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„Creed II“: Remake, Fortsetzung, aber eigentlich Familienfilm

„Creed II“ : Remake, Fortsetzung, aber eigentlich Familienfilm

„Creed II“ ist das zweite Nachtreten in der unendlichen Kino-Prügelei „Rocky“. Es ist gleichzeitig Remake und Fortsetzung, aber vor allem ein Familienfilm, der eigentlich Disney interessieren sollte.

Ansonsten zeigt sich schnell, weshalb der deutsche Filmverleiher Kritiken verbieten will. Da sitzt ein alter Mann mit Hut vor dem Fernseher und schaut sich an, wie sein Zögling Adonis Creed (Michael B. Jordan) zusammengeschlagen wird. Und was genau sieht Sylvester Stallone als gealterter Trainer Rocky Balboa?

Creed wird ausgerechnet vom Sohn des Russen verdroschen, der einst Adonis’ Vater Apollo zu Tode prügelte. Es wäre auch ohne die Doppelung von „Rocky IV“ klar, dass der Held lernen muss, mit Niederlagen umzugehen. Auch die Trennung im Streit vom altgedienten Trainer kommt so überraschend wie die aufgeplatzte Augebraue.

Selbstverständlich wird Rocky zu Creed zurückkehren und findet ihn bei dessen Mutter. Adonis Creed wird zwar in den ersten Film-Minuten Weltmeister, ist aber immer noch ein unsicherer junger Mann. Seinen Heiratsantrag, den er der Sängerin Bianca (Tessa Thompson) macht, verläuft witzig ungeschickt wie beim einem Teenager. Bianca ist auch die stärkere in der Beziehung und gibt an, wo es lang geht.

Der Film zeigt viele Szenen mit Müttern und Vätern. Selbst der neue Gegner, Viktor Drago (Florian Munteanu, der auch im echten Leben Boxer ist), prügelt sich nur wegen seines verbitterten Vaters und Trainers Ivan Drago (Dolph Lundgren, siehe „Rocky IV“).

Während alle älteren Leute, selbst Rocky, angesichts dieses neuen Duells nur den Kopf schütteln, verdient dieses Niveau mangelnder Konfliktbewältigung einfach die Prügelstrafe. Immerhin kommt im Finale wenigstens kurz der Gedanke auf, nicht die Fehden der Väter weiter zu führen, nicht den Kalten Krieg noch mal aufzuwärmen. Aber statt nachzudenken, wird noch einmal zugehauen. Dabei ist es geradezu lächerlich, dass der große Drago das Handtuch wirft, als seine Exfrau (Nielsen) den Ringkampf verlässt. Hauen die sich wirklich nur wegen ihrer Mütter?

Die Box-Fans werden sich über so viel Familien- und Kinderkram beschweren, auch wenn sie mit der Schläger-Familie Balboa seit dem ersten „Rocky“ 1976 aufgewachsen sind. Was im ersten „Creed“ unter der Regie von Ryan Coogler („Black Panther“) noch als Mischung von Remake und frischem Blut auf den Box-Handschuhen interessierte, ermüdet in diesem Film bereits.

Nachfolger Steven Caple Jr. („The Land“) erzählt die Geschichte zwar immer wieder mit eleganten Montagen und einem Schnitt wie aus dem Arthaus-Kino, doch das verhindert im unweigerlichen Ablauf nur so gerade, dass die unvermeidliche Trainingssequenz zur tödlichen Langeweile gerät.

Tessa Thompson macht als Creeds Freundin Bianca und als Rapperin wieder am meisten Eindruck. Also ein paar gute Momente und lange Durststrecken bis endlich wieder die Siegesmelodie „Gonna Fly Now” erklingt. Der deutsche Filmverleih von „Creed II“ wird schon wissen, weshalb er Filmkritiken bis zum 17. Januar mit einem Embargo unterdrücken will. Nur einen Vorteil hat dieses ganze Familien-Getue: Die Fortsetzung dieser Filmreihe für die nächste Generation und die nächsten Jahrzehnte ist gesichert!

USA 2018 Regie: Steven Caple Jr., mit Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Dolph Lundgren, Florian Munteanu 130 Min. FSK 12

Ab 24. Januar 2019 im Kino