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Märchenhafte Erlebnisse eines Fakirs unterhaltsam erzählt

„Die unglaubliche Reise“ : Märchenhafte Erlebnisse eines Fakirs unterhaltsam erzählt

Wie in den anderen beliebten indischen Aus- und Aufsteiger-Geschichten „Slumdog Millionär“ oder „Schiffbruch mit Tiger“ erzählt auch bei „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte“ ein schelmischer Protagonist von seinen märchenhaften Erlebnissen.

Ajatashatru Lavash Patel (Dhanush) schlug sich schon mit jungen Jahren in den Straßen Mumbais als falscher Fakir und mit Gaunertricks durch. Nach dem Tod seiner Mutter reist er nach Paris, um seinen unbekannten Vater zu finden. Die erste Attraktion in der Stadt der Liebe für ihn ist ... Ikea, das in diesem humorvollen Film Bergman- und Bogärt-Möbel anbietet. Sofort entdeckt Aja hier die Liebe seines Lebens und lernt mit wundervollem Flirten in all den Musterzimmern einer gemeinsamen Zukunft die Amerikanerin Marie kennen. Zum Date am nächsten Tag schafft es Aja jedoch nicht, weil er in einem Ikea-Schrank einschläft und am nächsten Tag mit ihm in England aufwacht.

Eine wunderbare Idee für den Anfang einer Liebes-Odyssee, etwas geklaut aus „Pax“ (wie der Schrank), dem Abschlussfilm an der HFF München von Michael Chauvistré. Doch da Aja auch ein sympathischer Gauner ist, sei es dem Film verziehen. Nur diesmal teleportiert der Schrank nicht magisch, sondern ungeschickt mit Transporter und mit vielen anderen Flüchtlingen. Die folgende absurde Sanges-Szene bei den britischen Zoll-Beamten könnte aus dem „Little Britain“-Nachfolger „Come Fly with Me“ stammen und befördert Aja mit zig anderen Flüchtlingen im unsinnigen Abschiebeflug nach Spanien.

Es ist eine aberwitzige Reise, von der Aja erzählt. Aberwitzig unterhaltsam und nett. Die Kommentare etwa über die Stadt der Liebe lassen schmunzeln, die Idee, die Asche der Mutter in einer Ikea-Vase zwischenzulagern und sie nach der Odyssee auch noch wiederzufinden, ist klasse. Dazu gibt es ein paar einfache Gedanken zur Gerechtigkeit auf dieser Welt - vom Trickbetrüger, der stetig an seinem guten Karma arbeitet.

So öffnet sich bei den kuriosen Wendungen immer wieder eine neue Tür zu einer weiteren Geschichte. Vom Flughafen Barcelonas geht es nach langem Aufenthalt als Staatenloser im Gepäck des Filmstars Nelly (Bérénice Bejo) nach Rom. Ajas mit einer weiteren Geschichte beschriebenes Hemd interessiert einen Filmproduzenten, denn der ehemalige Straßenjunge ist vor allem gewitzter Geschichtenerzähler. Und der ganze Film ist schließlich seine Geschichte, erzählt bei der Polizei, um ein paar junge Kriminelle auf einen besseren Weg zu bringen. Wie wahrscheinlich ein paar magische Momente, wie das Treffen mit einem blinden Bettler im Gefängnis, sind, kann man wieder schmunzelnd in Frage stellen.

Ken Scott, Regisseur mit sehr guten („Starbuck“) und schlechten Filmen („Lieferheld“, „Big Business“), macht aus dem Roman von Romain Puértolas mit dem indischen Kinostar Dhanush ein nettes, unterhaltsames Stück Kino. Da passt malerisches Flüchtlings-Leid ebenso hinein wie eine kleine Bollywood-Tanzeinlage. Mal in den nächsten Jahren schauen, was das Karma bei Scott und Dhanush dazu sagt.

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte (The Extraordinary Journey of the Fakir), Frankreich, Indien, Belgien 2018, Ken Scott, mit Dhanush, Bérénice Bejo, Erin Moriarty, Gérard Jugnot, Barkhad Abdi, 100 Min. FSK ab 6

Aachen: Apollo, Düren: Lumen