„Yuli“: Wenn das Tanzen das Leben versaut

„Yuli“ : Wenn das Tanzen das Leben versaut

Der 1973 in einem armen Vorort Havannas geborene Tänzer Carlos Acosta legt nach seiner Autobiografie „Kein Weg zurück: Die Geschichte eines kubanischen Tänzers“ nun als Produzent und Hauptdarsteller auch noch einen eigenen biografischen Film vor.

Eine sehr frühe Biografie, aber Tänzer haben ja auch meist nur eine kurze Karriere. Dank der Zusammenarbeit von Regisseurin Icíar Bollaín („El Olivo“, „Öffne meine Augen“) mit dem berühmten Drehbuchautor und ihrem privaten Partner Paul Laverty („Ich, Daniel Blake“, „Looking for Eric“) entstand eine feine und einfühlsame Figurenzeichnung bei starken Emotionen und sozialpolitischer Wachheit.

Nach den alten Männern vom „Buena Vista Social Club“ zeigt „Yuli“ in Havanna nun junge Menschen mit guter Körperhaltung und etwas vom wahren Leben in Kuba. In den Straßen sind Tänzer auf dem Weg zum Ballett. Der weltberühmte Tänzer und Choreograph Carlos Acosta, Yuli genannt, inszeniert, während ihn kunstvoll montierte Erinnerungen berühren.

Es liegt eine gebrochene Melancholie über diesem Rückblick, denn der junge Yuli wollte lieber Fußballspieler werden oder tanzen wie Michael Jackson. So will ihn zwar die beste Schule des Landes und eine der besten weltweit, aber bei der Aufnahmeprüfung ist direkt eine entmenschlichende Körperkontrolle zu sehen. Der strenge, doch kluge Vater zwingt ihn immer wieder, sein Talent erfolgreich einzusetzen.

Das Spannungsfeld des farbigen Künstlers Carlos Acosta liegt zwischen einer Vergangenheit von Jahrhunderten der Sklaverei und der Zukunft eines Landes, in dem viele in die USA auswandern wollen. Nachdem der kleine Carlos wegen seiner Disziplinlosigkeit in einem Internat weiterlernen muss, wird die Entfernung von der Familie und der Heimat ein Schmerz in seinem Leben bleiben.

„Ich habe mein Leben an das verfickte Ballett verloren“, klingt nicht nach strahlender Erfolgsgeschichte. Das alles wurde schon exzellent und bewegend inszeniert, es wird noch emotionaler durch die sehr schöne Interpretation in Tanzeinlagen.

Spanien, Kuba, England, BRD 2018 Regie: Icíar Bollaín, mit Carlos Acosta, Santiago Alfonso, Edilson Manuel Olbera Núñez, 109 Min. FSK ab 6

Ab 17. Juli im Apollo in Aachen