Liebesfilm: Julianne Moore tanzt sich in „Gloria“ durch ihren Alltag

Liebesfilm : Julianne Moore tanzt sich in „Gloria“ durch ihren Alltag

Grundsätzlich steht die Frage im Raum, weshalb man einen wunderbaren, perfekt gespielten Film wie „Gloria“ (2012) vom chilenischen Regisseur Sebastián Lelio noch mal drehen muss. Hauptdarstellerin Paulina García wurde bei der Berlinale 2013 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Aber das müssen wohl die Menschen beantworten, die sich nichts ansehen, was nicht mindestens fünf bekannte Gesichter und Geschichten enthält und auf jeden Fall synchronisiert ist.

Nun also das Gleiche noch einmal, interessanterweise vom gleichen chilenischen Regisseur - nur der Rest findet (nord-) amerikanisiert in Los Angeles statt: Gloria (Julianne Moore) ist Mitte Fünfzig, hat einen nicht richtig befriedigenden Job, etwas desinteressierte Kinder und sucht auf Single-Partys nach einem Mann. Der ebenfalls geschiedene Arnold (John Turturro) macht mächtig Eindruck mit Gedichten und mehr oder weniger romantischen Ausflügen zu seiner Paintball-Arena. Wären da nicht immer die Anrufe seiner fordernd hilfesuchenden, erwachsenen Kinder...

Interessanter als der übersichtliche Plot ist das Porträt dieser Gloria, die kaum merkbar etwas neben ihrem Leben steht. Vor allem beim Remake sind das Mitsingen simpler Hits („No more lonely nights“, „Alone again naturally“), das Auftauchen einer fremden Katze in ihrer Wohnung, der Ärger mit einem wahnsinnigen Nachbarn und vor allem das Kümmern um die längst selbständige Tochter an der Grenze zur Lächerlichkeit angesiedelt. Ebenso wie die Rolle Arnolds.

Alles tönt deutlicher, wie für Menschen, die Brille und Hörgerät zuhause gelassen haben: Die Peinlichkeiten in der Yogaklasse, das nicht mehr beachtet werden vom eigenen Sohn. Dagegen war im Original Gloria einfach eine Frau, die wie selbstverständlich im Leben stand. Zwar gibt es die gleiche riesige Brille und die gleichen Augenprobleme, aber der Reiz, dahinter Feinheiten zu entdecken, erübrigt sich nun. Durch die Besetzung mit einem international bekannten Star wird banal, wie eine resolute, aber unscheinbare Frau im Rahmen ihrer Emanzipation aufblüht.

Julianne Moore ist auch als Gloria eine eindrucksvolle Schauspielerin. Wie sie 2012 in „Don Jon“ von Joseph Gordon-Levitt allerdings eine sehr ähnliche Figur zum Leben brachte, war weitaus besser. Wenn man das eindeutig bessere Original kennt, fällt viel von dieser Entdeckung weg und der einst so faszinierende Film geriet erschreckend banal, ja gar geschwätzig.

USA, Chile 2018 (Gloria Bell) Regie: Sebastián Lelio, mit Julianne Moore, John Turturro 102 Min. FSK ab 0

Aachen: Apollo

Erkelenz: Gloria