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„Die Känguru-Chroniken“: Eine etwas andere Wohngemeinschaft

„Die Känguru-Chroniken“ : Eine etwas andere Wohngemeinschaft

Was passiert, wenn ein kommunistisches Känguru auf einen anarchistischen Kleinkünstler trifft? Das ist ab jetzt zu sehen in Marc Uwe-Klings modernem Klassiker namens „Die Känguru-Chroniken“.

Regisseur Dani Levy macht aus dem kommunistischen Känguru von Marc-Uwe Kling eine nette Komödie mit flapsigem Klassenkampf und klasse Besetzung.

Es fängt damit an, dass ein Känguru bei Marc-Uwe Kling (Dimitrij Schaad) nervig klingelt und um ein paar Eier bittet, um wenige Momente später gleich ganz einzuziehen. Doch wie es sich für die Geschichte eines kommunistischen Kängurus und eines anarchistischen Kleinkünstlers gehört, wird beim Film erst mal kritisch über die passende Nacherzählung diskutiert. Der Streit-Ton ist damit gesetzt, es ist das intellektuell durchaus gehaltvolle, zitatenreiche und links-politische Gekabbel zwischen neuen WG-Bewohnern.

Dem flott-chaotischen Auftakt um hauptsächlich verschütteten Eierkuchen-Teig mit geistreichem Wortwitz, guter Animation und noch besserem Schauspiel folgt ein Mix aus Kiez-Porträts, Slapstick und anti-kapitalistischer Handlung. Denn die typische Berliner Viertel-Bude im Multikulti-Viertel soll vom fiesen Immobilien-Bonzen Jörg Dwigs (Henry Hübchen) für einen populistisch-nationalen Europa-Tower platt gemacht werden. So wie die Nazis, die gerade Kling und Känguru wegen dessen Köter-Weitkicken verfolgen, aus purer Blödheit Dwigs’ Porsche platt gemacht haben. Dass der Immobilien-Hai auf Sand gebaut hat, erfährt die Protest-Truppe um Kling, das Känguru, die Kneipen- und Büdchen-Besatzung sowie Klings Love-Interest (Rosalie Thomass) erst später.

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Es gibt reichlich Filmzitate und Häppchen aus dem modernen Klassiker „Die Känguru-Chroniken“: Der grammatikalische Korinthenkacker bekommt ebenso sein Fett ab, wie die Nazis, die AzD (Alternative zu Deutschland), „Fick Neoliberalismus“ (als Graffito nicht Graffiti!), rechte Aluhüte, ein Berliner Schwabe, der den Mangel an korrektem Deutsch beklagt, und das Gentrifizieren. Wenn die Handlung zwischendurch mal an Schwung verliert, tragen die sympathischen Figuren und die trefflichen Karikaturen die Komödie locker über die Hänger.

Dimitrij Schaad gibt die menschliche Hauptfigur stimmig, die animalische Animation ist gut und vor allem witzig. Dani Levys vertrauter Darsteller Henry Hübchen karikiert klasse den rechtspopulistisch verbrannten Unsympath und Rassisten. Das ist inhaltlich eher rebellisch als formal von Marc-Uwe Kling und Dani Levy auf die Leinwand gebracht. Nach Komödien wie „Alles auf Zucker“ ist es diesmal kein feiner Lubitsch von Levy. Für die vielen Fans sind „Die Känguru-Chroniken“ möglicherweise zu wenig pointiert, für Neueinsteiger auf jeden Fall ein netter Spaß mit dem Herz am linken Fleck. Für Nazis, AfD-Wähler und Immobilien-Spekulanten aber eher nichts.

BRD 2020 Regie: Dani Levy, mit Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Henry Hübchen 90 Min.

Aachen: Apollo; Capitol

Alsdorf: Kinopark

Düren: Lumen

Erkelenz: Gloria

Eschweiler: Primus