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Filmkritik zu Monos- Zwischen Himmel und Hölle

Kriegsdrama „Monos - Zwischen Himmel und Hölle“ : Auf den Spuren von Apocalypse Now und dem Herrn der Fliegen

Acht jugendliche Soldaten, angeführt von einem kleinwüchsigen Comandante, bewachen in einer bizarren Berglandschaft mit Bunker-Resten eine Geisel (Julianne Nicholson) und eine Kuh. Es ist Kolumbien, es ist Bürgerkrieg.

Es gibt ein absurdes, blindes Fußballspiel. Wildes Raufen als Spiel oder Machtkampf? Ein Geburtstag wird mit Schlägen gefeiert, eine Hochzeit barbarisch mit Gewehr-Salven. Die Wilden in Uniform namens Rambo, Schlumpf, Bigfoot, Lady, Lobo, Perro, Sueca und Boom Boom sind verspielt und amoralisch lebensgefährlich mit ihren Maschinengewehren. Das ist unheimlich fesselnd, gerade weil die Situation in vieler Hinsicht unklar bleibt.

Es ist Kolumbien, es ist Bürgerkrieg, aber weiterer konkreter politischer Hintergrund lässt sich kaum greifen. Dafür erinnert der ungemein starke Film „Monos“ atmosphärisch an den Wahnsinn von „Apocalypse Now“ – die Kurzen könnten alle Colonel Kurtz sein. Ein Trip mit halluzinogenen Pilzen geht nahtlos über in einen mit Infrarot-Bildern gezeigten Luftangriff.

Auch der „Herr der Fliegen“ kommt einem gleich in den Sinn und wird mit Schweinekopf und Kriegsbemalung als Referenz bestätigt. Dazu im Spiel von Profis und Laien eine Körperlichkeit wie in Claire Denis‘ „Beau Travail“. Eine durchdringend avantgardistische Tonspur (Mica Levi) verstärkt das Unbehagen, von dem man sich trotzdem nicht lösen will.

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Auch die geniale Kamera des Niederländers Jasper Wolf saugt hinein in den Strudel archaischer, wahnsinniger oder einfach militaristischer Kinderspiele. Weniger die Fragmente einer offenen Handlung mit Rebellionen und Fluchten interessieren dabei.

Es werden in „Monos“ mit seiner außerordentlichen Gestaltung Visionen eröffnet, die mit großer Kraft nachwirken. Ein erschütterndes und einzigartiges Kino-Ereignis (übrigens gefördert von der Film- und Medien-Stiftung NRW) - der einzig geeignete Film, um überzeugend das Ende der Corona-Schließungen zu feiern.

Monos - Zwischen Himmel und Hölle, Kolumbien 2019, Regie: Alejandro Landes, mit Sofia Buenaventura, Julián Giraldo, Karen Quintero, 103 Min., FSK ab 16