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Multigenerationen-Komödie: „Enkel für Anfänger“: Mit Sukowa und Lauterbach

Multigenerationen-Komödie : „Enkel für Anfänger“: Mit Sukowa und Lauterbach

Was haben Barbara Sukowa, Heiner Lauterbach und Maren Kroymann gemein? Sie alle müssen sich mit Leihenkeln herumschlagen in dieser neuen Komödie von Wolfgang Groos.

Es gibt etliche Kinomomente, in denen es um die Schwierigkeiten, die hohen Erwartungen geht, denen sich heutige Eltern ausgesetzt sehen. Man denke an Filme wie „Eltern“ von Robert Thalheim oder zuletzt etwa „Frau Mutter Tier“ mit Julia Jentsch.

So wenig aber, wie Eltern vorab wirklich auf ihre Aufgaben in Sachen Kinder-Erziehung vorbereitet werden, so wenig gibt es für Großeltern einen Vorab-Check, einen Führerschein, der sie für ihre Zeit als Enkelaufpasser präpariert.

In der hübschen Multigenerationen-Komödie „Enkel für Anfänger“ aber nimmt sich Regisseur Wolfgang Groos eben dieses Themas an. Auch, wenn es sich bei den betreuten Enkeln nicht unbedingt um leibliche Nachfahren handelt. Groos, der Werke wie „Die Vampirschwestern“ und „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ in seinem Portfolio hat, wartet mit einer namhaften Besetzung auf: Heiner Lauterbach gehört dazu, ebenso Barbara Sukowa, Maren Kroymann und Dominic Raacke. Lavinia Wilson gehört mit ihren 39 schon zu den jüngeren Protagonisten des Films. Einmal abgesehen freilich von all den Kids, die mit zum Ensemble gehören.

„Wir müssen doch mal irgendwas machen!“, so die von Kroymann mit Verve gespielte, von ihrem Rentnerdasein sichtbar angeödete Best Agerin Karin zu ihrem tatsächlich sehr langweiligen und wenig unternehmungslustigen Gatten. Der zudem anstelle von aufregenden Reisen lieber von Treppenliften spricht. Wie wäre es denn mal, so Karins Idee, mit einem Einsatz als Leih-Großmutter? Die verrückte Philippa etwa (Sukowa), die ist doch längst im sogenannten Enkeldienst aktiv...

Gesagt, getan. Schnell hat auch Karin einen Enkel an der Backe: Jannik (der wunderbare, hier indes etwas blasse Julius Weckauf aus „Der Junge muss an die frische Luft“ und „Lindenberg! Mach dein Ding“). Und auch Heiner Lauterbach, der einen pensionierten und frustrierten Mediziner darstellt (in einer Szene ist vom „schwulen Internisten mit dem Stock im Arsch“ die Rede), kommt nicht drum herum, sich einem Paten-Enkel zu stellen. So sehr sich seine Figur auch anfänglich dagegen sträubt. Stets im Mittelpunkt des Enkel-Großeltern-Chaos: Eine wunderbar selbstironische Barbara Sukowa, deren Philippa aufs Herrlichste zwischen muffiger Hippie-Oma und anarchistisch-fröhlicher Dreadlock-Pippi-Langstrumpf changiert.

Neben manchem Allgemeinplatz und vielen Klischees, die hier bedient werden, kommt es immer wieder zu merkwürdigen intergenerationellen Begegnungen. Darunter eine schöne Szene an einem sommerlichen Garten-Grill: Enkelin zum Teilzeit-Opa: „Meine Eltern sagen, wir essen nur Bio!“. Daraufhin der Opa (Günther Maria Halmer): „Dann überleg dir mal, wer der Gemeine ist: Der, der ein unglückliches Schwein tötet, oder der, der ein glückliches Schwein tötet?“.

Das Drehbuch von Robert Löhr wartet mit einigen, und doch viel zu wenigen Momenten dieser Art auf. Der Humor dieser, alles in allem charmanten Komödie könnte bissiger und zugleich weniger häufig unter der Gürtellinie angesiedelt sein („Ich hab mir Vaginalkugeln aus Kokosöl gegossen!“). Eine mehrfach rülpsende Barbara Sukowa etwa ist, so nett ihre Figur auch insgesamt gezeichnet sein mag, kaum lustig. Was aber stets stimmt und teils ansteckend ist: die Chemie im Darsteller-Kreis, zu dem auch eine, längst aus kaum einer hiesigen Komödie mehr wegzudenkende Palina Rojinski gehört.

Fast am interessantesten ist diesmal der Auftritt von Heiner Lauterbach. Ein zwar renommierter und vielfach ausgezeichneter, nichtsdestotrotz ein Akteur, der auch mal peinliche Performances hingelegt hat in den vergangenen Jahren. Man denke an die wenig fordernde Rolle des heute 66-Jährigen in der unterkomplexen und kaum lustigen Schneekomödie „Kalte Füße“ an der Seite von Sonja Gerhardt und anderen.

Nur einmal zwar kann Lauterbachs Figur in „Enkel für Anfänger“ ihre steife Gutbürgerlichkeit - hinter der sich, das wird im Verlauf immer deutlicher, eine ganze Reihe von Verletzungen verbirgt - nur einmal vermag dieser Gerhard seine steife Hülle wirklich zu durchbrechen: In diesem Moment aber gibt Lauterbach eine überraschend anmutige, eine wirklich sehr hübsche, anrührende Eigeninterpretation von Reinhard Meys Jahrhundertklassiker „Über den Wolken“ zum Besten. Zu den drei, vier Momenten gehört diese Szene, die diesen, nicht immer ganz ausgegorenen Großeltern-Film überdauern werden.

- Enkel für Anfänger, Deutschland 2019, 104 Min., FSK ab 6, von Wolfgang Groos, mit Maren Kroymann, Lavinia Wilson, Heiner Lauterbach

Enkel für Anfänger

Aachen: Cinekarree, Eden

Alsdorf: Kinopark

Düren: Lumen

Erkelenz: Gloria

Originalversion

Heerlen: Quatro4

Kerkrade: Vue