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Gymnich: Spielen, forschen, plantschen: „KM 51 — das Erftmuseum“

Gymnich : Spielen, forschen, plantschen: „KM 51 — das Erftmuseum“

Genau 103 Kilometer ist die Erft lang, kein großer deutscher Fluss. Aber einer, dem seit Anfang Juli ein eigenes Museum gewidmet ist. Und weil das ziemlich genau in der Mitte des Flusslaufs liegt, heißt es „KM 51 — das Erftmuseum“. Angeblich verfügt nicht einmal der Rhein über ein ähnlich geartetes Museum. Nicht der Name ist besonders originell, sehr wohl aber das Konzept.

Denn anders als in anderen Museen gibt es kaum originale Ausstellungsstücke zu sehen, es ist ein Erzählmuseum. Original sind lediglich ein (zerbrochener) Mühlstein sowie Schaufelfragmente einer karolingischen Mühle von 833. Sie sind in ein Kunstobjekt einbezogen, das mittels Geräuschen und einer Lichtinstallation die Illusion eines sich drehenden Mühlrades vermitteln soll.

Sie erzählt von Menschen, die mit der Erft groß geworden sind: eine der Ahnentafeln im Museum in Gymnich.
Sie erzählt von Menschen, die mit der Erft groß geworden sind: eine der Ahnentafeln im Museum in Gymnich.

Erzählt aber wird an zwölf interaktiven Stationen der Weg der Erft von der Quelle bei Nettersheim bis zur Mündung in den Rhein bei Neuss. Und das durchaus kindgerecht. Was bedeutet, dass die Kinder etwa runde Holzscheiben nach oben oder unten verschieben können und dahinter zusätzliche Informationen erhalten oder durch Fragen zum Nachdenken angeregt werden.

Idyllisch: die Gymnicher Mühle.
Idyllisch: die Gymnicher Mühle.

An einer Station können sie zum Beispiel DIN-A-4-große Holztafeln mit Schloss- oder Burgsilhouetten drücken und erfahren auf einem Bildschirm mehr über diesen bestimmten Gebäudetyp. Im Wissensspeicher werden Bücher angeboten, die vieles über das Thema Wasser verraten. Sitzgelegenheiten sind aufgepolsterte Mehlsäcke. Schließlich befinden wir uns im Mühlspeicher der historischen Gymnicher Mühle, die dem Naturparkzentrum bei Erftstadt ihren Namen gegeben hat.

Eher für Erwachsene gedacht ist die Ahnengalerie mit historischen Personen von Napoleon bis Kardinal Joseph Frings, die mit der Erft unmittel- oder mittelbar zu tun hatten. Unter einigen der Porträts sind kleine Stecker, die eine Verbindung mit einem Telefonhörer bieten. Und dann kann der Besucher etwa Günter Grass hören. Grass lebte mit seinen Eltern als Jugendlicher eine Zeit lang im Erftland und arbeitete während seiner Steinmetzlehre an einem Grabstein für den Friedhof in Oberaußem mit. Weniger berühmt, aber bewegend die Schilderungen von Zeitgenossen beispielsweise über ein Hochwasser der Erft oder ein durch Leichtsinn verursachtes Schlauchbootunglück an einem der Stauwehre.

Zu einer der Attraktionen gehört sicher ein grüner Gang, der dem Besucher einen Eindruck darüber vermitteln soll, wie es unter Wasser aussieht. Wie sich dort Bachforelle, Biber oder Wels tummeln. An anderer Stelle kann der Weg des Flusses im Lauf der Jahrhunderte verfolgt werden, von Menschenhand reguliert — und dieses neuerdings in Teilen wieder rückgängig gemacht, um Flora und Fauna ihre natürlichen Lebensbedingungen zurückzugeben.

Im Umfeld der Erft dürfen aber auch Informationen zu Kappes und Rübe nicht fehlen. Denn die Kohl- und Rübenfelder bilden ein weiteres Charakteristikum der Region. An St. Martin kommen die Rüben auch bei den Kindern zum Einsatz, wenn diese nach dem Laternenumzug bei den Nachbarn zum „Schnörzen“ oder „Heischen“ singen.

Werden hier eher die grauen Zellen in Anspruch genommen, so bietet der nahe gelegene Wassererlebnispark viele Möglichkeiten, sich auszutoben. Geeignet für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter gibt es eine Wasserburg, zwei große Rutschen und die Möglichkeit, Wasser über einen Abhang in eine große Sandgrube zu lenken, einen Spielteich mit Flößen oder einen Galgen mit einem Schöpfgefäß. Vielfältige Möglichkeiten, sich besonders an heißen Tagen angenehm zu erfrischen und — wenn man es denn unbedingt will — auch noch etwas Wissenswertes zu erfahren.

Zusammengefasst: Hier lässt sich spielen, forschen, konstruieren und zu Wissensabenteuern aufbrechen, erst recht, wenn Kindergarten oder Schule das Angebot des „blau-grünen Klassenzimmers“ nutzen, wo Umweltpädagogen ein Programm anbieten, das aktions- und spaßgeladen ist.

Genug Wasser?

Wer das Wasser dann irgendwann leid ist: In der nahe gelegenen Greifvogelstation Pierre Schmidt leben Adler, Bussarde, Falken und Eulen, insgesamt 30 verschiedene Greifvögel. Bei der Greifvogelschau können diese Tiere hautnah erlebt wer-den (www.falknerei-schloss-gymnich.de; dieselbe Adresse wie rechts im Kasten, Öffnungszeiten 14.30-17 Uhr, montags geschlossen). Mit Tieren können sich die jüngeren Besucher schon im Museum „KM 51“ spielerisch beschäftigen.

Die Macher der Ausstellung haben auf den über 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche Tiere versteckt — auf die Wand gemalt, als Präparate aufgestellt oder in Vitrinen verborgen. Angeblich soll einer der ersten jungen Besucher 241 gefunden haben — Insekten und Mäuse, eine Katze und den Fisch an der Kasse. Ein Tipp für Nachahmer: Die Schließfächer sind mit Fischen dekoriert, und deren Schlüssel haben einen solchen als Anhänger. Da kommt schnell eine große Zahl zusammen.

Die Umgebung rund um die Gymnicher Mühle ist mit zahlreichen Rad- und Wanderwegen erschlossen. Auf ausgewiesenen Routen mit Erzählstationen lässt sich das Erfttal erkunden. Träger des Gesamtprojekts, das mit rund 13 Millionen Euro aus verschiedenen Töpfen gefördert wurde, sind der Erftverband und der Rhein-Erft-Kreis.