„X-Men: Dark Phoenix“: Ein neuer Tiefpunkt in Hollywoods Einfallslosigkeit

„X-Men: Dark Phoenix“ : Ein neuer Tiefpunkt in Hollywoods Einfallslosigkeit

„X-Men: Dark Phoenix“ ist ein neuer Tiefpunkt in Hollywoods Einfallslosigkeit: Nicht nur, dass die Filmfabrik absolut keine neuen Ideen hat, der ausgeleierte Kram wird auch noch in zig Geschmacksrichtungen wiederholt. So wie Marvel auch dem letzten Idioten in bunten Strumpfhosen einen eigenen Film gewährt, wird jetzt bei den X-Men diversifiziert: X-Woman Jean Grey darf als Dark Phoenix gegen Aliens kämpfen.

So wie Wolverine als „Logan“ nach einigen X-Hauptrollen einen ganzen Film bekam, dreht sich nun alles um die Figur Jean Grey. Eine Mutantin, die während einer Rettungsmission im All von einer kosmischen Kraft getroffen wird und dadurch „in die mächtigste aller Mutanten verwandelt“. Einstweilen, denn im nächsten Film wird sicher jemand in den aller-aller mächtigsten aller Mutanten verwandelt. Auf die Steigerung der Einfallslosigkeit ist Verlass. In nun sieben Filmen wurde Jean Grey von Famke Janssen und Sophie Turner dargestellt.

Die Telepathin ist ein wenig schizophren, denn sie ist nie allein. In ihr existiert auch Phoenix, eine galaktische Krafte, die Planeten vernichtet, aber auch Leben schafft. So darf die jeweilige Schauspielerin der Figur immer die Herausforderung meistern, zwei Persönlichkeiten in einem Körper kämpfen zu lassen - Augenverdrehen inklusive. Wie „Star Trek“ und „Star Wars“ folgen die Fans ihren Figuren in unterschiedlichen Phasen des Lebens, gespielt von unterschiedlichen Darstellern. Das erfordert einiges Feingefühl und Pflege des jeweiligen Charakters.

Bei der Jean Grey-Verkörperung durch „Game Of Thrones“-Star Sophie Turner mit hübschem und harmlosem Gesicht fehlt beides. Die Figur tritt wie altbekannt auf, die entscheidenden psychologischen Fakten werden im Dialog dargebracht, wirklich filmisch oder schauspielerisch vermittelt sich das eher schlecht. Simon Kinberg schrieb für „X-Men: Der letzte Widerstand“ das Drehbuch, dann war er bei „X-Men: Erste Entscheidung“ Produzent und kontrollierte den weiteren Verlauf der Serie. „Dark Phoenix“ ist nun seine erste Regie, nachdem er sich schon vorher mal inszenatorisch eingemischt haben soll.

Ausgerechnet bei einem so erfahrenen Autoren bringen aber ein paar logische Schlampereien alles an den Rand der Lächerlichkeit. „Dark Phoenix“ soll der Abschluss dieser „X-Men“-Epoche mit Michael Fassbender und James McAvoy als Anführer sein. Es ist zumindest der letzte Auftritt für Jennifer Lawrence als Raven. Und diese „Alt-Stars“ inmitten der Teenager- und Highschool-Version überragen schauspielerisch. Selbst Jessica Chastain ist als Neuzugang verschenkt: Sie spielt eine hochhakige, aber letztlich flache Alien-Anführerin, die Jeans Energie stehlen und selbstverständlich die Erde vernichten will.

Zweite Hauptfigur ist Xavier (James McAvoy), der Leiter der Mutanten-Schule, auf Büßer-Tour nach seiner folgenschweren Selbstüberschätzung. Selbst im Rahmen des Genres und der Serie wirkt „Dark Phoenix“ wie die Billig-Version eines X-Films. Nur das Empowerment einer jungen Frau gegenüber ihrem alten Mentor bleibt da nach einem funkensprühenden Tricktechnik-Finale in Erinnerung.

X-Men: Dark Phoenix USA 2019 Regie: Simon Kinberg, mit Sophie Turner, Jennifer Lawrence, Tye Sheridan, Jessica Chastain, Michael Fassbender, James McAvoy, Nicholas Hoult, Evan Peters 161 Min.

Aachen: Cinekarree, Eden; Alsdorf: Kinopark; Düren: Lumen; Erkelenz: Gloria; Eschweiler: Primus; Heinsberg: Roxy; Originalversion: Heerlen: Quatro4; Kerkrade: Vue

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