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Frauen in einer Männerwelt: Maria Stuart, Königin von Schottland

Frauen in einer Männerwelt : Maria Stuart, Königin von Schottland

Es gibt unzählige Filme über die Maria Stuart, der Königin von Schottland. Der Neueste ist nicht nur höchst interessant, sondern zeigt einen weiteren Aspekt ihres Lebens, indem er den beiden Rivalinnen um die Macht einen Erfahrungsaustausch über die Arbeitsbedingungen als Königin unter Männern gewährt.

Ob sich Angela Merkel und Theresa May zu zweit eigentlich darüber unterhalten, wie es ist, mit Männern Politik zu machen? Es muss ein mühsames Geschäft mit Dummköpfen sein, meint man beim Betrachten der wechselhaften Geschichte dieser eindrucksvoll von Saoirse Ronan gespielten Maria Stuart (1542-87).

„Kaum eine andere Frau der Weltgeschichte hat so viel Literatur gezeitigt, Dramen, Romane, Biographien und Diskussionen. Durch mehr als drei Jahrhunderte hat sie immer wieder die Dichter verlockt, die Gelehrten beschäftigt,“ sagte Stefan Zweig in seiner Maria Stuart-Biografie. Dabei kannte er 1935 nur einen Bruchteil der biografischen Verfilmungen zur Königin von Schottland . Mit dieser Verfilmung kommt definitiv ein wichtiger Aspekt im Leben der Königin hinzu.

Marias Rückkehr aus Frankreich, wo sie bis zum Tod ihres ersten Mannes für ein paar Monate Königin war, wird vom Halbbruder James misstrauisch beäugt. Während man vor Bewunderung erstarren könnte, so wird man durch den Stolz und Eigensinn, den diese junge, zielstrebige Frau im Blick hat, geradezu mitgerissen.

Während Maria ihr übersichtliches Gefolge in einer zugigen schottischen Burg ordnet, hält die englische Königin Elizabeth I. (Margot Robbie) wie ein Supermodel ihren Hofstaat in London zusammen. Doch die Ankunft der Konkurrentin beunruhigt die Herrscherin des Weltreiches, denn der Anspruch auf den britischen Thron ist nicht eindeutig. So beginnen politisches Abtasten und Ränkespiele, bei denen die kinderlose Elizabeth sogar erwägt, ihren Geliebten mit Maria zu verheiraten.

In den teils üppigen und historischen Kostümen steckt eine selbstbewusste Frau, die mal so gar nicht von gestern ist. Maria Stuart will unabhängig sein, emanzipiert. Auf keinen Mann sei Verlass, selbst weise Männer würden den Launen von Königinnen folgen. Dabei erweist sich Stuart letztlich als naiv im Machtspiel. Doch lange, vor allem in den besseren Teilen des Films, ist dies nebensächlich.

Die doppelte Charakterstudie über Frauen im Beruf König ergibt einen ungewöhnlichen und packenden Film. Teilweise erzählt über einen persönlichen Briefwechsel, gelingt das teilweise komödiantisch, beispielsweise wenn sie gegenseitig ihre Heirat planen. Letztlich wird es dann aber blutig wie bei Shakespeare – so kennt man englische Königsdramen.

Die deutlich modernen Gedanken zeigen in der ansonsten klassischen Auseinandersetzung. Maria und Elizabeth müssen sich beide Kommentare über ihre Attraktivität anhören, bis hin zu sexuellen Anspielungen. Wenn gegenseitig Bilder versendet werden, ist auch klar, dass auch mit dem Aussehen konkurriert wird. Doch wichtig ist vor allem, wer als Erste einen Thronfolger gebiert. Die Botschafter sollen verkuppeln und werden selbst verführt.

Schöne Bilder der Landschaften vermitteln auch eine Ahnung von der damaligen Mühsal der Wege. Und zwischendurch beglückt uns Regisseurin Josie Rourke mit den bislang besten Bildern des Kinojahres. Keineswegs zuletzt spielen die Irin Saoirse Ronan („Lady Bird“, „Brooklyn“) als schottische Königin und die Australierin Margot Robbie („Barbie“, „I, Tonya“, „Suicide Squad“ ) als Königin Lisbeth derart eindrucksvoll, dass jede für sich allein schon einen Kinobesuch dieses Films verdient.

Maria Stuart, Königin von Schottland GB 2018 (Mary Queen of Scots) Regie: Josie Rourke, mit Saoirse Ronan, Margot Robbie, Jack Lowden, Joe Alwyn 124 Min. FSK ab 12

Ab 17. Januar in Aachen: Apollo, Eden Originalversion: Heerlen: Quatro4; Kerkrade: Vue