Geschichtsfilm „Und der Zukunft zugewandt“ erzählt von der DDR

„Und der Zukunft zugewandt“ : Gut gemeinter Geschichtsfilm erzählt von der DDR

Gut, dass er erst nach den Wahlen im Osten in die Kinos kommt. Ungeschickt, dass er zum 80. Jahrestag des Kriegsbeginns kommt. Der gut gemeinte Geschichtsfilm „Und der Zukunft zugewandt“ erzählt, dass man in der DDR nicht alles sagen durfte. Mit viel Melodram über fast zwei lange Stunden.

Es ist ein brutaler Epilog, als ein Vater und Ehemann beim Ausflug aus seinem Gulag ins Frauenlager zu Frau und dem kranken Kind erschossen wird. Und auch weiterhin geht das Schicksal dieses Drehbuchs nicht zimperlich mit den Figuren um: Nach Bemühungen beim SED-Vorsitzenden Wilhelm Pieck kommen 1952 drei (von den tausend zu Unrecht verurteilten deutschen Kommunisten) aus dem Gulag entlassene Frauen in der DDR-Kleinstadt Fürstenberg an.

Direkt gibt es Schwierigkeiten bei der Notfall-Behandlung, weil solche „Neuankömmlinge“ in der DDR eigentlich nicht existieren durften. Diese Verbrechen des Stalinismus wurden offiziell totgeschwiegen. Die Partei in Fürstenberg will die körperlich und seelisch stark angeschlagenen Ex-Häftlinge mit einer zynischen Ignoranz im Schnellverfahren integrieren.

„Wir kommen zurück und bekommen zuerst ein Redeverbot, was soll denn das für ein Sozialismus werden“, meint die kritische Genossin Schumann, die nicht mehr Genossin sein will. Doch Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) verteidigt diesen Staat weiterhin. Anfangs sieht das neue Leben mit großen Aufgaben und moderner Wohnung samt TV-Gerät als Bestechung fürs Schweigen nicht so schlecht aus. Die romantischen Bemühungen des jüngeren, aus dem Westen „rübergemachten“ Arztes Konrad Zeidler (Robert Stadlober) beschäftigen vor allem die Streicher auf der Tonspur. Kopf und Füße schlafen bei dieser Gähn-Routine bald ein. Doch als sich einer der ach so dumpfen Parteibonzen bei harmloser Kultur in Form einer Kinderaufführung echauffiert, eskaliert die Situation um Antonia Berger.

„Und der Zukunft zugewandt“ erzählt von dieser historischen Ungerechtigkeit nicht besonders differenziert und inszenatorisch sehr altbacken. Zudem langatmig und zäh. Alexandra Maria Lara, aufwändig auf verhärmt geschminkt, kann dem Drama keine emotionale Durchschlagskraft geben. Dass ihre Figur 1932 eine Schallplatte mit einem Arbeiter-Kollektiv aufgenommen hatte, von dem alle bis auf Berger von den Sowjets erschossen wurden, müsste tief erschüttern. Hier überrascht nur die Wirkungslosigkeit des als stark emotional geplanten Moments. Kurze gute Szenen mit Jürgen Tarrach als zwiespältigem Hauswart und Peter Kurth als Geheimdienstler machen den Unterschied deutlich.

Generell ist es vielleicht nicht der sensibelste Zeitpunkt für diesen Filmstart, da diese Abrechnung mit dem bösen Kommunismus 80 Jahre nach Beginn des deutschen Angriffskrieges stark nach „Whataboutism“ aussieht, also Ablenkung durch Kritik an anderen Missständen. Ebenso schlimm ist die Mutlosigkeit der nicht weiterdenkenden Inszenierung.

BRD 2018. Regie: Bernd Böhlich, mit Alexandra Maria Lara, Karoline Eichhorn, Stefan Kurt. 108 Min. FSK ab 12.


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