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Maastricht: Maastricht offenbart viele wertvolle Geheimnisse abseits der bekannten Pfade

Maastricht : Maastricht offenbart viele wertvolle Geheimnisse abseits der bekannten Pfade

Historische Altstadt, das malerische Flüsschen Maas mit seinen Brücken, moderne Einkaufswelten, eine Vielfalt an Kneipen und Restaurants — all das zeichnet Maastricht aus. Völlig zurecht ist die kleine, vielleicht europäischste aller europäischen Metropolen ein Anziehungspunkt für Besucher aus dem Dreiländereck und weit darüber hinaus.

Abseits der bekannten und beliebten Pfade hütet Maastricht aber auch etliche wertvolle und sehenswerte Geheimnisse. Drei Beispiele:

Het Bassin

Wo einst die Wiege der Industrie im Maastrichter Norden samt der dazugehörigen Schifffahrt stand, wird heute weitaus profaner verkehrt und gesteuert. Cafés und Restaurants haben sich in den alten Lagerkellern angesiedelt. Abends sind die gepflasterten Kais des Bassins ein frequentierter, weil stimmungsvoller Ausgehort zwischen historischen Handelshäusern und teils verlassenen Industriebauten. Zwischen April und November liegen hier bis zu 70 Jachten. Erscheinungsbild und Umfeld haben sich in den beinahe 200 Jahren seiner Existenz mächtig gewandelt. Dennoch ist das Bassin eine kleine Oase zwischen Studentenwohnungen, Verkehrsadern und Fabriken geblieben.

Angelegt zwischen 1824 und 1826, trug der kleine Binnenhafen zur wirtschaftlichen Entwicklung im Norden der Maasmetropole bei. Essenziell war die Verbindung zu den wichtigen Wasserwegen. Noch heute führt der Weg an der Nordostseite über eine Schleuse zur Maas, während am nordöstlichen Ausgang die Zuid-Willemsvaart beginnt. Der Binnenkanal ist ebenso alt wie das Bassin und verbindet Maastricht mit Den Bosch, der Hauptstadt der Provinz Nordbrabant.

Mit dem Bau des Julianakanals 1929 und der damit nachlassenden Bedeutung der Zuid-Willemsvaart büßte auch das Bassin seine wirtschaftliche Relevanz zusehends ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Bau des Beatrixhafens war es endgültig vorbei mit Handel und Betriebsamkeit. Was folgte, waren Jahre des Dornröschenschlafs, während im Umfeld der Strukturwandel voranschritt. Seit 2001 wird das Bassin als Freizeithafen angesteuert. Trotz aller Veränderungen wird die Erinnerung an die blühenden Binnenjahre wachgehalten. Dazu gehören auch alte Gebäude wie das Schleusenwärterhaus oder das einstige Zollkontor. Geblieben sind auch die Relikte der Maastrichter Industriegeschichte, deren Ursprünge bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen.

Der Landbouwbelang

Abseits von Vrijthof und Servatiusbrücke schlägt das Herz Maastrichts im urbanen und kreativen Takt. Die alternative Kultur- und Kunstszene, nicht zuletzt immer wieder neu befeuert durch die Studentenschaft der Hochschule, hat sich zum gar nicht so heimlichen Aushängeschild der limburgischen Metropole entwickelt. Ein brodelndes Zentrum der Kreativität, von dem aus sich bereits etliche Kleinableger in Maastricht fortgebildet haben, ist das alte Fabrikgelände am Biesenwal. Zwischen Maasboulevard und der alten Frachtstraße direkt am Fluss haben Künstler, Musiker und allerlei sich selbst verwirklichende Wunderwesen in einem riesigen Gebäudekomplex Wirkungs- und Lebensraum erschlossen: den Landbouwbelang.

Seit 2002 wird unter halb legalen, aber von der Stadt Maastricht tolerierten Bedingungen eine Freifläche für jede erdenkliche künstlerische Ausdrucksform geboten. Konzerte, Ausstellungen, Lesungen oder Filmabende stehen als Eckpfeiler regelmäßig auf der Agenda, dazu gibt es immer wieder herrlich abgedrehte Mottopartys oder Kunstaktionen zum mehr oder weniger freiwillig Mitmachen. Berührungsängste oder gar „deutsche“ Zurückhaltung sind fehl am Platz. Schon das bloße Vorhaben, in dem verwinkelten Bau den entsprechenden Veranstaltungsort zu finden, gerät mitunter zum kleinen Kulturabenteuer.

Aber auch an Tagen ohne festes Programm tummeln sich allerlei Strömungen und Charaktere unter dem Dach des Landbouwbelang — Kunst-Freigeister, Hippie-Epigonen, Punk-Idealisten gehören zur Stammbelegschaft, erlaubt ist, was den Geist frei hält und den Mainstream außen vor lässt. Der Kommunengedanke lebt in diversen Aktionen: Volksküche gehört ebenso zum Standardprogramm wie das Repaircafé, einem Sonntagsvergnügen ganz im Zeichen der direkten Hilfe. Wer etwas Kaputtes mitbringt — vom Fahrrad bis zum Laptop — findet hier mit etwas Glück den passenden Reparateur.

Die Statue von d'Artagnan

Ein hübsches Prestigeobjekt hatte er sich da nach knapp zwei Wochen Belagerung erobert, zu diesem frühen Zeitpunkt im Französisch-Niederländischen Krieg. Höchstpersönlich war Ludwig XIV. nach Maastricht gekommen, um seine Truppen in die Schlacht zu führen. Am 26. Juni 1673 war es dann so weit, die 6000 Verteidiger Maastrichts hatten sich der Übermacht aus dem Süden beugen müssen. Wo heute wohl ein Gruppenfoto fällig gewesen wäre, ließ sich der Sonnenkönig seinerzeit solo in Öl verewigen — auf zahlreichen Beschönigungsschinken und in heldenhafter Pose. Als der Fall von Maastricht besiegelt war, fehlte allerdings der Mann, der noch einen Tag zuvor mitgemischt hatte und der später als Abenteuerheld in der Literatur zu Weltruhm gelangen sollte. An der Stätte seines Ablebens hat man ihm ein Denkmal gesetzt.

Unweit der Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert am Rande des heutigen Aldenhofparks soll der vielleicht bekannteste Degenfechter der Welt sein Ende gefunden haben. Am 25. Juni 1673 hauchte Charles d’Artagnan de Batz-Castelmore, tödlich getroffen von einer Musketenkugel, sein Leben aus. Den Triumph von Maastricht erlebte der als enger Vertrauter seines Königs geltende Schnurrbartträger nicht mehr mit.

In den Jahren zuvor hatte der im Südwesten Frankreichs geborene Mann eine steile Karriere in der Armee gemacht. Unsterblich ist d’Artagnan bis heute vor allem durch Alexandre Dumase_SSRq Roman „Die drei Musketiere“. Im 1918 angelegten Park, einem grünen Teppich direkt vor der Stadtmauer, thront heute sein Standbild: In stattlicher Pose steht er da, zu seinen Füßen liegt der Fehdehandschuh bis heute bereit. Das Konfliktobjekt Maastricht war damals fast völlig zerstört worden — wie schon zuvor und auch danach. Zuletzt hatte die heute so lebendige und spannende Stadt im Zweiten Weltkrieg Wunden der Zerstörung davongetragen.