Region: Maastal bei Dinant lädt mit Felsnadel und Flaniermeile ein

Region : Maastal bei Dinant lädt mit Felsnadel und Flaniermeile ein

Wie ein kleiner Grand Canyon gräbt sich das breite und schroffe Maastal bei Dinant in das Ardennen-Plateau. Die vielen niedlichen Nebenflüsse wie die Molignée und die Lesse mit ihren verwunschenen Tälern kräuseln sich rechts und links in die Landschaft.

Wanderer entschwinden in die pure Natur und stehen staunend vor majestätischen Abteien und wehrhaften Burgen. Man schätzt, dass Dinant vor über 5000 Jahren wahrscheinlich durch emigrierte Trojaner gegründet wurde. Dinant geht auf das keltische „Deon en ant“, der geheiligte Ort, zurück. Es ist ein lohnendes Ziel zur Naherholung, nicht nur für ein Wochenende.

Durch einen schmalen Spalt: Durchfahrt am Ortseingang von Dinant — links die spektakuläre Felsnadel. Die Stadt hat jetzt auch eine neue Flaniermeile an der Maas (Bild rechts).

Dinants Silhouette könnte von einem Bildhauer entworfen worden sein. 120 Meter hoch über der Maas ragt die gewaltige Zitadelle auf dem Felsen wie ein Dach über die Stadt und das Maastal. Die wunderbare, im gotischen Stil rekonstruierte Stiftskirche Notre Dame aus dem 12. Jahrhundert unterhalb der Zitadelle scheint Bestandteil der steinernen Wand zu sein, so nah ist sie an den Felsen gesetzt. „Ihr Glockenturm ist ein immenser Wasserkrug, ihre Fassade jedoch von großem Charakter“, schrieb Victor Hugo 1838.

Durch einen schmalen Spalt: Durchfahrt am Ortseingang von Dinant — links die spektakuläre Felsnadel. Die Stadt hat jetzt auch eine neue Flaniermeile an der Maas (Bild rechts).

Eine unvergessliche Faszination übt die belgische Stadt auf alle Besucher aus, eingebettet zwischen dem bedrohlichen, statischen Felsen und den fließenden Wassern der Maas, wie die Pole Yin (Wasser und Fluss) und Yang (Fels und Zitadelle). Die harmonische Verbindung dieser Antagonisten in guten und in schlechten Zeiten wird durch die Stiftskirche Notre Dame im Herzen der Stadt symbolisiert.

Der Stolz aller Bürger

Der Kirche ist aus ihrer romanischen Zeit nur noch das Portal an der Nordfassade geblieben. Der heutige gotische Bau wurde zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert vollendet. Man sollte sich das Innere des Gotteshauses anschauen. Beeindruckende Fenster und große, aus Messing gefertigte Leuchter und Pulte. Im 16. Jahrhundert erhielt der Glockenturm seine „Zwiebelform“. Bis heute ist er der Stolz aller Dinanteser Bürger.

Seit den ersten Dekaden unseres Zeitalters wurde Kupfer und Bronze im Tal der Maas verarbeitet. In der Tat besaß der Boden in der Region Namur den entsprechenden Galmei und eine spezielle Tonschicht, dessen Material sich ausgezeichnet für die Herstellung von Schmelztiegeln eignete. Die ersten Zentren der Kupferverarbeitung waren Huy und Dinant (seitdem die Bezeichnung Dinanderie).

Bis zum 9. Jahrhundert goss man lediglich Gebrauchsgegenstände. Ab dem 10. Jahrhundert begann man mit der Produktion von religiösen und künstlerischen Werken. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert erlebte die Dinanderie einen nie dagewesenen Aufschwung. Die Werke aus Dinant erlangten durch den Beitritt zum Hansebündnis europaweites Renommee. 1850 ging die Dinanderie ihrem Ende entgegen. Geblieben ist der Beiname der Dinanteser Bürger, die „Copères“, vom lateinischen „cuprum“ (Kupfer).

Der „größte“ Sohn der Stadt, Adolphe Sax (1814-1894), verstand es vortrefflich, zwei Elemente zu einem wundervollen Instrument zusammenzufügen: Kupfer und Klang. Die Bedeutung dieses genialen Instrumentenbauers ist nicht in einem Satz zu formulieren, dennoch trifft der folgende zumindest den Kern. „Was wäre die Musik ohne den Jazz? Aber was wäre der Jazz ohne das Saxofon?“

Dort, wo in Dinant sein Geburtshaus gestanden hat, steht heute eine Ruhebank, darauf sitzt eine Skulptur von Adolphe Sax mit seinem Instrument im Arm. Eines der unvergänglichen Fotomotive der Stadt. Dahinter: die „Maison de Monsieur Sax“, ein ihm gewidmetes Museum. Um Klang und ungewöhnliche Instrumente geht es im Maison de la Pataphonie.

Im Haus der Pataphonie wird jeder Alltagsgegenstand zu einem Musikinstrument und jeder Besucher zu einem musikalischen Künstler, der sein eigenes Werk komponiert. Eine Reise in die Welt der unbekannten Töne und zur Entdeckung des eigenen musikalischen Talents. Die Musikinstrumente im Haus der Pataphonie sind schlichtweg einzigartig und tragen so melodiöse Namen wie „jungle patatropicale“, „rivière aqualudique“ oder „grotte mise à jour par pierre Galet“. Seit 2014 zieren bunt bemalte, drei Meter hohe Saxofone die Brücke über die Maas, 28 an der Zahl, stellvertretend für die EU-Mitgliedstaaten.

Wunderschöne Aussicht

Dinant lässt sich wie kaum eine andere Stadt so hautnah von ihrer Zitadelle aus betrachten. Direkt hinter der Stiftskirche führen eine Treppe (408 Stufen) und Seilbahnkabinen hinauf. Von den Umwallungsmauern, auf denen einst die Wachen standen, bietet sich eine wunderschöne Aussicht auf die dahinfließende Maas bis weit in das Hinterland hinein. Und man könnte die Häuser der Stadt und den Turm der Stiftskirche fast mit den Händen greifen.

Zwischen den Mauern der Festung werden das Waffenmuseum, die Dioramen und der eingestürzte Unterstand Erinnerungen an bedeutende Ereignisse der belgischen und europäischen Vergangenheit aufleben lassen. Besonders einladend gibt sich die schöne Terrasse „zwischen Kasematten und Kanonen“. Die Anfahrt per Auto führt über die N 936. Vor der Zitadelle befindet sich ein großer Parkplatz.

Die Form der heutigen Zitadelle stammt aus der Zeit der niederländischen Besatzung (1818-1821). Dinant wurde im Laufe seiner Geschichte durch Kriege stark in Mitleidenschaft gezogen, vor allem im Ersten Weltkrieg mit vielen zivilen Opfern. In Erinnerung an 100 Jahre Erster Weltkrieg wurde 2014 in Dinant ein Standbild von General de Gaulle aufgestellt: Die Kupfer-Statue zeigt ihn als 24-jährigen Leutnant. Mit ihren 2,50 Meter Größe dient sie als Ehrenmal für diese Persönlichkeit, aber auch für alle im Kampf gefallenen französischen Soldaten.

Viel mehr Platz für Gastronomie

In diesem Jahr wurde sie eingeweiht, die Flaniermeile Croisette am Ufer der Maas. Auch wenn sie nicht mit Palmen und Hotelpalästen gesäumt ist und nicht am Meer liegt wie ihre berühmte Namenscousine im südfranzösischen Seebad Cannes, durch diese neu angelegte Esplanade wird der Genuss und das Flair, entlang der Maas zu spazieren, in Dinant deutlich aufgewertet. Es ist viel mehr Platz als vorher für ausladende Gastronomie, für Terrassen, Bänke, für Boote und Stege und Anleger, an denen auch die Ausflugsschiffe auf der Maas ihre Passagiere aufnehmen und wieder absetzen.

Eine weitere Besonderheit der Stadt Dinant, deren Region von Felsen und Wasser geprägt ist, befindet sich am Ortseingang, vom Vorort Anseremme aus gesehen. Hier führt die Straße ins Stadtzentrum durch eine Bresche, einen schmalen Felsspalt, hindurch. Alle Fahrzeuge, die diese Straße befahren, müssen die Enge zwischen den beiden imposanten Felsbrocken passieren. Dieser Durchbruch wurde von den Truppen Ludwigs XIV. erzwungen, später verbreiterte man die Passage.

Die spektakuläre Felsnadel, die vom Rest der Felswand getrennt ist, ragt 35 Meter hoch und erhielt ihren Namen Rocher Bayard aus der Sage der vier Haimonsbrüder mit ihrem sagenhaften Pferd Bayard. Die Haimonsbrüder mussten vor der Rache Karls des Großen fliehen. Dabei half ihnen Bayard, auf dessen Rücken sie in die Ardennen flüchteten. Auf der Höhe von Dinant setzte das Pferd mit großem Elan zu einem Sprung über die Maas an, um seinen Verfolgern zu entkommen. Dabei trennte ein mächtiger Hufschlag den (Bayard-)Felsen vom Rest des Felsmassivs ab.