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Mönchengladbach: Schloss Rheydt: Ein Zeugnis der Renaissance

Mönchengladbach : Schloss Rheydt: Ein Zeugnis der Renaissance

Schlösser und Burgen: Am Niederrhein sind sie Zeugnisse einer bewegten Geschichte. Alle wichtigen Herrscher gaben sich hier im Mittelalter ein Stelldichein. Heute lädt die Landschaft zu Spaziergängen und Radtouren ein — oder einfach nur zum Betrachten. Zum Beispiel: das Schloss Rheydt.

Aus einer Motte an der Niers entwickelte sich um 1300 eine steinerne Wasserburg, die in mindestens fünf Phasen aus- und umgebaut wurde und heute als besterhaltenes Renaissanceschloss am Niederrhein gilt. Sein heutiges Aussehen verdankt es dem Einzug der niederrheinischen Adelsfamilie von Bylandt um 1500. Kurz nachdem Otto 1552 das Lehen erhalten hatte, beauftragte er vermutlich Alessandro Pasqualini und dessen Sohn Maximilian mit dem Umbau der Anlage, der 1558 begann. Zunächst rückte die Befestigung nach außen. Eine Wallanlage entstand, die von einem Wassergraben umgeben ist, den die Niers speist.

Das Herrenhaus: Es ist auch Spielstätte der städtischen Theater.
Das Herrenhaus: Es ist auch Spielstätte der städtischen Theater. Foto: Birgit Gerlach

Umfangreich restauriert

Torburg, sechs Bastionen und die Kasematten folgten im Inneren, außerdem ein weiterer Graben um Vorburg und Haupthaus. Den größten Teil der Vorgängerbauten gliederte der Baumeister bis 1572 harmonisch in das Gesamtensemble ein. Skulpturale und ornamentale Steinmetzarbeiten, reich verzierte Fenster und Gesimse, der Erker am Nordwest-Flügel und besonders die sieben Bögen umfassende Loggia im Arkadenhof geben dem Gebäude einen beeindruckenden, repräsentativen Charakter, der sich auch in der Innenausstattung mit Prachtkaminen, Fliesen sowie aufwendiger Wand- und Deckenmalerei wiederfindet.

In den 1980er und 90er Jahren fand eine umfangreiche Restaurierung des Herrenhauses statt. Das extravagante, postmoderne Treppenhaus aus Glas und Stahl im Innenhof entstand 1994 und bildet einen überraschenden Kontrast zum Äußeren des Schlosses. Heute ist Schloss Rheydt die einzige erhaltene Anlage im Stil der italienisch-maasländischen Renaissance am Niederrhein.

Geschichte

Eine Burg Rheydt, seit 1057 im Besitz der Grafen von Kessel, wurde 1190 von Erzbischof Philipp von Heinsberg für Köln gekauft. Er belehnte damit die Familie Heppendorf, die sich ab 1263 von Rheydt nannte. Rutger von Rheydt wurde 1288 als Erster Ritter und ab 1312 Ritter und Herr von Rheydt genannt. Zu seiner Herrlichkeit gehörten auch die benachbarten Honschaften — Bauerschaften ähnliche Gemeinden — Bonnenbroich, Geneicken, Morr und Pongs. Eine stadtähnliche Entwicklung um die Burg fand jedoch nie statt. Noch im 14. Jahrhundert trug Johann von Rheydt dem Herzog von Jülich seine Burg als Offenhaus an, aber unter Gerhard von Rheydt zog im 15. Jahrhundert das Raubrittertum ein. Bestraft wurde er dafür 1443 mit der Reichsacht.

Auch sein Schwiegersohn und Nachfolger Johann von Arendal hatte sich auf ähnliche Art bereichert. Nachdem er 1464 zwei Lütticher Kaufleute entführt und in Schloss Rheydt versteckt hatte, um Lösegeld zu erpressen, wurde die Burg in einer Befreiungsaktion von wütenden Lüttichern belagert, geplündert und teilweise zerstört. Johann von Arendal verzichtete 1468 auf das Lehen; es ging zuerst an seine erste und dann an seine zweite Tochter, die mit Heinrich von Bylandt verheiratet war. Dieser wurde 1500 mit Rheydt belehnt. Damit begann die fast 300-jährige Herrschaft der Familie von Bylandt in Rheydt, deren bekanntestes und Familienmitglied wohl Otto von Bylandt war. Er bekleidete hohe Ämter im Herzogtum Jülich-Berg. Er war zeitweise sogar kaiserlicher Rat. 1590 gelang es ihm, nachdem er die Lehnsabhängigkeit von Jülich abgelehnt hatte, Rheydt zur reichsunmittelbaren Herrschaft erheben zu lassen. Seine beiden Söhne starben kinderlos.

Nach mehrjährigen Erbstreitigkeiten ging Rheydt 1637 wieder als jülichsches Lehen an Roelmann von Bylandt. Als dessen Linie 1701 ebenfalls ohne Erben blieb, erhielt Arnold Christoph von Bylandt Rheydt als Lehen. Seine drei Söhne wurden nacheinander mit dem Anwesen belehnt. Der Jüngste, Karl Kaspar, erhielt Rheydt 1761 und behielt es, bis die französischen Besatzer unter Napoleon 1794 die Lehnsabhängigkeit aufhoben.

Nachdem das Schloss danach im Laufe von 100 Jahren mehr und mehr verfallen war, kaufte es die Stadt Rheydt 1917 und eröffnete hier 1922 das Städtische Museum Schloss Rheydt. Schloss Rheydt ist als Städtisches Museum für Besucher zugänglich. Im Herrenhaus zeigt es im Stile einer Wunderkammer seine umfangreiche Sammlung Kunst- und Kultur der Renaissance.

In der Vorburg informiert die Ausstellung „Flashback“ über die Stadtgeschichte Mönchengladbachs. Dabei werden auch Themen behandelt, die über die für die beiden Schwesterstädte so bedeutende Textilindustrie hinausgehen. Im Vorhof des Schlosses ist hinter der Torburg das italienische Restaurant Purino eingezogen.

Alte Alleen

Die Freianlage um Schloss Rheydt ist außergewöhnlich, denn hier steht der historische Verteidigungscharakter der Anlage im Vordergrund. Die Landschaft bildet ein Fünfeck, das vom äußeren Schlossgraben begrenzt ist. Auch der innere Schlossgraben wurde bis auf das Teilstück zwischen Vorburg und Turnierwiese wiederhergestellt. Vergleichbare Wallanlagen mit Bastionen und Kasematten wurden zur Entstehungszeit eher um Städte als um Burgen und Schlösser angelegt. Heute kann die ganze Befestigung inklusive der 1997 restaurierten Kasematten mit Gängen und Schießscharten besichtigt werden.

Schloss Rheydt wird wunderbar eingerahmt von alten Alleen — darunter eine Lindenallee aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert.