Abtei Mariawald: Wandern in der Nordeifel

Erbsensuppe, Pilger und Napoleon : Wandern und Wonne um die Abtei Mariawald in der Nordeifel

Die geschichtsträchtige Abtei Mariawald in der Nordeifel wird von variantenreichen Wanderwegen umgeben. Futter gibt es hier für Leib und Seele - wenn man weiß, wo es zu finden ist.

Erbsensuppe also. Eine Portion, ein halber Liter, sämige, wohlschmeckende Erbsensuppe. Die Abtei Mariawald hat nicht so sehr der Chorgesang der Trappistenmönche weit über die Grenzen der Nordeifel bekanntgemacht, sondern diese eher rustikale Delikatesse. Und da sie im Nobelkaufhaus Manufactum als Konserve angeboten wird, hat sie quasi den kulinarischen Ritterschlag erhalten. Einer der Hits aus dem Angebot „Gutes aus Klöstern“.

Vor etwa 50 Jahren erschien es den Mönchen der Abtei Mariawald oberhalb von Heimbach wichtig, Pilgern zum Kloster, am Ende ihres Weges, eine einfache Mahlzeit anzubieten. Sie entwickelten eine Rezeptur zur Erbsensuppe, die bis heute als unverwechselbar gilt und in großen Mengen verkauft wird. Stolz wird dem Besucher erzählt, dass an „guten Tagen“ um die 1000 Portionen ausgegeben werden, wahlweise mit oder ohne Wurst.

Mariawald wurde 1480 als Zisterzienserabtei gegründet. Es folgte eine wechselvolle Geschichte – ohne Happy End. Im Jahr 1795 wurde die Abtei von den Franzosen in Besitz genommen. 1860 nahmen die Zisterzienser der „Strengen Observanz“ (Trappisten) der französischen Abtei Oelenberg wieder Besitz von Mariawald. Im Jahr 1875 mussten die Mönche während des Kulturkampfes das Kloster verlassen. Sie konnten 1887 zurückkehren. Im Jahr 1941 zwangen die Nationalsozialisten die Mönche erneut, die Abtei zu verlassen. Die Rückkehr erfolgte 1946. Mariawald war die einzige Abtei für Mönche des Ordens dieses Zisterzienserzweiges in Deutschland. Im Januar 2018 wurden die Aufhebung und der Verkauf des Klosters beschlossen, am 15. September 2018 verließen die Mönche das Kloster.

Mariawald als Pilgerziel ist auch mit Napoleon verbunden. Napoleon? Ja, denn der von ihm initiierten Säkularisierung der Klöster und anderer Kirchengüter fiel auch das Zisterzienserkloster in der Nordeifel zum Opfer. Dort wurde ein Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter Gottes“ verehrt. Ganz am Beginn der Wallfahrt steht schon um 1470 ein einfacher Handwerker mit seinem Glauben und seiner Verehrung der Mutter Gottes. Der Strohdecker Heinrich Fluitter aus Heimbach entdeckte bei einem Besuch in Köln dieses Bild, lieh sich Geld und kaufte die Schnitzarbeit.

Unverwechselbar: An „guten Tagen“ gibt die Abtei Mariawald rund 1000 Portionen Erbsensuppe aus – wahlweise mit oder ohne Wurst. Foto: zva/Martin Thull

Die so erworbene Mariendarstellung nahm Fluitter mit nach Hause in die Eifel. Im Wald zwischen Heimbach und Gemünd stellte er das Bild auf. Bald darauf errichtete er eine hölzerne Kapelle und lebte dort als Einsiedler. Gläubige aus der näheren und weiteren Umgebung fanden beim Bild der Mutter Gottes Stärkung für ihren Alltag. Immer größer wurde die Zahl der Pilger. Dem damaligen Heimbacher Pfarrer gelang es, Zisterzienser für die Betreuung der Wallfahrt zu gewinnen. Neben der kleinen Wallfahrtskirche begannen die Mönche, ein Kloster zu bauen. 1487 wurde das Kloster Mariawald offiziell begründet. Um 1511 wurde die Klosterkirche geweiht. Die Marienstatue fand nun dort ihren Platz in dem kostbaren Antwerpener Schnitzaltar, in dem sie sich bis heute befindet.

Der Eigentümer des Klosters ist jetzt der Verein „Kloster Mariawald“, der die Klosterbetriebe seit 2018 weiterführt. Der Verein will die Fortführung der wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe und die Weiterentwicklung von Mariawald als Ort der Spiritualität und der geistlichen Ausstrahlung sicherstellen. Damit ist vor allem die Zukunft der Klosterbetriebe gesichert.

Die Kirche ist zugänglich, auch wenn kein regelmäßiger Gottesdienst mehr stattfindet. „Beichten hier nicht möglich!“ verkündet ein handgeschriebener Zettel. Wer aber das Glück hat, dass gerade eine kleine Gruppe von Pfadfinderinnen die gute Akustik der Kirche nutzt, um nach dem Rosenkranzgebet ein mehrstimmiges Lied anzustimmen und mit dem Ave Maria aus Lourdes zu enden, der vermag etwas von des Faszination dieses Klosters zu ahnen, die auch nach dem Auszug der Trappisten weiter anhält.

Heute sind die Abteigebäude weniger Ziel von Pilgern als vielmehr von Wanderern. Denn das ehemalige Kloster liegt oberhalb von Heimbach mit seiner Burg und des „Staubeckens Heimbach“ im Zentrum zahlreicher Wanderwege. Die Klosterrunde etwa führt durch Laub- und Nadelwälder rund um das Staubecken, andere Wege (gekennzeichnet etwa mit einem stilisierten Katzengesicht) eher rund um das Klostergelände. Der Klosterparkplatz ist auch Startpunkt der „Rangerführung durch die Buchenwälder des Kermeter“ (jeden Mittwoch ab 14 Uhr; geeignet auch für Seniorinnen und Senioren, sehbehinderte und blinde Gäste (mit Begleitperson), Kinder und geländegängige Kinderwagen).

Oberhalb der Abtei liegt ein Soldatenfriedhof. Ein Register führt die beerdigten Soldaten auf. Foto: zva/Martin Thull

Immer wieder gibt es auf den Wegen und Pfaden Gelegenheit zur Rast, manchmal steht sogar ein Tisch vor der Bank. Und Ausblicke auf die sanften Hügel der Eifel lassen innehalten, besonders im späten Frühling, wenn gelbe Rapsfelder und blühender Ginster am Wegesrand das Auge erfreuen. Zu entdecken sind nicht zuletzt auch die Schäden des trockenen Sommers. Fußballfeldgroße Flächen werden jetzt von ausgetrockneten Fichten bestanden. Das wirkt eher trostlos. Andererseits: Experten sagen, dass diese Baumart eher nicht in die Eifel gehört und künstlich aufgeforstet wurde. Vielleicht wehrt sich die Natur so.

Oberhalb der Abtei liegt auf dem Bückberg ein Soldatenfriedhof. Wie auch an anderem Ort stehen die Grabkreuze mit den Namen der Gefallenen in Reih und Glied. In der Mauer versteckt ist ein kleiner Eisenschrank, in dem ein Buch die hier Bestatteten auflistet: Name, Geburts- und Sterbedatum sowie der Grabplatz. Würdevolles Gedenken.

Im Klosterladen übrigens gibt es noch eine weitere Spezialität: Vor rund 100 Jahren hatten die Mariawalder Trappisten einen guten Freund und Förderer, der sich mit dem Kloster sehr verbunden fühlte. Gemeinsam mit dem damaligen Prior entwickelte dieser Apotheker eine Kräutermixtur, die dem „Mariawalder Klosterlikör“ seit dieser Zeit zugrunde liegt. Seine bekömmlichen und die Verdauung fördernden Eigenschaften haben ihn darüber hinaus zu einem für manche Beschwerden heilsamen Elixier werden lassen, auf das viele Liebhaber nicht mehr verzichten möchten. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts trat zu diesem uralten Rezept einen weiterer Likör, die „Trappisten-Abteitropfen“, der in eine herbere Richtung geht.

Es ist immer gefährlich, einen „Geheimtipp“ zu verraten. Weil dann das beschriebene Objekt nicht mehr länger geheim ist. Dennoch sollte hier denen verraten werden, die sich nicht nur mit Erbsensuppe, sondern auch mit Kaffee und Kuchen stärken wollen: Im „Hausener Kaffeestübchen“ in Heimbach-Hausen gibt es hausgemachte Torten mit vorzüglichem Baiser-Überzug und leckeren Kaffee. Das Ganze wird serviert in der einem Wohnzimmer ähnlichen Gaststube oder an im Innenhof verteilten Tischen.Ob mit oder ohne Wandern – ein gelungener Abschluss eines Besuchs in der Abtei.

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