Pleite, desillusioniert, schwanger: Schräge „Rebellinnen“ in französischer Provinz auf Spuren Tarantinos

Pleite, desillusioniert, schwanger : Schräge „Rebellinnen“ in französischer Provinz auf Spuren Tarantinos

Nicht wiederzuerkennen verbraucht und heruntergekommen ist Superstar Cécile de France als ehemalige „Miss Nord Pas de Calais 2005“. Nach einer gescheiterten Geschichte im Süden muss Sandra jetzt bei ihrer Mutter auf dem schäbigen Campingplatz „Eden“ wohnen und in der Fischfabrik arbeiten.

Mit Plastikmützchen und Leopardenmantel. Bald stellt ihr der schmierige Chef Jean-Mi nach. Ruckzuck - oder Schnippschnapp - bekommt der Vergewaltiger die Strafe, die der feministische Stammtisch gerne verlangt. Da der Betriebsunfall in der Umkleidekabine der Frauen nicht nur zum Verlust der Männlichkeit, sondern auch des Lebens führt, nehmen drei beteiligte Arbeiterinnen als Prämie noch seine Tasche mit illegalem Drogengeld mit.

Bei der Beseitigung der Leiche steigern die Frauen den schwarzen Humor. Also gibt es durch diesen tragischen Todesfall eine Überproduktion an Dosenfisch, die drei Spießgesellinnen nun ausgerechnet bei der Tafel für Arme klauen müssen.

Man folgt den deftigen und spaßigen Entwicklungen atemlos - vor lauter Lachen und Unglauben ob der drastischen Entwicklungen. Die kommen sehr rasant und immer wieder überraschend. Denn die Sache wird unangenehm, weil der lokale Pate sein Drogengeld vermisst und ihm selbst ein paar böse Belgier im Nacken sitzen. Auch ein Polizist aus Paris, der schon mit Sandra geschlafen hat, ist der Sache auf der Spur.

Neben Cécile de France ist die großartige Yolande Moreau („Das brandneue Testament“) zu erleben, die man aus ähnlichen Rollen kennt. So besorgte sie sich und ihren Kolleginnen in „Louise Hires a Contract Killer“ schon mal einen Auftragskiller, um den Chef eines Werkes zu beseitigen. Bemerkenswert auch, wie Simon Abkarian („Djam“, „The Cut“) den ebenso schmierigen wie gutherzigen Gangster Simon Bénéké gibt.

„Rebellinnen“ wandelt sich immer mehr von schwarzer Komödie zum blutigen Krimi im Stile von „Fargo“. Samt einem veritablen „mexican standoff“ (engl.: ‚mexikanisches Patt‘) gemäß Tarantino im Familien- und Freundeskreis. Allan Mauduits exzellenter Debütfilm-Spaß spielt im Norden Frankreichs, der für deftige Filme bekannt ist: Von den Sch’tis bis zu den anspruchsvollen Werken Bruno Dumonts. Hier gehört auch der soziale Blick dazu, denn Sandra, Nadine (Yolande Moreau) und Marilyn (Audrey Lamy) leben in prekären Verhältnissen und brauchen das blutig verdiente Geld wirklich. Die Namen im Hintergrund verhöhnen deshalb die bittere Realität: Die stinkende Konservenfabrik heißt „La belle mer“ (Das schöne Meer) und der heruntergekommene Campingplatz „Eden“.

Die feministische Krimi-Komödie „Rebellinnen“ ist mit vielen exzellenten Schauspielern und gutem Gefühl für passende Szenen einfach und zielsicher inszeniert. Und in weniger als neunzig Minuten - hier geht es Schlag auf Schlag weiter, und es gibt nur Volltreffer. In seinem Debüt beweist Allan Mauduit, dass man nicht viele Millionen für einen großartigen Film braucht. Man muss es nur richtig und richtig gut machen.

Frankreich 2019 Regie: Allan Mauduit, mit Cécilie de France, Yolande Moreau, Audrey Lamy 88 Min. FSK ab 16

Aachen: Apollo

Düren: Lumen