Lütticher Flair: Originelle Geschäfte, urige Kneipen und ein weihnachtliches Dorf

Lütticher Flair : Originelle Geschäfte, urige Kneipen und ein weihnachtliches Dorf

Die Maas-Metropole hat viel zu bieten: Jedes Jahr lockt das Weihnachtsdorf mit Riesenrad und „Perron“ - dem Wahrzeichen der Stadt - zahlreiche Besucher an. Abseits des Trubels laden die kleinen Gässchen zum Flanieren ein, wo man das ein oder andere kulinarische Geschäft entdeckt.

Wir starten an der Place du Marché, wo Einheimische und Besucher die Cafés und Restaurants bevölkern, Flaneure eine genüssliche Pause einlegen, bevor sie die zahlreichen Einkaufsadressen in der Umgebung in Angriff nehmen. Beispielsweise in der Rue en Neuvice mit tollen Geschäften und kulinarischen Adressen, die von hier Richtung Maasufer abgeht (linkerhand am Rathaus). Der Platz ist eine einzige riesige Terrasse bis in die Abendstunden hinein mit Blick auf die wunderschöne Fassade des Rathauses „La Violette“ (1714 – 1718) im klassischen Stil und die Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Ob klassische Küche im As Ouhès, ein Drink im schnuckligen A Pîlori, Knusper-Pommes an Nr.1 neben dem Rathaus (Friterie du Perron) oder Eis bei Pistache &Chocolat, rundum Genuss. Den ganzen Dezember befindet sich hier der Weihnachtsmarkt, der anders als die deustchen Märkte, vor allem kulinarische Besonderheiten bietet. Gleich ob Wild aus den Ardennen oder Austern und Schnecken aus Frankreich, ob arabische Gemüsegerichte oder Elsässer Flammkuchen. Auf jeden Fall lohnt sich auch ein Blick auf den Platz an der Rückseite des Rathauses: Dort begegnen Sie einer literarischen Berühmtheit, dem Pfeife rauchenden Georges Simenon auf seiner Bank. Er freut sich über jeden, der sich zu ihm setzt. Der Platz ist nach dessen Romanfigur Kommissar Maigret benannt.

Bummel durch das Carré

Dem Liebhaber von Cocktail-Getränken sei eine der urigsten Kneipen empfohlen, das Maison du Pékèt, vor dessen Tür der Schriftsteller sitzt. Das Haus ist bekannt für seine einzigartige Atmosphäre und die vielen Sorten von mit Früchten aromatisiertem Pékèt, dem Wacholderschnaps, ein Aperitif auf Lütticher Art. Nebenan lockt das Restaurant Amon Nanèsse mit gutbürgerlicher Lütticher Küche.

Das Bier darf natürlich auch nicht fehlen: 750 verschiedene belgische Spezial- und Abteigebräue gibt es gegenüber im BeerLovers‘ Café & Shop. Man kann direkt dort probieren, aber auch verschiedene Sorten mitnehmen. Wir gehen nun vom Marktplatz über die Place Saint-Lambert zur Îlot Saint-Michel, der modernen Konsuminsel direkt neben der Place Saint-Lambert. Sie ist nach der Galerie Saint-Lambert die zweite große Shopping-Adresse am Platz. Hinter der Îlot an der Place Saint-Michel liegt das Ensemble des „Hôtel Desoër de Solières“ (Rue Haute-Sauvenière 12-14) und des „Hôtel de Bocholtz“ (Place Saint-Michel 80), zweier Prachtbauten aus der Renaissance.

Das „Hôtel Desoër de Solières“ stammt aus den Jahren 1551 bis 1561. Das „Hôtel de Bocholtz“ wurde zwischen 1561 und 1568 errichtet.

Original Lütticher Waffeln gibt es zum Beispiel in der Patisserie Eggenols in der Rue Guillemins. Foto: R. Minderjahn

Wir setzen unseren Weg über die Place Verte hinüber zum Opernhaus fort. Am Opernhaus links vorbei biegen wir in die Rue des Dominicains ein, die auf die Rue Vinâve d`Ile übergeht. (Vinâve d`Ile war früher Teil einer Insel zwischen zwei Flussarmen der Maas, daher der Name: Ile=Insel).

Jetzt befinden wir uns im sogenannten Carré, Lüttichs beeindruckenden Einkaufsstraßen. Große Marken, Designer, elegante und originelle Geschäfte, Einkaufszentren, edle Boutiquen und kleine Modeshops lassen kaum Wünsche offen. All das gepaart mit der mediterran anmutenden Lebensfreude und dem besonderen Flair in Bistros, Restaurants, Bars bietet ein originelles Erlebnis.

Links von der Rue des Dominicains geht die Rue du Pot-d’Or ab, die mit ihren Nebenstraßen zu den ansprechendsten im Carré zählt. Das Carré ist nicht nur Lüttichs Shopping-Herz und abends Partytown, sondern auch Bauch und Geschichte der Stadt. Die Rue Vinâve d`Ile führt auf die Place de la Cathédrale. Man muss sich von der Vielfalt der Geschäfte verführen lassen. Was Lüttich als frankophone Stadt auszeichnet, sind die französischen Modelabel, die man bei uns kaum kennt. In der Vinâve d`Ile sollte man einen Abstecher in die Passage Lemonnier von 1838 machen.

Das Weihnachtsdorf lockt Besucher jedes Jahr bis zum 30. Dezember. Foto: J.P. Remy-Liege/Jean-Paul Remy

Diese historische Galerie ist eine absolute Seltenheit in Europa. Vor der Place de la Cathédrale steht die bei den Lüttichern beliebteste Statue des berühmten Sohnes der Stadt, Jean Delcour. „Vierge à l’Enfant“, die Jungfrau mit dem Kinde, glänzend restauriert auf einem hohen Sockel über der Fußgängerzone. Die wunderschöne Bronze stammt aus dem Jahre 1695. An ihr vorbei zieht die frisch restaurierte Fassade der Kathedrale die Blicke an. Die Place de la Cathédrale lockert das engmaschige Netz der Geschäftsstraßen auf. An der Kopfseite die Kathedrale, an der Flanke ein Café und ein Restaurant neben dem anderen.

Sitzgelegenheiten an den Grünflächen und in den Cafés sind für eine Rast und entspannte Blicke auf ein kunterbuntes Shopping-Volk ideal für eine Auszeit. Zum Beispiel bei einer leckeren Lütticher Waffel bei Pollux. Hier befindet sich bis 5. Januar eine große Eislaufbahn. Rechter Hand an der Turmseite der Kathedrale führt der Weg zur Place Saint-Paul. Es ist ein Platz, der etwas abseits liegt. Früher war er etwas verrucht, heute bietet er – zumindest tagsüber – eine Ruhezone in der Nähe der Kathedrale.

Rue Saint-Rémy — Käse, Kunst, Katzen

Unbedingt lohnenswert ist der Weg in die Rue Saint-Rémy. An der hinteren Seite der Place Saint-Paul, linker Hand, kommt man über die Rue Bonne Fortune in die Rue Saint-Rémy. Immer noch etwas weiter weg vom lebhaften Carré ist ein stilleres Lüttich zu entdecken. Und eines, das sich wirklich lohnt. Mal hier und da einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können, in einen Innenhof hineinzugehen, wie in den Cour Saint-Rémy.

Im Mittelalter lag sie noch nahe an einer kleinen Wasserstraße, wo die Boote anlegten. Später beherbergten sie religiöse Vereinigungen und renommierte Handwerker, bevor illustre Patrizierfamilien hier ihre Stadthäuser errichteten. Deren Charme ist bis heute erhalten geblieben, in den alten Ziegel-und Blausteinfassaden, die entlang dieser autofreien Gasse stehen.

Klein und fein: Die Läden in der Rue Saint-Paul. Foto: R. Minderjahn

Und hier gibt es vor allem kulinarische Geschäfte, Restaurants, Weinhändler und einen Käseladen wie man ihn nur noch selten findet. Die Crèmerie Saint-Rémy, klassisch, klein aber mit großzügigem Angebot. Ziegenkäse, Schafskäse, Hartkäse, Edelschimmel, Weichkäse, Blauschimmelkäse, aromatisierte Käse, Käse mit Gewürzen, im Carré, rund, oval, am Stück, in Scheiben. Großer Geschmack aus Frankreich und aus Belgien. Dazu kommen Dekorationsgeschäfte, Bekleidungsgeschäfte, Kunsthandwerk, Galerien, Design…

Wer diese Straße bis zum Ende durchgeht, erreicht die schönste Kirche der Stadt, die gotische Saint-Jacques, auf die man geradewegs zusteuert. Aus der Rue Saint-Rémy geht es vorher linkerhand in die Rue des Clarisses mit einem von zwei neuen Lütticher Katzencafés, dem Merlix Cats Café an Nummer 50 (das andere, ChatMan Café, befindet sich am großen Boulevard de la Sauvenière). An der nächsten Kreuzung der Clarisses geht die Rue Saint-Paul links ab, die zurück zur Place de la Cathédrale führt.

Mehr von Aachener Zeitung