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Kinostart von "Vom Gießen des Zitronenbaums" mit Elia Suleiman

In Cannes lobend erwähnt : „Vom Gießen des Zitronenbaums“ ist ein Film über das Absurde

Ein palästinensischer Künstler sucht im Ausland sein Glück. Doch auch dort kann er seine Heimat nicht hinter sich lassen. Der Regisseur Elia Suleiman ist in seinem Film „Vom Gießen des Zitronenbaums“ selbst vor der Kamera zu sehen.

Wer aus Nazareth kommt, muss sich angesichts der wundersamen Vergangenheit dieser Stadt eigentlich über nichts mehr wundern. Doch einer der Nazarener wundert sich derart klug und komisch, dass seine Filme auf internationalen Festivals geliebt werden. Elia Suleimans „Göttliche Intervention“ wurde 2002 im Rahmen des Europäischen Filmpreises ausgezeichnet. „Vom Gießen des Zitronenbaums“ erhielt in Cannes eine lobende Erwähnung der internationalen Wettbewerbsjury und wurde mit dem FIPRESCI-Preis für den Besten Spielfilm ausgezeichnet.

Elia Suleiman beginnt seine Sammlung skurriler Szenen mit irgendeiner christlichen Zeremonie in Nazareth, wo der Priester prügelnd nachhelfen muss, um die Kirchtüren zu öffnen. Zuhause klaut der Nachbar Elia Suleiman (gespielt von Elia Suleiman) die Zitronen vom Baum und meint, er hätte ja vorher geklopft. In einem ansonsten meist menschenleeren Paris laufen einen Nina Simone-Song lang nur Models auf den Straßen herum.

Die Polizisten fahren auf Segeways oder Skates in Formation. Die Glascontainer sind überfüllt, die Armen haben Hunger. Aber der Rettungsdienst macht einen Hausbesuch bei einem Obdachlosen und liefern ein komplettes allergenfreies Menü. Zwei dunkelhäutige Straßenkehrer spielen Gold mit Getränkedosen. In New York trägt jeder ein schweres Maschinengewehr mit sich herum, aber für einen Engel mit palästinensischer Flagge rückt die Polizei zu Leonard Cohens „Darkness“ groß aus.

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Wenn man unbedingt „Handlung“ will, dient die Reise dem Besuch von Produzenten für sein neues Filmprojekt. Die sagen ihm allerdings, es sei „nicht palästinensisch genug“. Was durchaus für „Vom Gießen des Zitronenbaums“ gelten kann. Der gnadenlose Kampf um die Sitzmöbel an einem Pariser Brunnen nimmt mehr Raum ein als der Kampf um die Zweistaaten-Lösung. Erst das Ende mit der ganz einfachen Szenen einer Frau im Olivenhain und feiernden Menschen in einer Disco ruft berührende Heimatliebe auf. Das allerdings nicht mit dem heute gebräuchlichen Lautsprecher-Stil – es gibt keine filmischen Großbuchstaben und Ausrufezeichen.

Dafür reichlich dieser amüsanten Momente, die man von Suleimans skurrilem Meisterwerk „Göttliche Intervention“ kennt. Er lässt lachen und staunen, dieser wunderbare Kommentar auf gesellschaftliche Zustände, die sich als erstaunlich universal erweisen. Überall gibt es grundaggressive, bedrohliche Typen, die ihn dauernd anstarren. Er starrt zurück. Suleimans Suleiman sagt ansonsten so gut wie nie etwas und schaut regungslos.

Nur im Flugzeug taucht ein Hauch von Panik auf und die Rettung eines verirrten Spatzen entlockt ihm ein Lächeln. Elia Suleiman ist ein Flaneur, ein „perfekter Fremder“, manchmal ein palästinensischer Jacques Tati. Unter Strohhut der leicht erstaunte Beobachter einer deutlich verrückten Welt. Mit einem Blick in die Kamera, der fragt „Was haltet ihr davon?“

Frankreich, Katar, BRD, Kanada, Türkei, Palästina 2019 (It must be Heaven) Regie: Elia Suleiman, mit Elia Suleiman, Gael García Bernal, Ali Suliman 97 Min. FSK ab 0

Aachen: Apollo