Natur-Doku "Ailos Reise" im Kino: Lebensweg von Rentier-Baby

Ailos Reise: Natur-Doku folgt Lebensweg eines Rentier-Babys

Kann ein niedliches Rentier-Baby tapsigen Kaiser-Pinguinen den Rang auflaufen? Eine neue Tier-Doku drängt in die Kinos, strahlend weiß vereist auch diese.

Aber „Ailos Reise“ legt beim großen Vermenschlichen für die kleinen Kinogänger einen anderen Ton an den Tag als die unerträglich pathetische „Reise der Pinguine“.

Von der Geburt an, mit einem unglaublich schnellen Auf-die-Beine-kommen, folgt die Natur-Doku „Ailos Reise“ dem ersten Lebensjahr eines Rentieres. Die Jahreszeiten und der „Kreislauf des Lebens“, das Fressen und Gefressenwerden und sogar die Liebe. Ja, das große Menscheln beherrscht auch dieses Tierreich im Hohen Norden. Selbst wenn dieses kindgerechte konservative Familienbild die Möglichkeit der Trennung von Rentier-Eltern andeutet! Minuten nach der Geburt, noch mitten im Staunen über das rasche Aufstehen des Neugeborenen, lässt das Muttertier mit einem Postnatalen Trauma sogar kurz ihr Kind zurück, um es sich dann doch noch mal zu überlegen.

Das war es dann aber auch mit schwierigen Momenten in der ansonsten kindgerechten Tier-Schau. Selbst „erbarmungslose“ Raubtiere werden wenig bedrohlich präsentiert, witzige Hermeline übernehmen den Scrat-Part aus „Ice Age“, bedrohliche Schnee-Eulen müssen im Gegensatz zu Harry Potter-Exemplaren auch mal essen und die Rolle der Bösewichte spielen Wölfe.

Das prädestiniert den Film für ganz kleines Publikum, den Älteren bleiben schöne Naturaufnahmen, wenn man das Dauergequasel ausblenden kann. Wie man überhaupt bei dem dauernden Krach vom Orchester Tiere in Ruhe beobachten konnte, bleibt ein großes Rätsel nicht nur dieses Naturfilms.

Allerdings wählt der von Anke Engelke ohne Anke Engelke-Kapriolen gesprochene Text ganz eigene Töne: Er vermischt spontane Poesie, große Lebensbetrachtungen und extrem simple Erklärungen. „Ailos Reise“ beeindruckt mit seinen Bildern, schadet sicher auch nicht in der Erziehung. Ein paar Erklärungen über weniger Disney-hafte Tiere sollten später im Biologie-Unterricht allerdings noch hinzukommen.

Frankreich, Finnland, BRD 2018 Regie: Guillaume Maidatchevsky 86 Min. FSK ab 0

Aachen: Apollo, Cinekarree, Eden

Düren: Lumen

Mehr von Aachener Zeitung