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Porträt eines Filmregisseurs: „Tomasso und der Tanz der Geister“

„Tomasso und der Tanz der Geister“ : Das Porträt eines in Rom lebenden Filmemachers

Regisseur Abel Ferrara präsentiert mit „Tomasso und der Tanz der Geister“ ein autobiografisches Drama. Die Paraderolle des Filmemachers Tommaso Buscette übernimmt Willem Dafoe.

Mit einem allseitig fordernden Selbstporträt liefert der für skandalöse Filme aller Art berüchtigte Regisseur Abel Ferrara („Bad Lieutenant“) ein spätes Meisterwerk ab. Willem Dafoe spielt den Filmemacher an der Seite von seiner Frau und seiner dreijähriger Tochter.

Der amerikanische Filmemacher Tommaso Buscetta (Willem Dafoe) wohnt mit seiner jungen Frau Nikki (Cristina Chiriac) und der Tochter Dee Dee (Anna Ferrara) in Rom, lernt italienisch, gibt Schauspielunterricht und arbeitet an einem neuen Film. Dafoe spielt bewährt intensiv den Regisseur, der gleichzeitig hinter der Kamera steht. Mit dessen eigener Frau, die vor der Kamera spielt. Spätestens bei sehr intimen Szenen verursacht diese besondere Versuchsanordnung das typisch unangenehm irritierede Ferrara-Gefühl.

Bei den anonymen Alkoholikern erzählt Tommaso sehr gekonnt und berührend eine Geschichte von ganz unten - nicht unwahrscheinlich, dass sie der abhängige Ferrara selbst erlebt hat. Es gibt in „Tommaso“ heftige Beziehungsprobleme, erotische Tagträume mit nackten Frauen, wahnsinnige Eifersucht und immer wieder erschütternde Geständnisse bei den AA-Sitzungen.

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Aber im packenden Fluss ruhiger Szenen staunt man auch über eine unvermittelte Pontius Pilatus-Szene in Mafia-Milieu, beobachtet den recht fitten Dafoe bei Yoga und Meditation. Ferrara schafft es trotzdem, selbst in diesen reflektierten Film ein paar brutale Szenen einzubauen. Bis zu einer Kreuzigungsgruppe vor dem Bahnhof Termini, selbstverständlich mit Dafoe wieder als Christus. Der Schauspieler begeistert noch einmal in einer faszinierenden Rolle eines sehr vielschichtigen, getriebenen Mannes - voller Erfahrungen und immer noch orientierungslos.

Zwischen inszenierter Dokumentation, filmischer Beichte und kunstvollem Künstler-Porträt ist „Tommaso“ ein sehr ruhiger und reifer Film, der aber immer noch die Effizienz seines erfahrenen Horror- und Gewalt-Regisseurs („The Addiction“, „Body Snatchers“) zeigt. Sehr berührend, interessant und nachdenklich machend.

Italien, Großbritannien, USA 2019 Regie: Abel Ferrara, mit Willem Dafoe, Cristina Chiriac, Anna Ferrara 117 Min. FSK ab 12

Aachen: Apollo