Die Zündorfer Groov in Köln: Mit dem Krokodil ins Freizeitparadies

Die Zündorfer Groov in Köln : Mit dem Krokodil ins Freizeitparadies

Sage niemand, hin und wieder würde eine gute Idee nicht den Geschäftsgewinn vergrößern. Im Mittelalter war es üblich, dass vorüberfahrende Schiffe ihre Ware in den angelaufenen Flusshäfen „stapeln“ mussten.

Ihr Geschäft bestand darin, diese Ware preiswert einzukaufen und teuer weiter zu verkaufen. Der Trick in Zündorf im Süden von Köln verlief so: Die Kapitäne luden ihre Waren dort ab und brachten sie auf dem Landweg an den nördlichsten Kölner Stadtteil Mülheim. Dort luden sie sie wieder auf ihr Schiff und fuhren weiter. So waren sie dem für sie teuren Stapelgeld in Köln entronnen. Den Kölnern blieb nur der Zoll für das „leere“ Schiff. In Zündorf gelangte man durch diese Mithilfe zu Wohlstand.

Später ergab sich ein weiterer Vorteil für Zündorf: Wohlhabende protestantische und jüdische Kaufleute, die im katholischen Köln des 18. Jahrhunderts nicht gelitten waren, siedelten sich dort an. Und ihre Geschäfte liefen ausgezeichnet. Viele gut erhaltene alte Häuser legen noch heute Zeugnis von diesem Wohlstand ab. Vielleicht war auch diese Vertreibung von Protestanten und Juden aus der Domstadt keine so gute Idee. Heute ist Zündorf ein abwechslungsreiches Freizeitparadies.

Die Zündorfer Groov war früher Rheininsel, die von einem Altarm des Flusses umspült wurde. 1849 wurde dieser Altarm flussabwärts durch einen Damm vom Rhein getrennt und später auf der Rheinseite verbreitert. Es folgte die Trennung des übrig gebliebenen Altarms durch einen weiteren Damm, und so entstanden neben der Insel Groov noch zwei kleine Seen, die bezeichnenderweise Obere Groov und Untere Groov genannt werden

Selbstverständlich kann der Besucher gleich am Markt eines der dort ansässigen Lokale aufsuchen und allein die Stille genießen. Das könnte am Wochenende bei gutem Wetter schwierig sein, wenn viele Kölner und Zugereiste das Idyll am Fluss nutzen wollen. Wer es ermöglichen kann, dem sei geraten, nach Möglichkeit einen Wochentag auszusuchen. Am Markt steht auf besonderem Platz die Nepomuk-Säule. Gemeinhin ist der Heilige als Schutzpatron für Brückenbauten bekannt. Er war, als er das Beichtgeheimnis nicht verraten wollte, von einer der Prager Brücken in den Tod gestoßen worden.

Urlaubsstimmung: Die kommt zum Beispiel an der kleinen Marina auf. Hier liegen ein paar Segel- und Motorboote. Foto: zva/Martin Thull

Hier ist er als Schutzpatron der Schiffsleute und Seeleute gefragt. Die gut restaurierten Fachwerkbauten rings um den Markt geben einen Eindruck früheren Wohlstands wieder. Und auf dem Boden sind die Vorrichtungen für die Hochwassersperrwerke zu sehen. Denn immer mal wieder kommt Vater Rhein vorbei, um sich im Frühjahr oder Herbst umzusehen.

Über eine Rampe geht es zur Fähre auf die andere Rheinseite, den Kölner Stadtteil Weiß. Hier schwimmt ein „Krokodil“ im Rhein – so heißt jedenfalls die Rheinfähre, die mit ihren Schwesterschiffen „Frika“ und „Krokolino“ von der Groov über den Fluss pendelt. Vor allem das kleine Schiff ist vorwiegend für Radfahrer ausgelegt, Sitzplätze sind Mangelware, aber für die kaum fünf Minuten dauernde Überfahrt auch kaum nötig.

Auf dem Weg zur Fähre erschließt sich dem Spaziergänger ein Wegenetz nach rechts und links. Die Wege sind befestigt und eben, geeignet für Gefährte (ohne Motor) aller Art. Da hier auch Radfahrer unterwegs sind, ist gegenseitige Achtsamkeit empfehlenswert. Das gelegentliche Auf und Ab kann man kaum als Steigung bezeichnen. Zunächst gibt es ausreichend Sitzgelegenheiten und Abfallkörbe.

Je weiter man einen der beiden Binnenteiche umrundet, desto seltener werden die Einladungen zur Rast. Die stark beschnittenen Lindenbäume bilden so etwas wie eine Allee, die mächtigen Stämme ragen wie grafische Mahnmale in den Himmel. Am Wasser ist ein Fischreiher zu bewundern, wie er elegant seine Bahnen zieht oder ruhig am Uferrand auf Beute wartet. Ein Schwanenpaar pflegt ungestört seine frisch geschlüpfte Brut. Zu hören sind lediglich Vogelgezwitscher und immer wieder das leise Tuckern der Rheinschiffe.

Der Wehrturm beherbergt heute ein Heimatmuseum. Hier sind auch wechselnde Ausstellungen zu sehen. Foto: zva/Martin Thull

Wem das Spazierengehen nicht reicht, dem wird vielfältige Ablenkung geboten: Tore für Fußball und Körbe für Basketball stehen zur Verfügung. Gymnastikgeräte stehen chromblitzend auf Mulch und könnten auch als moderne Kunst durchgehen. Sie dienen der Körpererwärmung und Koordination, vermitteln Kraft und Ausdauer und fördern die Beweglichkeit. Infotafeln geben sachkundigen Rat.

Nebenan ist ein Frei- und Hallenbad mit großer Liegewiese. Ein Minigolfplatz bietet zusätzliche Unterhaltung. Doch gibt es auch die Möglichkeit, die grauen Zellen zu aktivieren: Die St. Michaelskirche hoch über dem Rhein ist ein alter romanischer Saalbau aus dem 11. Jahrhundert. Der reich verzierte Vierkantturm mit Rautenhelm steht im Westen, der dreiseitige Chor weist nach Osten. Leider ist die Kirche nicht immer geöffnet, um die Schätze im Inneren zu betrachten, etwa zwei Gemälde der Barthel-Bruyn-Schule oder ein merowingisches Relief aus dem 7. Jahrhundert.

Lassen wir am Markt den Übergang zur Fähre links liegen und gehen landseitig weiter nach Norden, so folgt bald das „Kleine Teehaus“ der ehemaligen Brauerei Immendorff, ein Jugendstilpavillon aus der Zeit um 1910. Heute allerdings wird er eher als Abstellkammer für die Gärtner genutzt.

Ähnlich alt wie die Kirche St. Michael dürfte der Zündorfer Wehrturm sein, vom Ufer einige Stufen hoch über eine Treppe zu erreichen. Der wehrhafte Wohnturm ist 20 Meter hoch und wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert aus Säulenbasalt im Stil salisch-staufischer Großbauten errichtet. Im Jahr 1380 wurde der Turm erstmals in einer Heiratsurkunde erwähnt. Der 1975-80 restaurierte Wehrturm wird heute vom Heimatverein für Ausstellungen genutzt.

Historisch: Alte Fachwerkhäuser sind Zeugnisse des früheren Wohlstands in der Gegend um die Zündorfer Groov. Foto: zva/Martin Thull

In direkter Nachbarschaft liegt das Kulturzentrum Klosterkapelle. Die frühere Josephsklosterkapelle wurde 1887-89 errichtet und diente dem benachbarten Kloster als Gottesdienstraum. Hier lagerte für einige Tage sogar der Trierer Domschatz, um ihn nach Ausbruch der Französischen Revolution zu schützen. Heute dienst der säkularisierte Bau dem Kulturverein für Veranstaltungen. An die frühere Hafenherrlichkeit erinnert heute nur eine kleine Marina an der Nordspitze der Groov, „Parkplatz“ für kleine Segel- und Motorboote.

Mit der Fähre können Radfahrer und auch Fußgänger auf reizvolle Weise über den Rhein gelangen und ihren Weg auf der jeweils anderen Seite fortsetzen. Besonders beliebt ist eine Radtour von Köln-Deutz aus entlang des Rheins – vorbei an den Poller Wiesen, Porz-Westhoven, mit Blick auf das Porzer Rathaus bis zur Zündorfer Groov.

Nach dem Übersetzen mit der Fähre geht es linksrheinisch wieder zurück über den Leinpfad, vorbei an Rodenkirchen-Weiß bis zur Südbrücke oder Severinsbrücke. Wer diese eher gemütliche Tour sportlich ausdehnen möchte, der kann alternativ ab der Zündorfer Groov über ausgeschilderte Radwege nach Langel und Niederkassel am Rhein entlang bis nach Bonn sowie über Uckendorf zur Wahner Heide fahren.