Mutter, meine beste Freundin; o!“ Die Grabstelle des Vaters ist nicht bekannt.
Zumindest im April ließe sich ein richtiger Rundgang vollenden, wenn in der Heerstraße hinter dem Stadthaus die Kirschbäume blühen und Neugierige aus aller Welt anlocken. Denn von dort würde es über den Bertha-von-Suttner-Platz zurück in die Bonngasse zu Beethovens Geburtshaus gehen. Ansonsten endet unser Weg am Alten Friedhof.

Doch zwei für Beethovens Biografie wichtige Stationen in Bad Godesberg fehlen noch: Um 1790 war Godesberg ein kleines Dorf bei der Residenzstadt Bonn. Der zunächst nur von der Bevölkerung genutzten mineralhaltigen Draitschquelle wird auch heute eine besondere Qualität bescheinigt. Beethoven traf sich an der Quelle mit Freunden, um im nahen Birgitten-Kloster Marienforst die Orgel zu spielen. In der Godesberger Redoute traf der 21-jährige Beethoven Joseph Haydn. Beethoven präsentierte dem europaweit gefeierten Komponisten eigene Werke.

Diese Begegnung stellte die entscheidende Weiche in Beethovens Leben. Denn im November 1792 brach der Bonner nach Wien zum Unterricht bei Haydn auf, von dem er „Mozarts Geist“ empfangen sollte. Zunächst war eine Rückkehr nach Bonn geplant. Doch kam sie nie mehr zustande.

Das Beethovenhaus (Bonngasse 20) in Bonn ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere elf Beethovenstationen sind im Rhein-Sieg-Kreis eingerichtet.

beethoven.de

beethoven-rundgang.bonn.d