1. Freizeit
  2. Kino

Politischer Thriller: Sicherheitspolitische Sauereien in „Das Ende der Wahrheit“

Politischer Thriller : Sicherheitspolitische Sauereien in „Das Ende der Wahrheit“

Während der BND-Spezialist Martin Behrens seiner Tochter eine Bett-Geschichte vorliest, richten US-amerikanische Drohnen in Zentralasien Menschen hin. Angewiesen von Behrens. „Das Ende der Wahrheit“ ist ein hoch spannender und hoch politischer Thriller, den man so deutlich und gut aus deutschen Landen nicht erwartet hätte.

Ronald Zehrfelds Nachrichtendienstler entdeckt dabei schmutzige Waffen- und Sicherheitsgeschäfte. Martin Behrens (Ronald Zehrfeld), Zentralasien-Experte beim Bundesnachrichtendienst, hat gerade über ein geschicktes Verhör den Aufenthaltsort eines Miliz-Chef in der (fiktiven) Diktatur Zahiristan herausbekommen. Die US-Armee „erledigt“ den Rest mit einem Drohnenangriff. Kurz darauf wird Behrens’ Freundin, eine Journalistin, bei einem brutalen Anschlag auf ein Münchener Café umgebracht. Während Behrens nach Bekanntwerden dieser Beziehung beim Nachrichtendienst in Ungnade fällt, entdeckt er eine Verstrickung seines Geheimdienstes mit den Drahtziehern des Anschlags. Außerdem taucht bei den politischen Verhandlungen über Waffenlieferungen nach Zahiristan dauernd eine mysteriöse „Sicherheits“-Firma auf.

„Das Ende der Wahrheit“ ist zuerst einmal hervorragend inszeniert und super spannend, was auch der starken Präsenz von Ronald Zehrfeld zu danken ist. Später raubt der Film einem mit den sicherheitspolitischen Sauereien den Atem. Regisseur und Autor Philipp Leinemann traut sich, in einem großen, internationalen Krimistoff auszusprechen, was in deutscher Politik gang und gäbe ist. Wenn da vorbei an jeder parlamentarischen Kontrolle für die Waffenindustrie Außenpolitik gemacht und innenpolitisch Panik erzeugt wird, nennt der Film das den „neuen Lobbyismus: Gezahlt wird später ...“ Nämlich wenn die willfährigen Politiker nach dem Ausscheiden Posten in der Industrie erhalten. Klingt vertraut...

Dieses „Kleine Fernsehspiel“ vom ZDF ist kein Fernsehen und auf keinen Fall „klein“. Der in Darstellung von Gewalt teilweise drastische Krimi trumpft mit klasse Typen auf, von der ersten Sahne des deutschen Kino- und Fernsehfilms toll gespielt. Dass der gnadenlose Kriegsgewinnler in Führungsposition irgendwann sogar den BND-Präsidenten von arabischen Kämpfern exekutieren lässt, klingt gar nicht so fantastisch, nach allem, was man so von den Schlapphüten erfährt. Beziehungsweise sogar in Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen nicht erfährt. Nach seinem SEK-Thriller „Wir waren Könige“ klagt Philipp Leinemann nun den Zusammenhang zwischen deutschen Waffengeschäften und internationalen Krisen kaum verklausuliert im Krimi an. Über allem steht eine entwaffnende Kinderfrage an die komplexe Figur Zehrfelds: Warum tust du das?

BRD 2019 Regie: Philipp Leinemann, mit Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Axel Prahl, Claudia Michelsen, August Zirner, Antje Traue 105 Min. FSK ab 16

Aachen: Apollo