Geheimtipp für Entdecker: Kortrijk in Westflandern lockt mit einer schönen Altstadt

Geheimtipp für Entdecker : Kortrijk in Westflandern lockt mit einer schönen Altstadt

Kortrijk (frz. Courtrai) mit 75.000 Einwohnern liegt nur sieben Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Die Stadt lohnt einen Wochenendausflug oder einen Abstecher beispielsweise auf einer Reise an die belgische oder französische Küste. Die eher unbekannte Schöne geizt nicht mit charmanten architektonischen Reizen.

Dazu kommt eine elegante Fußgängerzone mit schicken Geschäften, die eine sehr attraktive Ergänzung zu der geschichtsträchtigen Altstadt darstellt. Das pulsierende Kortrijk ist eine Stadt mit vielen Trümpfen, mit einem einzigartigen Mix aus modern und historisch.

Dort gibt es die wunderschöne Leie, die an den Broeltürmen, den Relikten der ehemaligen Stadtmauern, in die Stadt hineinfließt. Ein malerischer Spaziergang entlang ihrer Ufer lohnt sich beispielsweise zur Kunstinsel Buda und über die sieben futuristischen Brücken.

Sehenswert auch das Texture, das Museum über Leie und Flachs und das multimediale Kortrijk 1302. Kortrijk ist auch eine Shoppingstadt, eine Trendsetterin. Sie war die erste Stadt in Flandern mit komplett verkehrsfreier Geschäftsstraße.

Das überdachte Shoppingcenter K ist ein Paradebeispiel dafür und eines der größten Belgiens. Wie in fast jeder größeren flämischen Stadt ist der Grote Markt, der Marktplatz, der Hauptanziehungspunkt. Mitten darauf streckt der viereckige Belfried (Weltkulturerbe) aus dem 14. Jahrhundert seine fünf Turmspitzen in die Höhe. Er beherbergt 48 Glocken. Auf der Turmspitze steht eine vergoldete Mercurius-Skulptur (der Gott der Händler) von 1712.

Ruhige Oase in der geschäftigen Stadt: Der kleine Beginenhof aus dem 13. Jahrhundert zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Er besteht aus 41 weiß getünchten Häusern mit roten Ziegeldächern, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Foto: Beginenhof 2 Kortrijk (c) R. Minderjahnh

Die ursprüngliche Glockenspielfigur (Manten) 1382 wurde als Kriegsbeute von Philipp dem Kühnen mitgenommen und der Stadt Dijon geschenkt. Dort steht der Glockenspieler auf dem Turm der Liebfrauenkirche. Er bekam eine ganze Familie dazu, und die Figuren sind bekannt als „Les Jacquemarts de Courtrai“ (Die Glockenschläger von Kortrijk).

Am Platz steht auch das Rathaus (Stadhuis) im Flamboyant-Stil, mit seiner harmonisch verzierten Fassade. Die vielen Statuen stellen die Grafen von Flandern dar. Im Innern beeindrucken Säle und prächtige, gemeißelte Kamine aus dem 16. Jahrhundert. Eine moderne Wanddarstellung gibt die berühmte Schlacht der Goldenen Sporen wieder. Kortrijk ging durch diese Schlacht in die „flämische“ Geschichte ein. Um sie ranken sich viele Mythen, unter anderem aufgrund eines historischen Romans mit unsicherer Faktenlage.

Während des Hundertjährigen Krieges wurde am 11. Juli 1302 in der Schlacht der Goldenen Sporen in der Nähe der Stadt ein französisches Ritterheer unter Graf Robert II. von Artois von den unter dem Kommando Guidos von Namur und anderen Heerführern kämpfenden Flamen, hauptsächlich Webern aus Ypern und Brügge, besiegt. Damit war die Selbstständigkeit Flanderns gesichert und die Herrschaft über deren florierende Tuchindustrie.

Imposanter Bau im spätgotischen Flamboyantstil am Grote Markt: das Stadhuis in Kortrijk. Im Inneren erinnert eine moderne Wanddarstellung an die berühmte Schlacht der Goldenen Sporen. Foto: Stadthuis Kortrijk(c) R. Minderjahnh

Schon in der Grundschule lernen flämische Kinder, was sich in diesem für Flandern so wichtigen Jahr zugetragen hat: die Schlacht der Goldenen Sporen und der Sieg über ein französisches Heer in Kortrijk. Nirgendwo ist die Erinnerung an dieses Ereignis so lebendig wie in der Liebfrauenkirche der westflämischen Stadt.

Die Gewölbedecke der Liebfrauenkirche zu Kortrijk erzählt dieses Stück flämische Geschichte. Genauer gesagt tun dies Nachbildungen der goldenen Sporen, welche die Flamen im Jahr 1302 nach dem Sieg in der gleichnamigen Schlacht von den unterlegenen Franzosen erbeutet haben sollen. Im Laufe der Geschichte wird diese Schlacht als Indiz für das Unabhängigkeitsstreben des heutigen Flanderns vom Rest Belgiens instrumentalisiert. Die Grafen von Flandern besaßen unglaublich viel Macht, exemplarisch dafür sind die Darstellungen in der Grafenkapelle der Kirche.

Schmuckstück Beginenhof

Das andere große Gotteshaus in Kortrijk ist die Sankt-Martinskirche aus dem 12. Jahrhundert. Ihr Prunkstück ist zweifellos das „Heilig-Geist-Triptychon“ von Bernard de Rijckere aus dem Jahr 1587: eine Pfingstdarstellung, flankiert von der Taufe Jesu und der Erschaffung Adams.

Beeindruckend ist das einzigartige, 6,50 Meter hohe Tabernakel aus dem Jahr 1585. Der 83 Meter hohe Kirchturm ist von weitem sichtbar und prägt die Silhouette der Stadt. Ab Sommer 2019 wird er ständig für Besucher zugänglich sein.

Der Platz im Schatten der Kirche ist sehr lauschig, baumbestanden mit Bänken, Brunnen und Statuen. Hierhin kann man sich zurückziehen, zum Beispiel nach einem ausgedehnten Einkaufsbummel durch die angrenzenden Geschäftsstraßen. Zwischen der Liebfrauenkirche und der Sankt-Martinskirche liegt das Juwel von Kortrijk, der kleine Beginenhof aus dem 13. Jahrhundert, der auch zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Er wurde vermutlich 1238 von der Gräfin Johanna von Konstantinopel errichtet. Die 41 weiß getünchten Häuser in den Gebäudeensembles mit ihren roten Ziegeldächern stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Nostalgie im Café: Besonders stilvoll ist die Brasserie Damier mit ihren langen Lederbänken und der Wandspiegelgalerie unter hohen Decken. Die Brasserie gehört zum Hotel Damier, in dem auch schon viele Prominente genächtigt haben. Foto: Café und Nostalgie Brasserie Damier Kortrijk (c) R. Minderjahn

Die Authentizität dieses sogenannten Straßen- und Platzbeginenhofs ist erstaunlich und einfach nur bezaubernd. Hier möchte man gerne die Zeit verstreichen und sich von der Atmosphäre einfangen lassen. Ein kleines Museum erzählt von der Geschichte dieses Ortes. Eine Augenweide ist das Doppelgiebelhaus in rotem Ziegelstein mit der kleinen markanten Rundbogentür und dem niedlichen Vorgarten. Es beherbergt heute ein sehr originelles und einladendes Café: das Huis van de Groot Juffrouw. (www.huisvandegrootjuffrouw.be).

Eine weitere gastronomische Adresse erster Güte ist das legendäre Hotel Damier am Grote Markt 41, zu dessen illustren Gästen gekrönte Häupter ebenso zählen wie berühmte Künstler und Sportler. Die majestätische unter Denkmalschutz stehende Rokokofassade aus dem Jahr 1769 mit den goldenen Lettern steht für Nostalgie und Charme, die den Gast in den Mauern dieses Luxushotels mit modernsten Ansprüchen erwartet.

Besonders stilvoll ist auch die Brasserie Damier mit ihren langen Lederbanksitzreihen und der Wandspiegelgalerie unter hohen Decken. Hier kehrt man gerne auch nur für einen Kaffee oder einen Lunch ein. An den kleinen Marmor-Bistrotischchen wird wieder ein wenig das 18. Jahrhundert lebendig und eine längst verloren geglaubte Kaffeekultur (www.hoteldamier.be).

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